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Gegen Vermummungen, für Bodycams

Wir tickern für Euch die wichtigsten Entscheidungen und Reaktionen aus dem Bündner Kantonsparlament. Am zweiten Tag hat das Parlament die zweite Schul-Initiative dem Volk zur Ablehnung empfohlen und die Teilrevision des Polizeigesetzes debattiert.

Philipp
Wyss
Donnerstag, 30. August 2018, 18:09 Uhr Grosser Rat: Tag 2

Ticker

Do 30.08.2018 - 18:08

Am zweiten Tag der Augustsession hat der Bündner Grosse Rat:

  • Die Regierung 2019 mit den neuen Mitgliedern Marcus Caduff und Peter Peyer vereidigt
  • Jon Domenic Parolini zum Regierungspräsidenten 2019 und Christian Rathgeb zum Regierungsvizepräsidenten 2019 gewählt
  • Die zweite Volksinitiative zur «Guten Schule Graubünden» diskutiert und den Stimmberechtigten zur Ablehnung empfohlen
  • Die Teilrevision des Polizeigesetzes zu beraten begonnen und dabei das Vermummungsverbot abgelehnt und den Einsatz von Bodycams gesetzlich erlaubt

Die Session wird am Freitag ab 8.15 Uhr fortgesetzt. Die Debatten sind öffentlich.

Do 30.08.2018 - 18:05

Standespräsidentin unterbricht Diskussion

Nach einer langen Debatte und aufgrund des BDP-Delegiertenversammlung unterbrecht Standespräsidentin Tina Gartmann-Albin (SP, Chur) die Debatte und schickt die Parlamentarier in den Feierabend.

Somit wird die Teilrevision des Polizeigesetzes am Freitag fortgesetzt.

 

Do 30.08.2018 - 17:02

Filmt die Bündner Polizei bald mit?

Wie Regierungsrat Christian Rathgeb (FDP, Chur) auf Anfrage sagte, handelt es sich bei der ganzen Teilrevision um die Möglichkeit von Überwachungen. Allgemein empfand er die bisherige Diskussion sachlich und gut, wie er weiter sagte. Aus Sicht des Bündner Polizeikommandos sieht Rathgeb in Sachen Vermummungsverbot weder Probleme noch Nutzen. In Sachen Bodycams, dem zweiten «heissen Eisen» dieser Teilrevision, das nun beraten wird, steht das Polizeikommando einer gesetzlichen Grundlage positiv gegenüber. Allerdings ist der Bündnerische Polizeibeamtenverband gegen die Einführung von Bodycams.

Remo Cavegn (CVP, Bonaduz) verlangt die Streichung des Gesetzesabsatzes 22c mit «körpernah getragene Bild- und Tonaufzeichnungsgeräte, sogenannten Bodycams». «Ob der von der Regierung vorgeschlagene Wortlaut 'zur Verhinderung von Straftaten' eine Meisterleistung sei, wage ich zu bezweifeln», so der Präsident des Bündnerischen Polizeibeamtenverbandes. «Heute werden in der Schweiz keine Bodycams eingesetzt. Ausser vielleicht bei Luzerner Tatort-Filmen», so Cavegn. Im Ausland werden Bodycams teilweise, aber nicht so verbreitet wie allgemein angenommen, eingesetzt, führte Cavegn weiter aus. Für ihn ist es nicht ersichtlich, warum Graubünden schweizweit eine Vorreiterrolle einnehmen und Bodycams einsetzen sollte.

Der Antrag auf Streichung des Gesetzesabsatzes 22c mit Bodycams von Remo Cavegn (CVP, Bonaduz) verwirft das Parlament mit 90:23 Stimmen bei einer Enthaltung deutlich.

Do 30.08.2018 - 17:00

Kameras an «allgemein zugänglichen Orten»

Auch die Diskussion über die verdeckte Überwachung «allgemein zugänglicher Orte» dauert nicht lange. Laut der Botschaft ist diese Überwachung für betroffene Personen nicht oder nicht unmittelbar erkennbar. Sie unterscheidet sich jedoch insofern von der präventiven Observation, als sie nicht gegen bestimmte Personen oder Sachen gerichtet ist, heisst es in der Botschaft weiter.

