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Auf dem Rossboden üben ohne «nervtötendem Schiesslärm»

Die Unterschriftensammlung gegen Schiesslärm auf dem Churer Rossboden läuft. Dabei werden auch Unterschriften gegen Artilleriegeschosse gesammelt. Nur: Solche werden im Naherholungsgebiet gar nicht abgefeuert.

Südostschweiz
Dienstag, 17. September 2019, 04:30 Uhr Gegen Schiesslärm, den es so nicht gibt
Armee Militaer Soldaten
Militär auf dem Churer Rossboden.
ARCHIV

In und um Chur werden seit einigen Wochen Unterschriften für die Volksinitiative «Schutz vor Schiesslärm» gesammelt. Die Initianten möchten den Schiesslärm vom Churer Rossboden einschränken. Wir haben mit Daniel Steiner, Kommandant des Waffenplatzes Chur, und mit Mitinitiant Marcel Carigiet gesprochen.

Zunächst die Fakten:

  • Bis 2017 waren in Chur meist zwei Kompanien pro Jahr stationiert – der Waffenplatz war 20 bis 30 Wochen pro Jahr belegt.
  • Seit 2018 sind in Chur jährlich immer drei bis vier Kompanien untergebracht – dadurch wird der Waffenplatz pro Jahr während 46 Wochen genutzt.
  • Die Nutzung des Waffenplatzes hat sich ob der erhöhten Anzahl Kompanien intensiviert.
  • Die Anzahl Nachtschiessen hat sich verdoppelt (bis 2017: 35 bis 45. Seit 2018: 80 bis 90)
  • Auch die Durchgangssperrungen haben sich erhöht. Dies jedoch auch aufgrund der intensiveren Nutzung durch die Zivilbevölkerung.
  • Die Art der eingesetzten Waffen hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht wesentlich verändert.

Die seit gut zwei Wochen laufende Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «Schutz vor Schiesslärm» ist laut Marcel Carigiet gut angelaufen. Diese Woche werden die Initianten in der Stadt zugegen sein und weitere Unterschriften sammeln sowie Unterschriftenbögen verteilen. Für das Zustandekommen der Initiative braucht es 800 Unterschriften. Die Initianten haben zum Sammeln bis Ende August 2020 Zeit.

Sie fordern von der Stadt Chur, dass sie die Betreibung von Schiessanlagen auf Gemeindegebiet regelt. Das Naherholungsgebiet Rossboden soll auch als solches genutzt werden können, was inmitten von «nervtötendem Schiesslärm» nicht möglich sei, sagt Initiant Carigiet auf Anfrage. Man sei nicht gegen das Militär, einfach gegen das laute Schiessen, das mitunter auch zu später Stunde stattfinde. Carigiet schlägt vor, Schiessübungen nach Brigels, S-chanf oder Hinterrhein zu verlagern.

Die Schiessplätze der Armee in Graubünden

Auftrag der Bevölkerung

Laut Daniel Steiner, Kommandant des Waffenplatzes und der Infanterie Rekrutenschule Chur, ist der Schiessplatz Hinterrhein bereits heute ausgelastet. Dazu sagt Initiant Carigiet, dieses Problem zu lösen sei Aufgabe der Armee, «In Chur hören 50'000 Leute jeden Knall. In Hinterrhein, Brigels oder S-chanf würden weniger Leute unter dem Schiesslärm leiden». Chur hatte bis jetzt Verständnis für den Schiesslärm, so Carigiet weiter. Und: «Ein solches Verständnis müssten nun eben auch Einwohner anderer Orte aufbringen.»

Für Kommandant Steiner erfüllt die Armee einen Auftrag, hinter dem die Bevölkerung grossmehrheitlich stehe. Dass der Waffenplatz Chur in den vergangenen Jahren wieder stärker genutzt wurde, habe mit der Umstellung des Ausbildungsmodells der Armee im Zuge der Weiterentwicklung der Armee zu tun, so Steiner. In der Tat würde der Waffenplatz Chur seit dem Jahr 2018 pro Jahr während 46 Wochen genutzt. Dabei würden 80 bis 90 Nachtschiessen durchgeführt. Bis 2018 betrug die Auslastung 20 bis 30 Wochen mit 35 bis 45 Nachtschiessen pro Jahr. Dazu gehören laut Steiner auch Immissionen wie beispielsweise Schiesslärm.

