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Engi feiert seinen neuen Ständerat

Am Sonntagabend hat Mathias Zopfi eine Wahlfeier gegeben. Sie verrät sein Erfolgsrezept.

Daniel
Fischli
Dienstag, 22. Oktober 2019, 04:30 Uhr Siegesfeier
Engi feiert seinen neuen Ständerat in der Mehrzweckhalle Engi.
SASI SUBRAMANIAM

Man könnte es auch für die Wahlfeier der SVP halten: Die Harmoniemusik Engi spielt in der Mehrzweckhalle, das Publikum sitzt an langen Tischen und plaudert, der Landammann spricht und auch der Gemeindepräsident. Der Gewählte dankt seinen Jasskameraden für die Unterstützung, es gibt Weisswein, Käseküchlein, Kaffee und Kuchen. Die SVP ist aber am Sonntagabend nicht in Festlaune. Ihr Ständerat Werner Hösli ist abgewählt worden. Dafür feiert der Grüne Mathias Zopfi in Engi die Sensation seines Wahlsieges. In der Art und Weise durch und durch bürgerlich. Nur die Treichler fehlen.

Auch am Abend mit Krawatte

Es ist vielleicht das Erfolgsgeheimnis von Mathias Zopfi, dass er so gar nicht dem Feindbild eines Grünen entspricht. In der Mehrzweckhalle trägt er als einer von Wenigen Anzug und Krawatte. Er ist bis weit in die Mitte und wohl sogar darüber hinaus wählbar.

Offenbar trauen der Sache aber nicht alle. Landammann Andrea Bettiga gratuliert dem neuen Glarner Ständerat und erinnert ihn daran, dass er auch von Menschen «aus dem bürgerlichen Lager» gewählt worden sei. Sie hätten jetzt Erwartungen an ihn. Ausserdem sei er als Ständerat in erster Linie Vertreter des Kantons. «This» sei aber einer, der Lösungen suche und gesunden Menschenverstand walten lasse, meint Bettiga zuversichtlich.

Auch der Gemeindepräsident von Glarus Süd mahnt in seiner Ansprache, der neue Ständerat habe im Wahlkampf versprochen, dass er nicht Parteipolitik betreibe, sondern sich für den Kanton einsetze. «Wir nehmen dich beim Wort», sagt Mathias Vögeli zu Zopfi. Engi habe schon früher einmal einen Vertreter nach Bern geschickt, berichtet Vögeli: David Baumgartner war von 1965 bis 1978 Nationalrat. Und schon Baumgartner sei wie Zopfi kein Bürgerlicher gewesen, sondern Sozialdemokrat. «Da staune ich», sagt Vögeli.

Der neue Standesvertreter soll aber nicht gleich am Wahltag von den Bürgerlichen vereinnahmt werden. Seine Parteipräsidentin Priska Müller sagt deshalb: «Es ist gut, dass Mathias Zopfi die weltoffene Seite des Glarnerlandes in Bern zeigt.» Mit ihm seien nun auch die jüngere Generation und die Glarner Mitte-links-Wähler im Parlament vertreten. Und Zopfi setzt ein kleines Zeichen, als er in seiner Ansprache zuerst der Klimajugend für ihren Einsatz dankt: «Sie hat mir viel Rückenwind gegeben.»

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