×

Unterricht in halben Klassen und mit Lehrern auf Distanz

In einer vierwöchigen Übergangsphase soll die St. Galler Volksschule ab 11. Mai zurück zur Normalität finden. Lehrpersonen müssen weiter zwei Meter Distanz halten – Schüler nur bedingt. Masken sind nicht vorgesehen.

Pascal
Büsser
01.05.20 - 04:30 Uhr
Politik
Bald heisst es wieder Schulsack packen: Am 11. Mai werden die Kinder in der Schule zurückerwartet. Bild Keystone
Bald heisst es wieder Schulsack packen: Am 11. Mai werden die Kinder in der Schule zurückerwartet. Bild Keystone

Ab dem 11. Mai soll die Volksschule zurück zur Normalität finden. Das hat der Bundesrat am Mittwoch kommuniziert. Das St. Galler Bildungsdepartement gab gestern weitere Details dazu bekannt. Nach rund zwei Monaten Fernunterricht rollt der Präsenzunterricht wieder an. In den ersten vier Wochen vorerst in Halbklassen. Wie das genau organisiert werde, sei den einzelnen Schulgemeinden überlassen, sagte Alexander Kummer, Leiter des Amts für Volksschule, vor den Medien. Der Kanton empfiehlt, die halbe Klasse morgens, die andere Hälfte nachmittags zu unterrichten. In den vier Wochen vor den Sommerferien ist dann der Unterricht im normalen Rahmen vorgesehen.

Wie gross ist die Schere?

Der Start in Halbklassen soll den Lehrkräften helfen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Zum einen sei nach zwei Monaten Fernunterricht eine Bestandesaufnahme nötig, wo die Schüler stehen, um alle wieder auf ein ähnliches Niveau zu bringen. Befürchtet wird von Schulleitern, dass die Schere zwischen starken und schwachen Schülern sich durch unterschiedliche Betreuung zuhause geöffnet haben könnte.

Zum anderen haben die Lehrpersonen auch die Aufgabe, die Verhaltensregeln des Bundesamts für Gesundheit (BAG) umzusetzen und mit den Schülern einzuüben. «Auch das ist in Halbklassen einfacher», sagte Amtsleiter Kummer.

Grundsätzlich gelte, dass die Lehrpersonen unter sich und auch zu den Schülern zwei Meter Distanz einhalten sollen. Gemäss Kummer bedeutet dies eine Einschränkung der zur Verfügung stehenden Unterrichtsmethoden. Für die Schüler gilt innerhalb des Schulzimmers kein Distanzgebot. Auf dem Schulweg sollen laut Kummer die Schüler jedoch nach Möglichkeit die Distanzvorgaben einhalten. «Von Oberstufenschülern kann man das verlangen, bei Kindergärtnern und Primarschülern ist das natürlich schwierig», sagte Kummer.

Nicht vorgesehen ist gemäss den Empfehlungen des Bundes das Tragen von Schutzmasken im Schulhaus. Das sei «in diesem Setting keine sinnvolle Massnahme», heisst es im Schutzkonzept des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Das Einhalten von Hygiene- und Abstandsregeln sei effizienter. «Wir werden den Schulen jedoch für spezielle Situationen eine kleine Zahl an Schutzmasken zur Verfügung stellen», erklärte Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP) gestern.

Quarantäne nur in Einzelfällen

Die Schulöffnung basiert auf den Feststellungen des BAG, dass es bei Kindern keine Risikogruppen für Covid-19 gebe und Kinder «für die Übertragung des Virus keine wesentliche Rolle» spielten. Sie erkrankten seltener als Erwachsene und wenn sie erkrankten, seien die Verläufe meist milde oder gar symptomlos. «Je weniger Symptome vorhanden sind, desto geringer sind die Virenlast und das Risiko einer Virenverbreitung durch Tröpfchenbildung», zitiert Kölliker im Amtlichen Schulblatt das BAG.

«Wir gehen davon aus, dass genügend Lehrkräfte verfügbar sind.»
Alexander Kummer, Leiter Amt für Volksschule

Bei den Lehrpersonen gehören gemäss Kölliker dagegen im Schnitt 10 Prozent zur Risikogruppe. In einigen Schulgemeinden könne die Gruppe gar 20 bis 30 Prozent der Lehrkräfte ausmachen. Diese können sich mit ärztlichem Attest vom Präsenzunterricht dispensieren lassen. «Wir gehen davon aus, dass in der ersten Phase genügend Lehrkräfte verfügbar sind», so Kummer. Weniger eindeutig ist die Situation, wenn Eltern von schulpflichtigen Kindern zur Risikogruppe gehören. Das BAG empfiehlt in diesen Fällen, individuelle Lösungen zu finden.

Allgemein gültig bleibt, dass Schüler wie auch Lehrpersonen mit Symptomen zu Hause bleiben müssen. Tritt ein einzelner Fall in einer Klasse auf, ist gemäss BAG jedoch keine Quarantäne für die ganze Klasse nötig. «Wenn in einer Klasse mehrere Fälle auftreten, kann das weitergehende Massnahmen nötig machen», erklärte Kummer. Vorerst ausgesetzt bleibt der Kochunterricht und «kontaktintensive Aktivitäten» im Schulsport.

Aufgrund des Unterrichtsstarts in Halbklassen müssen die Eltern von Schulkindern grundsätzlich weiterhin zusätzliche Betreuungsstunden organisieren. Die Betreuung von Kindergarten- und Primarschulkindern, deren Eltern dies nicht können, müssen die Schulgemeinden allerdings weiter kostenlos sicherstellen.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Politik MEHR