Das Parlament heisst auch diesen Artikel mit 90:22 Stimmen bei einer Enthaltung gut.

Do 30.08.2018 - 16:41

ARCHIV

Kameras an «Hotspots der Kriminalität»

In einem nächsten Artikel der Teilrevision des Polizeigesetzes geht es um die Überwachung von «Hotspots der Kriminalität». Regierung und Kommissionsmehrheit setzen sich für diese Überwachung ein. Insbesondere die Linke stellt sich gegen diese Gesetzesanpassung. Nach einer kurzen Diskussion wurde die Anpassung mit 87:26 Stimmen bei 2 Enthaltungen deutlich zugestimmt.

Do 30.08.2018 - 16:17

YANIK BÜRKLI

Eine Rüge der höchsten Bündnerin

Standespräsidentin Tina Gartmann-Albin (SP, Chur) ermahnt die Grossräte, nach Pausen jeweils pünktlich zu erscheinen, «das ist nur fair all jenen gegenüber, die pünktlich in den Grossratssaal zurückkehren», so die höchste Bündnerin am zweiten Sessionstag.

So blickt der neue Regierungspräsident in die Zukunft

Do 30.08.2018 - 15:40

Achtung: Humor

Soeben im Nezt gefunden: Ein Tweet von Melanie Janka. Darin schreibt sie: Die Junge CVP Graubünden gratuliert ihrem Grossrat Kevin Brunold (CVP, Surcuolm) und seiner Gattin Heidi zur Hochzeit. Aus diesem Grund haben wir eine Unterschriftensammlung zur Einreichung einer Verfassungsinitiative (Änderung von Art. 88 der Bündner KV; Familie) lanciert!

Do 30.08.2018 - 14:43

Grosser Rat Grossrat
OLIVIA ITEM

Kein Vermummungsverbot

«Im Kanton Graubünden gelten unsere Rechte», sagt Regierungsrat Christian Rathgeb (FDP, Chur). «Ohne dass ich all die Voten und Beispiele wiederholen möchte kann ich sagen: Wir sehen aus polizeilicher Sicht kein Bedarf für ein Vermummungsverbot», so Rathgeb.

Demgegenüber kontert der Präsident der Kommissionsmehrheit, Reto Crameri (CVP, Surava), dass es in andern Kantonen Gesetze gebe, die Schutzkleidung, beispielsweise Kälteschütze im Winter, vom Vermummungsverbot ausschliesse. Wer mit einer Überregulierung argumentiert, müsste weitere Artikel aus der Teilrevision streichen. Da das aber nicht gemacht wird, wollen wir die Spielregeln so regulieren, dass wer an öffentlichen Veranstaltungen teilnimmt, sein Gesicht zeigt.

Andri Perl (SP, Chur) spricht abschliessend als Präsident der Kommissionsminderheit. «Das Vermummungsverbot trägt nichts zur Lösung von angesprochenen Problemen bei. Gerade der Vergleich mit andern Kantonen zeigt dies. In Zürich gab es in der Vergangenheit schlimme Beispiele. Aber: Der Kanton Zürich hat ein Vermummungsverbot.»

Das Schlussvotum von Reto Crameri (CVP, Surava), Präsident der Kommissionsmehrheit, möchte Bilder wie in Zürich nicht in Graubünden haben. «Ich möchte nicht die Verantwortung übernehmen müssen, wenn Vermummte Chaoten in Graubünden Schäden verursachen. Ich bin überzeugt, dass unsere Polizei mit diesem neuen Mittel umzugehen weiss.»

Schliesslich wird der Artikel 3b der Teilrevision des Polizeigesetzes mit 61:53 Stimmen bei 5 Enthaltungen abgelehnt.

Do 30.08.2018 - 14:04

THEO GSTÖHL

Die Positionen sind bezogen

Reto Crameri (CVP, Surava), Präsident der Kommissionsmehrheit, erklärt zum Auftakt der Nachmittagsdebatte um die Teilrevision des Polizeigesetzes, noch einmal, dass ein Vermummungsverbot heutzutage angebracht sei. «Muss eigentlich immer zuerst jemand verletzt werden, bevor ein Kundgebungsteilnehmer aus dem Verkehr gezogen wird», fragt Fadri Felix Duosch (FDP, Scuol). Und Mario Salis (SVP, St. Moritz) zählt Beispiele auf, bei denen Leute von Vermummten zu Schaden gekommen sind. Das Ziel von Vermummten sie, jemandem Schaden zu zufügen und dabei unerkannt zu bleiben. «ein Nein zum Vermummungsverbot wäre eine Kapitulation gegenüber unserem Rechtsstaat.»

