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Luzerner Jungluchs im Eigental erfolgreich ausgewildert

Ein Lamm, eine streunende Katze und jede Menge Wildbret: Das hat ein Jungluchs vertilgt, seit er im Juni im Eigental LU ausgewildert worden ist. Das verwaist gefundene und aufgezogene Tier ist etwas Besonderes. Seine Ahnen sind Jurassier.

Agentur
sda
Donnerstag, 26. September 2019, 11:06 Uhr Luzern
Der Luchs drei Monate nach seiner Auswilderung am Pilatus im Raum Escholzmatt-Marbach. Er frisst mehrere Tage an einem Beutetier.
Der Luchs drei Monate nach seiner Auswilderung am Pilatus im Raum Escholzmatt-Marbach. Er frisst mehrere Tage an einem Beutetier.
Dienststelle Landwirtschaft und Wald

Der Jungluchs war im vergangenen Herbst in einem Keller in Malters von der Wildhut eingefangen und sodann im Tierpark Goldau aufgezogen worden. Die lokale Jagdgesellschaft habe schliesslich grünes Licht gegeben für eine Auswilderung des Luchses im Eigental, teilte die Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern am Donnerstag mit.

Das Luchsmännchen trägt ein Senderhalsband, das regelmässig Positionsmeldungen abgibt. Diese gehen bei der Koordinationsstelle für Grossraubtiere Kora ein und werden von den Luchs-Spezialistinnen und -Spezialisten einer Erstbeurteilung unterzogen.

Nach der Freilassung bewegte sich das Tier zuerst innerhalb weniger als eines Quadratkilometers. Zehn Tage lang konnte anhand der Positionsdaten kein Riss bestätigt werden. Eine der grössten Unsicherheiten sei gewesen, ob das Jungtier ohne Anleitung seiner Luchsmutter das Beutemachen erfolgreich lernt, heisst es in der Mitteilung.

Ein Bock als Appetitanreger

Diese Zweifel wusste der Luchs alsbald zu zerstreuen, zum Leidwesen eines Rehbocks, den er zwei Wochen nach seiner Auswilderung riss. Es folgte ein Fuchs und schliesslich - ein Schaflamm. Getreu dem Motto: «Wehret den Anfängen», griffen die Wildhüter ein.

Um eine «Spezialisierung auf Nutztiere» zu unterbinden, habe man den Schafkadaver mit einem Elektrozaun-Draht umfasst. Der Luchs sollte das gerissene Nutztier als «unattraktive Beute» erfahren. Mit Erfolg: Bisher sei dieses Lamm das einzige gerissene Nutztier geblieben.

Dafür kamen andere auf den Speisezettel, als der Luchs ab Juli seinen Aktionsradius auf inzwischen rund 50 Quadratkilometer ausweitete. Seine Hauptbeute in den vergangenen drei Monaten war Rehwild. Auch ein Gämskitz, mehrere Füchse und eine im Wald streunende Katze mussten dran glauben.

Aus der Jurapopulation

Wenn möglich überprüft die Wildhut die potentiellen Riss-Standorte mit Hilfe von Diensthund «Muck». Er erschnüffelt die vom Luchs säuberlich mit Laubwerk verdeckten Kadaver.

So unauffällig sich der Luzerner Luchs mittlerweile in der freien Wildbahn bewege, so besonders sei sein Erbgut. Dieses weise genetische Spuren aus der Jurapopulation auf. Ein Eltern- oder Grosselterntier stammte demnach aus dem Jura.

Der Luzerner Luchs bringe den ersten genetischen Nachweis, dass einer seiner Vorfahren aus der Jura- in die Alpenpopulation eingewandert ist. Dieser Befund verleihe dem Wiederauswilderungsprojekt wildbiologisch eine besondere Wichtigkeit.

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