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Lia will klären, wie es in Sachen Rumantsch Grischun weiter geht

In einer Studie ziehen die befragten Romanen die Deutsche Sprache dem Rumantsch Grischun vor. Diese Schriftsprache habe neue Probleme verursacht, statt Besserungen gebracht. Die Lia Rumantscha nimmt im Interview mit RSO Stellung.

Annina
Hartmann
Samstag, 01. Juni 2019, 04:30 Uhr Neue Studie
Martin Gabriel, Generalsekretär von Lia Rumantscha, spricht über die neue Studie zu Rumantsch Grischun.
OLIVIA ITEM

Viel Gegenwind erhielt das Rumantsch Grischun schon bei der Einführung als Amtssprache im Kanton Graubünden im Jahr 2001. Laut einer Studie, die im Auftrag des Bundes durchgeführt wurde, ziehen die befragten Romanen heute die Deutsche Sprache dem Rumantsch Grischun sogar vor. Die Sprache hat den Befragten zufolge keine Brücken zwischen den Dialekten gebaut. Die Schriftsprache habe im Gegenteil neue Probleme verursacht. RSO Moderatorin Annina Hartmann hat mit dem Generalsekretär von der Lia Rumantscha, Martin Gabriel, über die am Freitag veröffentlichte Studie gesprochen.

Die Studie des Bundes stellt dem Rumantsch Grischun kein gutes Zeugnis aus.

Martin Gabriel: Grundsätzlich sind wir, die Lia Rumantscha, sehr dankbar, dass der Bericht respektive die Evaluation im Auftrag vom Bundesamt für Kultur gemacht wurde. Diese basiert auf 54 Interviews, die man in der Rumantschia gemacht hat. Es gibt aber einige tausend Rätoromanen mehr, die nicht gefragt wurden. Aus diesem Grund ist es vermutlich auch nicht eine Empfehlung, die man abgibt, bezüglich Rumantsch Grischun.

Rumantsch Grischun ist ja eigentlich durch eine Initiative der Lia Rumantscha eingeführt worden. Ist so eine Studie jetzt böse gesagt nicht etwas eine Ohrfeige?

Also ich würde jetzt nicht von einer Ohrfeige sprechen, weil Rumantsch Grischun schon 1982 auf den Markt gekommen ist. Dabei hatte man gewisse Dinge gemacht, die man heute vermutlich anders machen würde. Man würde heute beispielsweise in den Schulen gezielter mit Erhebungen und Evaluationen und auch mit Modellklassen arbeiten. Das hat man seinerzeit nicht gemacht. Man sah auch ein Sparpotential bei Lehrmitteln etc. Ich denke, das würde man heute auch anders machen. Ich will jetzt nicht dem Rumantsch Grischun die Schuld geben für alles, das wäre falsch. Denn, wie gesagt, es gibt Orte, wo Rumantsch Grischun plakativ gesprochen sehr sinnvoll ist und wo ich denke, dass es auch gut ankommt.

Diese Studie ist heute (Freitag, 31. Mai) herausgekommen. Wie geht es jetzt auch bei Ihnen weiter, wie behandelt man diese Studie?

Auf der Ebene der Direktion der Lia Rumantscha müssen wir eine Auswertung machen, das wird sehr schnell passieren. Zudem wird der Vorstand der Lia und der Vorstand von allen Vereinen Stellung dazu nehmen. Das ist dann nicht die professionelle Ebene, sondern die strategische. Dann wird man weiter schauen. Auf alle Fälle müssen wir in Kontakt treten mit den zuständigen Personen vom Amt für Kultur Graubünden. Dort geht es vor allem darum, wie man was macht und wer es macht.

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