Keine Artilleriegeschosse in Chur

Dass in Chur auch Artilleriegeschosse abgefeuert würden, wie im Text der Initiative steht, verneint Steiner. In Chur werden alle Waffensysteme der Infanterie abgefeuert, also Sturmgewehr, Pistole und Maschinengewehr. Dazu sagt Carigiet, dass er sich in Sachen Schiessen und Munition nicht auskenne. Zwischendurch gebe es aber sehr laute Knalle. Von welchen Waffengattungen diese stammen, weiss der Initiant nicht. Diese müssten einfach reduziert werden.

Reklamationen habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, sagt Steiner. Diese seien aber eher selten. Und oft von denselben Leuten gemacht worden. Zur Initiative nimmt die Armee laut Steiner keine Stellung

Kommen 800 Unterschriften für die Initiative zusammen, geht diese in den Gemeinderat und kommt später möglicherweise auch vors Volk. (rac/phw)

Stört Euch der Schiesslärm in Chur?

Ja!
30%
Nein
63%
Etwas weniger wäre auch ok
7%
Total votes: 262

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Die Qualitätsjournalismus-Südostschweiz schreibt:
"Dass in Chur auch Artilleriegeschosse abgefeuert würden, wie im Text der Initiative steht, verneint Steiner (Daniel Steiner, Kommandant des Waffenplatzes und der Infanterie Rekrutenschule Chur). In Chur werden alle Waffensysteme der Infanterie abgefeuert, also Sturmgewehr, Pistole und Maschinengewehr."
Was seit mindestens 25.9.2019 morgens, MI, DO, FR teils im Sekundentakt für Giga"böller" selbst ich an der Südumfahrung Chur wohnend erleiden muss, stammt garantiert nicht von den drei obengenannten Waffenarten.
Das finde ich einen tendenziöse Verharmlosung des Lärms und vor allem eine Verhohnepipelung gegen die Unterschriftensammel-Initianten.
Stattdessen sollte die Südostschweiz tun, was der Job von Journalismus zumindest früher mal war: Aufklären (WAS denn da so mega Dezibel boostet).

«Ein solches Verständnis müssten nun eben auch Einwohner anderer Orte aufbringen.»... Solche Sätze dürfte es nicht geben. Sie zeugen weder von Sachkenntnis, noch von Respekt vor den Gegebenheiten, mit denen andere konfrontiert sind, sondern sind schlicht und einfach schnoddriges, gedankenloses Geschwätz.
Als ob man beispielsweise in Hinterrhein mit einem der drei wichtigsten Schweizer Artillerieschiessplätze vor der Haustür, seit den 1960er Jahren nicht notgedrungen Gelegenheit gehabt hätte, sich eine Praxis anzueignen, wie man mit Schiesslärm umgeht! Als kleine Kommune und Teil der Willensnation Schweiz brachte man da bislang sogar ein gewisses "Verständnis" dafür auf und pflegte mit der Armee nach meiner Wahrnehmung ein ziemlich gutes Einvernehmen. Dies sollte nicht durch Zusatzbelastungen in Frage gestellt werden, bloss weil andere am liebsten Rosinenpicker sind.
Kürzlich liess Herr Carigiet verlauten, die Armee sei nach wie vor in Chur willkommen, "nur schiessen sollen sie anderswo". Bingo! Alles wird zentralisiert, fusioniert und aus den Dörfern abgezogen, zusätzlicher Schiesslärm aber soll die andere Richtung nehmen.
Nehmen Sie, Herr Carigiet und Mitunterzeichnende dieser Initiative bitte zur Kenntnis, dass kleine Dörfer nicht die Mülleimer der Zentren sind, sondern genauso Lebensräume darstellen wie die grossen.