Kenneth Danuser (BDP, Cazis) lehnt feiges Verstecken und Schadenzufügen ab. Und er sagt: «Ich finde es fahrlässig, wenn Polizisten sich in Gefahr bringen müssen, um Täter aus einer Menge herauszupicken.». Aber Danuser sagt auch: «In den meisten Fällen sind Personen, welche vermummt Schaden verursachen, bereits straffällig.» Danuser ist der Meinung, dass ein Vermummungsverbot nicht die gewünschte Wirkung erreichen würde. «Lassen wir diese Überregulierung.» Gian Peter Niggli (FDP, Samedan) stellt sich hinter die Kommissionsmehrheit, weil er nicht zu jenen Leuten gehören möchte, auf die man später zeigen wird, wenn es zu allfälligen Vorfällen kommen würde. Rudolf Kunz (FDP, Chur) zitiert aus dem Gesetz: «Es ist verboten.» Damit würde man die Polizei dazu zwingen, zu entscheiden, wann etwas geschehen lassen, und wann eingegriffen wird. Weiter sagt Kunz: «In Graubünden ist das Vermummungsverbot nicht nötig und die Polizei selbst wünscht es nicht.»

Und Lukas Horrer (SP, Chur) sagt, dass es beinahe schon trivial sei, zu behaupten, Graubünden habe ein Vermummungsproblem. «Hier wird eigentlich versucht, ein Problem zu lösen, dass es nicht gibt.» Vielleicht könnte man mit dem Gesetzesartikel ein künftiges Problem lösen. Gehen wir einmal davon aus, dass US-Präsident Donald Trump wieder einmal ans World Economic Forum nach Davos kommt. Gehen wir weiter davon aus, dass dann in Davos kein Schnee liegt. Dann dürfte in der Stadt demonstriert werden. Mit einem Vermummungsverbot müssten dann in Davos Vermummte aus der Menge gezogen werden. Das würde die Sicherheit der Polizei gefährden. Unter anderem darum schrieb der Kanton St. Gallen ins Vermummungsgesetz, so Horrer weiter, dass die Polizei von einem solchen Eingriff absehen kann. Der Grosse Rat sollten den Leuten an der Front nicht vorschreiben, wie sie ihre Arbeit zu machen haben, so Horrer.

René Epp (CVP, Sedrun) äussert sich ebenso pro Vermummungsverbot, wie Lorenz Alig (FDP, Pignu). Er wird deutlich: «Solches Gesindel wollen wir als Gesetzgeber wohl nicht unterstützen. Wenn Chaoten Plätze beherrschen haben Politik und Gesetzgeber schon kapituliert», so Alig. Bei einem Vermummungsverbot ist mir völlig egal, aus welchen Glaubensgemeinschaften und aus welchen Ländern die Demonstranten kommen. Alle haben in Graubünden das Recht, um zu demonstrieren. Aber dann sollen sie auch ihr Gesicht zeigen. Wir dürfen nicht die die 'ehrlichen' Demonstranten schneiden. Und Neo-Grossrat Josias F. Gasser (GLP, Chur) will «im Namen der GLP-Fraktion, die gar keine Fraktion ist» (Anmerkung der Redaktion, die GLP besteht lediglich aus drei Mitgliedern) keine Überregulierung. Auch Bruno W. Claus (FDP, Chur) spricht sich gegen das Vermummungsverbot aus, weil es letztlich nicht nötig und wohl kaum durchsetzbar wäre. Michael Pfäffli (FDP, St. Moritz) glaubt, die Debatte sei mehr für die Zuschauertribüne als für die Sache. Er denkt an die 12'000 Teilnehmer des Engadin Skimarathon. Winter, kühle Temperaturen, «die meisten machen sich wohl mit verhülltem Gesicht auf zum Start». Weiter denkt Pfäffli an die Fasnacht – und outet sich schliesslich als Gegner des Verhüllungsverbots.

