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Migliè-Strassenbau bleibt umstritten

Die im Fusionsvertrag festgehaltene neue Verbindung zwischen Waltensburg und Brigels stösst auch bald zwei Jahre nach dem Zusammenschluss auf Widerstand. Umweltverbände haben Einsprache eingereicht.

Jano Felice
Pajarola
Mittwoch, 23. Oktober 2019, 04:30 Uhr Einsprache
Überwundene Hürde Volksabstimmung (2017) - nun folgt die nächste für die Verbindung zwischen Waltensburg und Brigels.
MARCO HARTMANN

Der WWF Graubünden und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) haben anders entschieden als Pro Natura: Sie erheben Einsprache gegen die geplante neue Verbindungsstrasse Migliè zwischen den beiden Brigelser Fraktionen Breil und Vuorz/Waltensburg, und das gleich doppelt. Einerseits rekurrieren sie gegen das derzeit aufliegende Meliorationsprojekt für die Strasse, andererseits gegen das damit verknüpfte Rodungsgesuch für jenen Teil der Langlaufloipe durch Migliè, die wegen des Strassenbaus verlegt werden muss. Das bestätigt Franziska Grossenbacher von der SL gegenüber der Redaktion.

Brücke als «Fremdkörper»

Die beiden Umweltverbände halten in einer Medienmitteilung fest, zwischen Waltensburg und Brigels würden sieben Verkehrsverbindungen existieren, eine achte sei «unnötig und aus Sicht des Landschaftsschutzes nicht bewilligbar». Die neue Strasse zerstöre das schöne Maiensässgebiet Migliè, auch sei die geplante «massive» Betonbrücke über den Flembach ein «Fremdkörper in der von Infrastruktur weitgehend unbeeinträchtigten» Gegend.

Als denkbare Verbindung zwischen den Fraktionen verweisen sie auf die Gemeindestrasse via Munsaus; diese sei früher problemlos mit dem Auto befahrbar gewesen, auch winters. Mit dem Start der Fusionsgespräche habe man aber ihren Unterhalt zu vernachlässigen begonnen, sie im Winter nicht mehr vollständig geräumt oder gar gesperrt. Es bestehe somit «der erhebliche Verdacht», dass man mit einer «politisch motivierten Zwangssperre» eine neue Strasse erzwingen wolle.

Was SL und WWF ausserdem anmerken: Die Landwirtschaft habe kein nachweisbares Interesse an einer asphaltierten Migliè-Strasse; doch werde das Ganze als Meliorationsprojekt aufgegleist. «In den Augen der Umweltverbände ist dies ein Missbrauch von Landwirtschaftsgeldern.»

Munsaus: Keine Alternative

«Da haben sie wohl jeden Fussweg gezählt, den es zwischen Waltensburg und Brigels gibt», meint Clau Schlosser, Gemeindepräsident von Breil/Brigels, lakonisch zu den «sieben Verkehrsverbindungen», die SL und WWF erwähnen. Jene via Munsaus, die nun plötzlich als Alternative angeführt werde, habe die Umweltseite notabene noch vor nicht allzu langer Zeit für die Umnutzung zum Wanderweg vorgeschlagen, falls die Migliè-Strasse realisiert werde. Die 1850 gebaute Munsaus-Strasse mit ihren Stabilitätsproblemen sei sicher nicht als wintersichere Verbindung nutzbar.

Zur Frage nach dem Bedarf hält Schlosser fest, dass und wo die Strasse gebaut werden müsse, sei im Fusionsvertrag festgehalten, und den gelte es umzusetzen. Auch der Kredit liege bereits vor. Nicht zuletzt habe auch das Amt für Natur und Umwelt Graubünden keinerlei Einwände gegen das Projekt geäussert. Die von WWF und SL erwähnte Brücke wiederum sei nicht «massiv», sondern «sehr filigran und gut eingebettet».

Nur 150 Meter wirklich neu

Was den Vorwurf des Missbrauchs von Landwirtschaftsgeldern angeht, setzt sich Schlosser ebenfalls zur Wehr. Die Landwirtschaft habe gerade auf Waltensburger Seite sehr wohl ein grosses Interesse am dortigen Strassenteil für die Erschliessung von Weiden und Alpen, er sei in der Melioration auch bereits zur Sanierung vorgesehen gewesen. Die Waldstrasse auf Brigelser Seite führe ebenfalls in Landwirtschaftsland. Einzig die 150 Meter neu zu bauende Ergänzung dazwischen seien davon ausgenommen.

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