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Kirchen rütteln auf: «5 vor 12 fürs Klima»

In Kirchen vom Amden bis Rapperswil-Jona stehen die Uhren still mit der Botschaft: Es ist höchste Zeit, etwas für die Umwelt zu tun!

Linth-Zeitung
Samstag, 28. September 2019, 04:30 Uhr Zur nationalen Klima-Demo
Höchste Zeit: Kirchen setzen mit der Aktion «5 vor 12» ein Zeichen für den schonenden Umgang mit der Schöpfung.
GABI CORVI

von Gabi Corvi

In der Nacht von gestern auf heute, kurz vor Mitternacht, stellte Mesmer Anton Keller die Kirchturmuhr der Pfarrkirche Schänis ab. Viele Passanten blicken wohl heute zur Uhr und stellen mit Erstaunen fest, dass die Zeiger bewegungslos auf 5 vor 12 verharren. Nicht nur in der Kirchgemeinde Schänis-Maseltrangen, sondern unter anderem in Kaltbrunn und Benken, in Bollingen, Eschenbach oder Amden zeigen heute die Kirchturmuhren 5 vor 12.

Zur Aktion aufgerufen hat «Oeku Kirche und Umwelt» im Rahmen der heutigen Klimademo. Der Verein widmet sich der theologisch-ethischen Sicht der Umweltpolitik. Er berät die Schweizer Bischofskonferenz und den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund in ökologischen Fragen und äussert sich zur Klima- und Energiepolitik, Biodiversität oder Verkehrspolitik. Die heutige Aktion und die Idee der stillstehenden Kirchturmuhren und des Glockengeläuts im Linthgebiet aufgegriffen hat der Schänner Seelsorger Bruno Schmid.

Der Schöpfung Sorge tragen

Auf dem Plakat, das vor dem Pfarreiheim steht und bei der Pfarrkirche in Kaltbrunn hängt, wird aus Papst Franziskus’ Enzyklika «Laudato si» zitiert: «Wir sind die Ersten, die daran interessiert sind, der Menschheit, die nach uns kommen wird, einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen. Es geht um den Sinn unserer menschlichen Existenz.» Pfarreibeauftragte Beate Kaschel will mit der Aktion ein starkes Zeichen setzen. Sie betont: «Es ist Zeit, die Menschen aufzurütteln. Die Schöpfung ist ein Geschenk und wir tragen die Verantwortung dafür.»

Franz Ambühl, Pfarreibeauftragter Benken, hält auf seinem Info-Plakat gleich Tipps bereit, wie das praktisch umgesetzt werden könnte: «Ich gehe vermehrt zu Fuss, ich heize meine Wohnung auf höchstens 21 Grad, kaufe saisonal und regional ein. Ambühl ist sehr umweltbewusst unterwegs: Er hat kein Auto, sein Fortbewegungsmittel ist das Velo oder die öffentlichen Verkehrsmittel.

Bei Jörn Schlede, Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde Weesen-Amden, sind es seine Kinder, die immer wieder zum schonenden Umgang mit Ressourcen mahnen und selbst auf Plastikflaschen verzichten. Und so komme in der Familie oft die Frage auf: Brauchen wir dieses oder jenes wirklich? Schlede erinnert sich zurück, in jungen Jahren immer wieder dem Aufkleber «Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung» begegnet zu sein. «Dieser Auftrag der Kirche ist somit nicht neu.»

Blumen und Holzbesteck

Beim Fest zur 250-Jahr-Feier der Kirche St. Gallenkappel war bereits Holzbesteck im Einsatz, sagt Michael Vogt, Pfarreibeauftragter Eschenbach. Umweltschutz sei in den Räten ein Thema, das stark präsent sei, so Vogt. Das Bewusstsein um die Sorge des gemeinsamen Hauses soll mit der Aktion «5 vor 12» nach aussen getragen werden.

Bruno Schmid, Pfarreibeauftragter Schänis-Maseltrangen, setzt, wenn immer es geht, selbst um, was er für wichtig hält. Insbesondere sei er sehr sparsam im Umgang mit Verbrauchsmaterial und Geräten. «Wenn etwas kaputt ist, wird geprüft, ob es noch zu reparieren ist, bevor es entsorgt wird. Seit zwei Jahren hat die Kirchgemeinde die Friedhofswiese in Schänis dem Verein Schänner Natur zur Verfügung gestellt, damit dort eine Magerwiese entstehen kann. Nun blüht es im Frühling und Sommer jeweils ganz zur Freude vieler Lebewesen in grosser Vielfalt.

Auch akustische Zeichen

Last but not least ist die Katholische Kirchgemeinde Uznach bei der Aktion mit dabei – akustisch. Wie der Kirchenverwaltungsrat mitteilt, werden die Glocken der Stadt- und der Kreuzkirche um halb drei am Nachmittag im Vollgeläut erklingen. Sie sollen die Menschen daran erinnern, ihr Handeln zu hinterfragen und nach Möglichkeiten zu suchen, ihren Alltag klimagerecht zu gestalten.

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