×

«Man kann nicht so tun, als sei jetzt nichts mehr zu machen»

Die Sonderjagd-Initiative ist abgelehnt. Mit 55 Prozent Nein-Stimmen einigermassen klar, aber auch nicht überdeutlich. Regierungsrat Mario Cavigelli, der in der Diskussion über die Initiative auch mal deutlich in der Kritik stand, sieht denn auch weiterhin Handlungsbedarf bei der Bündner Jagd.

Oliver
Fischer
Montag, 20. Mai 2019, 04:30 Uhr Sonderjagd-Initiative
Mario Cavigelli hat mit einem Nein zur Sonderjagd-Initiative gerechnet.
ARCHIV/SUEDOSTSCHWEIZ.CH

Die Abstimmung über die Sonderjagd-Initiative war ein echter Marathon. Zustande kam das Volksbegehren schon im Jahr 2013. Seither ging es hin und her in der Debatte über die Initiative. Mittendrin dabei war, manchmal mit unrühmlichen Schlagzeilen konfrontiert, Regierungsrat Mario Cavigelli. Dennoch war der CVP-Politiker vor der Abstimmung zuversichtlich, dass die Bünderinnen und Bündner der Meinung von Regierung und Grossrat folgen, und das Begehren ablehnen würden. «Es war im Vorfeld sicher sehr schwierig eine Prognose zu machen, zumal das Thema in Graubünden sehr emotional ist. Aber ich bin davon ausgegangen, dass die Initiative abgelehnt wird.» 

Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor seien dazu die weiteren Abstimmungsvorlagen sowohl national wie zum Teil lokal gewesen. «Das Waffenrecht oder die Brambrüeschbahn in Chur haben viele Leute mobilisiert und das machte es schwierig zu beurteilen, welchen Einfluss das auf die Sonderjagd-Abstimmung haben würde», führt Cavigelli aus. Dennoch sei das Verdikt von 55 Prozent Nein-Stimmen recht klar.

Trotz einem Ja-Stimmen-Anteil von 45 Prozent sieht Cavigelli zunächst einmal den politischen Mehrheitsentscheid, der jetzt für alle Involvierten bindend ist. Und doch sei klar, dass das Thema Jagd und Sonderjagd auch immer sich verändernden Umständen unterworfen sei, die man immer im Auge haben und auch künftig diskutieren müsse. «Es gibt veränderte Erwartungen der Bevölkerung, die man berücksichtigen muss, die Umweltbedingungen verändern sich in Richtung besserer Nahrungsgrundlagen für das Wild, Waffen und Munition werden weiterentwickelt. Man kann also nicht einfach so tun, als sei nichts mehr zu machen.»

Froh, das System nicht anpassen zu müssen

Die Abstimmung über die Sonderjagd-Initiative war auch für Mario Cavigelli persönlich wichtig, stand er doch im Lauf der Debatte für seine Kommunikation zum Teil stark in der Kritik . Er sei darum sehr froh, dass es jetzt ein Ergebnis gibt und dieses Kapitel mit dem Votum der Bündner Stimmbevölkerung vom Tisch sei. «Ich persönlich bin froh, dass wir das System der Jagd nicht anpassen müssen. Ich bin überzeugt, dass es richtig ist, eine zweistufige Jagd zu haben.» Er sei aber genauso überzeugt, dass man die Jagd «da und dort optimieren kann, und das müssen wir zusammen mit den Jägerinnen und Jägern in den verschiedenen Regionen, mit der Wildhut und mit den Behörden vor Ort auch machen.»

Damit seien durchaus auch die Initianten, die auch zu einem schönen Teil aus der Jägerschaft stammen, mitgemeint. Sie hätten mit ihren Anliegen auch in den letzten Jahren schon zu verschiedenen Anpassungen beigetragen, sagt Cavigelli, «zum Beispiel hat die Bewirtschaftung der Wildasyle in den letzten Jahren im Zuge der Diskussionen über die Sonderjagd-Initiative eine andere Bedeutung erhalten und das muss man den Initianten auch zu Gute halten.»

 

Kommentar schreiben

Kommentar senden