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Nur die Schuhe dürfen vor dem Rathaus demonstrieren

Gestern hat die Klimabewegung in der ganzen Schweiz Aktionen durchgeführt. Wegen Corona ohne grosse Demos.

Daniel
Fischli
Samstag, 16. Mai 2020, 04:30 Uhr Aktionen der Klimabewegungen

Exakt 151 Paar Schuhe sind es. Franz Schnider von der Glarner Klimabewegung hat sie gezählt. Die Schuhe stehen stellvertretend für ihre Besitzer auf dem Rathausplatz in Glarus und demonstrieren für das Klima. Eigentlich hätten gestern in der ganzen Schweiz grosse Kundgebungen stattfinden sollen, der 15. Mai ist von der Klimabewegung schon lange als Aktionstag angekündigt worden. Doch dann hat der Bundesrat wegen der Corona-Pandemie öffentliche Veranstaltungen verboten. Nun demonstrieren halt die Schuhe.

«Die Coronakrise hat uns nicht gebremst, sondern neue Energien freigesetzt», sagt Søren Ehlers aus Ennenda. «Wir mussten neue Wege finden und wir wollten erst recht etwas machen.» Über Instagram, Whatsapp und Facebook haben die Glarner Klimabewegten dazu aufgerufen, Schuhpaare zur Verfügung zu stellen und eine Botschaft dazu auf ein Stück Karton zu schreiben.

Gestern Vormittag sind die Schuhe vor dem Rathaus zum stillen Protest aufgestellt worden. «Das Klima ist auch systemrelevant», heisst es etwa auf einem Karton. Oder: «Das Klima wartet nicht, bis die Coronakrise vorbei ist.» Und: «Kurzstreckenflüge nur für Insekten – auch nach der Coronakrise.» Nach zwei Stunden wird die Installation wieder abgeräumt. Nur von fünf Personen, wie vorgeschrieben.

Corona zeige, dass vieles möglich ist

Die Coronakrise zeige, dass es möglich sei, etwas zu verändern, sagt Søren Ehlers. Das müsse auch in der Klimakrise passieren. Konkret will sich die Glarner Klimabewegung für das neue Energiegesetz einsetzen, das an die Landsgemeinde vom September kommt. In welcher Form sie das machen kann, ist allerdings noch völlig offen. An eine Podiumsdiskussion vor Publikum zum Beispiel ist ja nach wie vor nicht zu denken.

Vor einem Jahr hat die Glarner Klimabewegung mit ihrer Unterschriftensammlung für eine ausserordentliche Landsgemeinde für Aufregung in der etablierten Politik gesorgt. Um dieses Projekt ist es seither wieder etwas stiller geworden. «Die Klima-Landsgemeinde ist vielleicht etwas liegen geblieben», sagt Ehlers. «In den vergangenen Wochen konnte man ja auch kaum Unterschriften sammeln.» Die Bewegung wolle aber nach wie vor die nötigen 2000 Unterschriften zusammenbringen.

«Ich freue mich, wenn man hoffentlich bald wieder auf der Strasse Unterschriften sammeln oder demonstrieren kann», sagt Søren Ehlers. Die Schuhe vor das Rathaus zu stellen, sei schon nicht das Gleiche.

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