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SP fordert einen Drogenkonsum-Raum

SP-Grossrat Tobias Rettich fordert in seinem am Dienstag eingereichten Auftrag einen Drogenkonsum-Raum. Dieser gewährleiste die Hygiene und schütze die Öffentlichkeit. In der Bündner Drogenpolitik bestehe vor allem im Bereich der Schadensbegrenzung Handlungsbedarf, sagt Rettich.

Simone
Zwinggi
Mittwoch, 05. Dezember 2018, 04:30 Uhr Auftrag an die Regierung

Die Drogenszene in Graubünden habe sich in den letzten Jahren negativ entwickelt, findet SP-Grossrat Tobias Rettich. «Derzeit trifft man im Churer Stadtpark, dem Zentrum der Bündner Drogenszene, auf schlimme Bilder. Drogenabhängige, teils mit offenen Beinen, halten sich dort auf. Diesen Leuten geht es wirklich schlecht.» Um deren Lebensumstände zu verbessern, fordert Rettich eine Anlaufstelle für Drogenabhängige mit Konsumraum. Dort wäre die Hygiene gewährleistet, es gäbe eine Beratungsstelle für die Drogensüchtigen und die Öffentlichkeit wäre durch diese Massnahmen geschützt, sagt Rettich.

Bündner Drogenpolitik hinkt der Zeit hinterher

Untätig sei der Kanton in Sachen Drogenpolitik nicht, hält Rettich fest. So biete der Verein Überlebenshilfe eine Kontakt- und Anlaufstelle, wo randständige Menschen Obdach und Essen finden. Im Ambulatorium Neumühle könnten schwerstabhängige Menschen mit Opioiden wie Diaphin (Heroin), Methadon und weiteren Medikamenten behandelt werden und in den Psychiatrischen Diensten Graubünden würden Therapieplätze zur Verfügung stehen. Aber in Sachen Schadensbegrenzung sei die Bündner Drogenpolitik stehengeblieben, so Rettich. «Deshalb möchten wir, dass der Kanton eine Anlaufstelle für die Drogenabhängigen mit Konsumraum ins Leben ruft. Wie genau er diesen Auftrag umsetzt, lassen wir offen.»

Andere Kantone machen’s vor

Solche Anlaufstellen mit Konsumraum gibt es bereits in verschiedenen Kantonen, zum Beispiel in Zürich, Basel-Stadt und Luzern. Dass mit dem begleiteten Drogenkonsum auch das Dealen gefördert wird, verneint Rettich nicht. «Falls in der Nähe des Konsumraum gedealt wird, kann die Polizei das überwachen. Sie kann dann den Überblick wahren und kennt die Leute.» So werde das Ganze besser überwacht und sei besser kontrollierbar, glaubt Rettich.

Während die Obdachlosigkeit in Graubünden während mehrerer Jahre von der Oberfläche verschwunden war, tauchte sie in den letzten Jahren wieder auf. Ebenso wuchs die Drogenszene wieder an. Neben Chur als Zentrum gibt es laut Rettich in Thusis, Davos und auch im Engadin wieder eine Drogenszene.

Rettich überreichte diesen Auftrag am Dienstag mit 81 Unterschriften der Regierung. Im Video erklärt er sein Anliegen nochmal:

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