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Jünger war keiner

Viele Nationalräte haben bei ihrer Wahl bereits ein stolzes Alter. Ein Politiker bildet die Ausnahme.

Südostschweiz
Samstag, 20. Juli 2019, 04:30 Uhr Im Bundesparlament

Der Wechsel vom Kantons- ins Bundesparlament ist Martin Candinas im Jahr 2011 gelungen. Damals galt der CVP-Mann mit seinen 31 Jahren als einer der jüngsten Bundesparlamentarier. Im Kanton Graubünden ist er im analysierten Zeitraum seit 1971 sogar der jüngste gewählte Nationalratskandidat überhaupt.

Bei seiner Wahl war Candinas rund 19 Jahre jünger, als das im Durchschnitt der Fall ist. Ein durchschnittlicher Bündner Nationalrat oder eine Nationalrätin ist bei der Kandidatur nämlich 49,75 Jahre alt.

Letzte politische Station

Candinas politische Karriere begann bereits in jungen Jahren. Schon mit 23 Jahren politisierte er als Grossrats-Stellvertreter auf kantonaler Ebene. Danach war er mit jungen 26 Jahren Bündner Grossrat, bevor er dann mit 31 der jüngste Bündner Nationalrat wurde.

Entgegen Candinas Werdegang ist es bei den meisten Politikern so, dass sie bei ihrer Wahl bereits ein gewisses Alter erreicht haben und der Nationalrat die letzte politische Station der Karriere ist. Die ältesten Kandidaten waren gar schon kurz vor dem Pensionsalter, als sie gewählt wurden. So beispielsweise die aktuell noch aktive Nationalrätin Silva Semadeni (SP). Sie ist die älteste gewählte Kandidatin seit 1971. Bei ihrer dritten Wahl ins Bundesparlament im Jahr 2015 war sie bereits 63. Auch Sep Cathomas (62) von der CVP, Walter Decurtins (61) von der CVP, Duri Bezzola (61) von der FDP, Andrea Hämmerle (61) von der SP und Heinz Brand (60) von der SVP waren bei ihrer letzten Wahl in den Nationalrat bereits über 60.

Einzige Nationalrätin in den Dreissigern

Dass Candinas mit seinen jungen 31 Jahren bei seiner Wahl ein «Spezialfall» war, zeigt ein Blick in die Statistik. Der zweitjüngste Nationalrat – in diesem Fall Nationalrätin – war ganze vier Jahre älter. Brigitta M. Gadient (SVP) war bei ihrer Wahl im Jahr 1995 «erst» 35 und ist somit die jüngste Bündner Nationalrätin.

Ebenfalls 35 Jahre alt war Martin Candinas, als er bei den Wahlen im Jahr 2015 erneut ins Bundesparlament gewählt wurde. Ein Jahr älter als Candinas und Gadient war Mathias Luregn Cavelty. Der CVP-Mann durfte im Jahr 1971 mit 36 Jahren nach Bundesbern. Auch Peter Aliesch (FDP) und Dumeni Columberg (CVP) wurden in ihren Dreissigern in den Nationalrat gewählt – Aliesch mit jungen 37 Jahren, Columberg mit 38 Jahren.

Nur fünf gingen vor 40 nach Bundesbern

Im Jahr 1999 trat Brigitta M. Gadient erneut als Nationalratskandidatin an. Nach ihrem letzten Wahlerfolg wurde sie damals wieder ins Bundesparlament gewählt – sie war 39 Jahre alt. Somit bleibt Gadient seit dem Jahr 1971 die einzige Frau, die vor 40 zur Bündner Nationalrätin gewählt wurde. Sie und Candinas sind auch die einzigen beiden gewählten Kandidaten im erhobenen Zeitraum, die in ihren Dreissigern bei zwei Nationalratswahlen erfolgreich waren.

Die fünf Kandidaten, Candinas, Gadient, Cavelty, Aliesch und Columberg, bleiben also vorerst die Einzigen, die vor dem Erreichen des 40. Lebensjahres in den Nationalrat gewählt wurden. (zis)

 

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