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SVP vergleicht Krippenkinder mit Verdingkindern - jetzt droht eine Klage

SVP-Politikerin Verena Herzog verglich Angebote der Frühforderung mit dem Gedankengut, mit dem Verdingkinder zur besseren Erziehung weggegeben wurden. Sie sorgte damit nicht nur für Kopfschütteln in der Bevölkerung, sondern auch innerhalb der Partei. Zudem droht der Thurgauerin eine Anzeige wegen Verleumdung.

Südostschweiz
Sonntag, 21. Juli 2019, 12:46 Uhr Vergleich sorgt für Skandal
Delegiertenversammlung SVP Graubünden
Verena Herzog (r.) verglich in einem Beitrag Krippenkinder mit Verdingkindern. Jetzt droht ihr eine Klage.
ROLF CANAL

«Familie ist stärker als Krippe», wettert SVP-Nationalrätin Verena Herzog (63) in einem Beitrag der SVP-Zeitung «Klartext». Herzog wehrt sich gegen das Ansinnen aus linken Kreisen, die Krippenbetreuung in der Schweiz zu fördern. Für einen gewaltigen Eklat sorgte sie aber mit folgender Äusserung: «Dies erinnert an das verwerfliche Gedankengut, mit welchem die Verdingkinder zur besseren Erziehung weggeben wurden.» Gemäss der Thurgauerin solle der Staat bei solchen Eingriffen mehr Zurückhaltung üben. 

Zur Erinnerung: In den 60er- und 70er-Jahre wurden hunderttausende Verdingkindern aus ihren Familien gerissen und in fremde Hände gegeben. Viele wurden an Bauern vermittelt, wo sie als günstige Arbeitskraft ausgenutzt und misshandelt wurden. Dass solche Worte aus dem Mund einer Mutter von drei Kindern und ehemaligen Kindergärtnerin kommt, ist ein Armutszeugnis. Doch Herzog ist sich keinem Fehler bewusst. 

In einem Interview mit «Blick.ch» vom Donnerstag verteidigte sie ihre Meinung und legte mit der Behauptung, dass die externe Kinderbetreuung in der Schweiz kurz davorstehe, obligatorisch zu werden, nach: «Kindergärten waren zu Beginn auch freiwillig und wurden dann verpflichtend. Dasselbe wäre für die Frühförderung fatal.»

Unverständnis in der Partei 

Dieser Vergleich sorgt auch innerhalb der Partei für rote Köpfe. So auch beim Bündner SVP-Politiker Heinz Brand, der diesen Vergleich von seiner Kollegin nicht nachvollziehen kann. «Die ganze Krippenproblematik von heute ist ganz anders zu beleuchten, als die Verdingkinderproblematik damals», sagte Brand gegenüber Radio Südostschweiz. Obwohl die Aussage in der Parteizeitung gedruckt wurde, bleibt es laut Brand bei einer persönlichen Meinung von Herzog. «Das Thema ordnen wir in der Partei unter dem Thema Sommerloch ein», sagte der Bündner Politiker auf die Frage, ob die Thematik intern gross angegangen wird. 

Verdingkinder klagen an

Für Robert Blaser, Präsident des Vereins Fremdplatziert, ist dieser Vergleich ein Skandal. «Es ist ein Hohn für Tausende ehemalige Verdingkinder! Sie behauptet, unsere Mütter hätten uns wehrlose Kinder freiwillig abgegeben - und seien selbst Schuld dran», sagte Blaser, selbst ein ehemaliges Verdingkind, gegenüber «Blick.ch». Für Blaser kommt nur eine Anzeige wegen Verleumdung in Frage. Wie er der Boulevard-Zeitung erklärte, dürfe es nicht ungesühnt bleiben, wenn eine Politikerin solche Unwahrheiten behaupte und damit tausende beleidige und verletzte. (huj)

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Einige SVP PolitkerInnen haben jeglichen Anstand verloren!
Krippen würde es sehr gut ausgebildeten Müttern erlauben zu arbeiten, so würde der Fachkräftemangel um einiges kleiner. Klingt soweit gut, aber nicht für die Volkspartei, denn diese Damen und Herren möchten lieber billig fachkräfte aus osteuropa holen, um dannach zu jammern das wir eine zu grosse migration haben!
falls es mehr subventionierte krippen gibt hätte die SVP ein Kernthema weniger!

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