Ein Schlagabtausch für den Angriff aufs Stöckli
Fünf der sieben St. Galler Ständeratskandidaten kamen gestern in Kaltbrunn zum einzigen Wahlpodium in See-Gaster zusammen. Die beiden Bisherigen punkteten mit Fachwissen.
Fünf der sieben St. Galler Ständeratskandidaten kamen gestern in Kaltbrunn zum einzigen Wahlpodium in See-Gaster zusammen. Die beiden Bisherigen punkteten mit Fachwissen.
Noch 15 Tage bis zur Wahl: Um der Bevölkerung im Linthgebiet eine Entscheidungshilfe für den auszufüllenden Stimmzettel zu bieten, organisierten die FDP-Ortsparteien Kaltbrunn und Schänis-Weesen gestern Abend ein Wahlpodium mit den St. Galler Ständeratskandidaten. Fünf der sieben Kandidaten kamen im Kaltbrunner Kulturzentrum Dröschi zu einem engagierten Wortgefecht zusammen. Nicht anwesend waren BDP-Kandidat Norbert Feldmann und Pietro Vernazza (GLP). Sie hätten nicht auf die Einladung reagiert, hiess es.
Moderator Urs Hemm, stellvertretender Redaktionsleiter «Toggenburger Tagblatt», liess die Kandidaten zu verschiedenen politischen Brennpunkten Stellung beziehen. Dass vor allem die beiden amtierenden Ständeräte Beni Würth (CVP) und Paul Rechsteiner (SP) mit den Top-Themen aus Bundesbern vertraut sind, zeigte sich am Podium deutlich. Würth fand eine sportliche Metapher für seine kurze bisherige Zeit im «Stöckli»: «Ich bin quasi in der in 85. Minute eingewechselt worden, habe aber schon einige wichtige Pässe gespielt», befand er.
Würth stach in der Runde durch seine staatsmännischen, ruhigen und oftmals erklärenden Ausführungen hervor. Nicht selten korrigierte er seine Nebenbuhler. «Es ist jetzt schon viel gesagt worden, das noch nicht so ganz stimmt», sagte er dann etwa, um zu einer längeren Erklärung anzusetzen.
Zu längerem Redefluss neigte auch die Jüngste am Podiumsgespräch, Franziska Ryser (Grüne). Sie sorgte für Frische in der sonst reinen Männerrunde, sprach sich für eine Einheitskasse im Gesundheitswesen aus und betonte, wie wichtig der Umstieg auf erneuerbare Energien sei. «Aktuell werden nur fünf Prozent des Potenzials der Solarenergie genutzt», sagte sie. Dies sei zu wenig. Auch Windenergie müsse man mehr nutzen. Mehr als einmal lieferte sich Ryser einen Ping-Pong-ähnlichen Schlagabtausch mit FDP-Kandidat Marcel Dobler. Dieser hob sein technologisches Fachwissen hervor und stellte sich den Zuhörern als «Digitalisierungsexperte» vor. Zitat: «Ich kann im Ständerat Know-how liefern und so grossen Mehrwert schaffen.»
Seitenhiebe von der SVP
Einer, der nicht mit angriffigen Kommentaren sparte, war SVP-Kandidat Roland Rino Büchel. «Bitte nicht nur Schlagworte in die Runde werfen und das Gefühl haben, das Problem sei gelöst», sagte er etwa nach einer längeren Erläuterung von Ryser. Beim Thema steigende Krankenkassenprämien fand er klare Worte: Der Mensch selber sei hier das Grundproblem. Indem er zu oft und unnötigerweise zum Arzt gehe, zu wenig auf günstige Generika ausweiche oder allzu schnell eine Operation verlange. «Da müssen wir ehrlich sein mit uns selber: Übertreiben wir es nicht mit unserem Konsumverhalten?», warf er in die Runde.
Ruhig und deutlich weniger streitlustig trat derweil Paul Rechsteiner (SP) auf. Seine über dreissig Jahre im Bundeshaus drangen in seinen Antworten durch, aus der Reserve locken liess er sich nicht. Die Aufgabe des Ständerats sei es, «auch über den Gartenhag zu schauen und Lösungen zu finden, die für alle tragbar sind».
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