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Uzner Gemeindepräsident ist nach zwei Jahren amtsmüde

Uznachs Gemeindepräsident Christian Holderegger wirft nach etwas mehr als einer halben Amtszeit den Bettel hin. Er habe von dem Amt falsche Vorstellungen gehabt, begründet er seinen Entscheid.

Südostschweiz
Dienstag, 11. September 2018, 04:30 Uhr Falsche Vorstellungen

Das Mail gestern Mittag kam überraschend. Der Uzner Gemeinderat verschickte eine Medienmitteilung, in der er den Rücktritt von Gemeindepräsident Christian Holderegger (FDP) ankündigte – nach nur etwas mehr als zwei Jahren im Amt. Auf welches Datum Holderegger demissioniert, ist noch unklar. Dies werde er zusammen mit dem Gemeinderat entscheiden. «Schliesslich soll das Wohl der Gemeinde nicht gefährdet werden», heisst es in der Medienmitteilung.

Wie Gemeindeschreiber Mario Fedi erklärt, hält der Gemeinderat einen Rücktritt zum kommenden Frühling für realistisch. «So können wir die Ersatzwahl auf den eidgenössischen Abstimmungstermin vom 10. Februar legen», sagt er. Der Gemeinderat werde am 26. September über das weitere Vorgehen beraten und einen geordneten Übergang sicherstellen. «Wir rechnen es Christian Holderegger hoch an, dass er in dieser herausfordernden Situation Verantwortung übernimmt und nicht einfach wegläuft», sagt Fedi.

«Korsett war zu eng»

Als Grund für seinen Rücktritt gibt Holderegger an, dass seine «Erwartungen an Amt und Arbeit» nicht erfüllt worden seien. «Es war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte», gibt er zu. Er habe «definitiv unterschätzt», was es bedeute, einen Verwaltungsapparat zu führen. «Ich dachte nicht, dass dies so viel Zeit und Energie in Anspruch nehmen würde.» Gleichzeitig sah Holderegger seinen Gestaltungsspielraum durch Vorgaben und Reglemente stärker eingeschränkt, als er gedacht hatte. «Das Korsett war für mich zu eng», sagt er. Insbesondere in der Raumplanung habe er die Verfahrensabläufe als «starr und mühsam» erlebt.

Wie Holderegger erklärt, hat er seinen Entscheid während der Sommerferien gefällt. «Es gab kein bestimmtes Ereignis, das dafür ausschlaggebend war», betont er. Auch habe er die Zusammenarbeit im Gemeinderat stets als angenehm empfunden und sich nicht überfordert gefühlt.

Wie der Gemeinderat schreibt, bedauert er den Rücktritt – auch wenn er Holdereggers Entscheid verstehe. Man habe «mit Besorgnis zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich Christian Holderegger in seinem Amt in gewissen Aufgaben zunehmend unwohl gefühlt hat». Laut Gemeindeschreiber Fedi war es dem Gemeinderat nicht entgangen, dass sich Holderegger bei langen Planungsprozessen und komplexen Verwaltungsabläufen nicht in seinem Element fühlte. «Für ihn hätte es oft schneller gehen müssen – gerade auch, weil er für die Bürger stets ein offenes Ohr hat», erklärt Fedi.

Die Uzner Ortspartei-Präsidenten reagieren auf den Rücktritt erstaunt. Für CVP-Präsident Sandro Lendi kommt er «aus heiterem Himmel». Er hatte den Eindruck, dass Holderegger nach gewissen Anfangsschwierigkeiten immer besser in sein Amt hineingewachsen war. Etwas weniger überrascht zeigt sich FDP-Präsident Michael Rütsche, der auch im Gemeinderat sitzt. Allerdings habe auch er bis zuletzt gehofft, dass sein Parteikollege Holderegger der Uzner Politik längerfristig erhalten bleibe.

Enttäuscht äussert sich SVP-Präsident Roger Widmer: «Ich bedaure, dass Christian Holderegger nicht mehr Schnauf hatte. Ich hätte von ihm mehr erwartet.» Klartext spricht auch SP-Präsident Kurt Hollenstein, der vor Holdereggers Wahl die gemeinsame Findungskommission der Uzner Ortsparteien präsidiert hatte: «Offensichtlich haben wir und Herr Holderegger uns damals in unseren Einschätzungen getäuscht.»

Offen für Findungskommission

Unklar ist derzeit noch, ob die Parteien für die bevorstehende Wahl wiederum eine gemeinsame Findungskommission einsetzen wollen. Die vier Präsidenten zeigen sich dafür offen. Entscheiden müssten dies allerdings die Parteivorstände.

Nicht zur Wahl stellt sich Gemeindeschreiber Fedi, der von 2003 bis 2016 selber in Weesen als Gemeindepräsident im Amt war. Wie Fedi erklärt, will er keine solche Funktion mehr bekleiden, bis seine Kinder unabhängig sind.

Offen ist auch die Zukunft von Noch-Gemeindepräsident Holderegger. «Ich weiss noch nicht, wie ich mich beruflich orientieren werde», sagt er. Auch habe er noch nicht entschieden, ob er in Uznach bleibe.

Holderegger zog erst bei seinem Amtsantritt im Juli 2016 nach Uznach. Zuvor hatte er in Gerlafingen (SO) gewohnt, wo er als nebenamtlicher Vizegemeindepräsident wirkte.

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