Recht haben Sie Frau Hasler!

Die lieben Mitbürger welche nur die Vorteile eines Ortes nützen wollen sind Egoisten!

Wir haben in Graubünden genug Orte wo es nicht knallt und böllert, ebenfalls im Rest der Schweiz. Aber man muss, wenn man dort wohnt, dann eventuell für einige Sachen (Arbeit, Einkauf, Unterhaltung, Vergnügen, Bildung etc., etc.) halt einen kleineren oder grösseren Weg und Zeit in Kauf nehmen.

Aber es ist ein Ausdruck unser Zeit; für mich nur das Beste, den Rest überlasse ich den Anderen!

 

Freundliche Grüsse

Franco Giovanoli

Haldenstein

Es ist bezeichnend für Militärgegner und das ist Herr Carigiet sicher, Initiativen zu ergreifen mit falschen Tatsachen. Bevor man sich so engagiert, sollte man sich bitte auch zuerst schlau machen von was man schreibt oder was man fordert. Ich habe an dieser Stelle schon einmal moniert, dass das Ganze eine St. Florians Geschichte ist, voller Unkenntnis der Sachlage und der Gesamtsicht. Es ist sehr billig der Armee ohne konkrete und auch machbare Gegenvorschläge zu machen einfach den Ball zu zu werfen und auf jeden Hinweis zu sagen, das muss eben das Militär selber lösen (Hinterrhein). Ja die Lösung hat das Militär schon: der Waffenplatz Chur. alle anderen Vorschläge sind nur, wie ich schon einmal andieser Stelle schrieb, St. Florianspolitik. Es ist einfach unhaltbar solche Vorwürfe an das Militär zu formulieren. Mein Vorschlag in solchen Angelegenheiten ist immer das Gespräch und nicht sofort die "Drohung" mit einer Initiative.
Der Vorwurf es hören 50'000 Leute jeden Schuss ist lachhaft, wie gesagt ich lebe an der Plessur und höre viele Schüsse, wenn geschossen wird, aber ich höre täglich den unsäglichen Lärm der Autobahn. Wo die 50'000 Leute sind, die jeden Schuss hören weiss ich nicht, ich zähle trotz der Nähe zum Waffenplatz nicht dazu. Nur so am Rande für Herrn Carigiet, Chur hat so gegen 37000 Einwohner und nicht einmal diese hören jeden Schuss, auf jeden Fall dann nicht, wenn der Wind am Nachmittag wie meistens nach Westen dreht Richtung Brigels dem anderen St. Florian Platz.

Das Sinnlose verpulvern von Munition und die Landschaft mit Blei kontaminieren sollte längst ein Relikt vor Anno 2000 sein. Die Armen hat die Zukunft verschlafen. Und in einem Ballungszentrum ist dies absolut ein NO-GO. Zudem die Wahrnehmung bis Domat/Ems, je nach Wind die Ohren betäuben. Die Tierwelt schon gar nicht in Betracht gezogen. Ich kenne dies als Ehemaliger Mitrailleur (Mitr), wie sinnlos wir Steuergeld in die Hänge verpufft haben. Zudem, am ende des WKs mussten wir noch den Rest der Munition vernichten, damit wie das Soll, vom letzten WK, wieder bekamen. Nichts gegen die Schützen, welche Ihre Gemeinschaft pflegen. Denn diese machen es der Arme vor, wie es sein sollte, auch in Bezug Umwelt

Sinnvoll? Sinnlos? Ihre Argumente tönen wie in den 60er Jahren als der totale Friede ausgebrochen ist in den Augen der Armeegegner. Das was die Schützen machen ist natürlich Gemeinschaftspflege und die tönt am Wochen ende überhaupt nicht und ist somit eine gute Sache. Ja es ist ihnen auf jeden Fall ernst mit ihren unguten Gefühlen an ihre Militärzeit, sonst hätten sie nicht kurz vor dem Gang zur Arbeit schon einen Kommentar verfasst. Eines haben Sie aber vergessen, die Zeiten ändern sich, tempora mutantur!

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