Do 30.08.2018 - 13:59

Und weiter gehts

Während im Grossratssaal die Debatte um die Teilrevision des Polizeigesetzes wieder aufgenommen wird, fotografiert unser Yanik Bürkli im Untergeschoss alle 120 Grossräte. Mehr dazu demnächst auf unserem Instagram-Kanal.

Do 30.08.2018 - 12:02

ARCHIV

An Guata

Standespräsidentin Tina Gartmann-Albin (SP, Chur) schickt die Parlamentarier in die Mittagspause.

Wir melden uns um 14 Uhr mit dem Liveticker zurück und wünschen an Guata!

Herzliche Gratulation zur Wahl als Regierungspräsident, Jon Domenic Parolini!

Gepostet von BDP Graubünden am Donnerstag, 30. August 2018

Do 30.08.2018 - 11:55

Viele Kantone kennen ein Vermummungsverbot

Wie der Präsident der Kommissionsmehrheit, Reto Crameri (CVP, Surava), ausführt, verfügen bereits zahlreiche Kantone über ein Vermummungsverbot: Aargau, Appenzell Innerrhoden, Bern, Luzern, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau, Waadt, Zug oder Zürich. Und dies teilweise seit dem Jahre 1990. Mit der Teilrevision des Bündner Polizeigesetzes soll ein Vermummungsverbot an bewilligungspflichtigen Veranstaltungen eingeführt weden. Crameri konkretisiert, dass es sich nicht um ein Verhüllungsverbot handle.

Dagegen kontert Andri Perl (SP, Chur) als Präsident der Kommissionsminderheit: «Die Parteien hatten keine Gelegenheit, sich zu einem Vermummungsverbot zu äussern.» Und Perl weiter: «2008 hat der Grosse Rat bereits über ein Vermummungsverbot beraten. Mit 74:35 Stimmen wurde damals die Überweisung eines entsprechenden Antrags aber abgelehnt.» Und damals sei in Graubünden noch alljährlich demonstriert worden, so Perl, nämlich gegen das World Economic Forum. 2008 habe sich allen voran die CVP gegen das Vermummungsverbot ausgesprochen.

TUTTI A PROPRI POSTI Buon lavoro Tina. Sarà un onore e un piacere assisterti durante i prossimi 12 mesi.

Gepostet von Alessandro della Vedova am Mittwoch, 29. August 2018

Do 30.08.2018 - 10:54

Glock 19 Pistole
MARCO HARTMANN

Spaltet das Polizeigesetz das Parlament?

Nach der Pause wird die Eintretensdebatte zur Teilrevision des Polizeigesetzes fortgesetzt. Eintreten scheint unbestritten. Aber insbesondere Vertreter der Sozialdemokratischen Partei kündigen für die Detailberatung eine liberale, freiheitliche Haltung an. Andri Perl (SP, Chur) kündigte an, dass er sich in der Debatte in einigen Punkten zu Wort melden würde. Und Conradin Caviezel (SP, Chur) sagte, «wir sind gegen unnötige Regulierungen», und zitierte Benjamin Franklin: Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

Der Churer Stadtpräsident Urs Marti (FDP, Chur) äussert sich zufrieden zur beendeten Diskussion über die Einheitspolizei. Als Polizeidirektor der Hauptstadt fordert er trotz der Statistik, die unser Land als sicher einstuft, eine moderne Ausrüstung und ein entsprechendes Gesetz für die Polizei. «Ich habe absolut kein Verständnis, wenn wie jüngst in einer andern Stadt Flaschen auf Polizisten geworfen werden. Da muss die Polizei mehr fordern», so Marti weiter. Darum habe er in der Polizeikonferenz einen entsprechenden Antrag gestellt. Auf der Zuschauertribüne verfolgt der Churer Polizeikommandant Ueli Caluori die Debatte. Richtung SP erwähnte Marti, dass Videoüberwachung heute schon vielerorts zum Alltag gehöre: Bei Bancomaten, beim Einkaufen oder rund um Bahnhöfe.

Do 30.08.2018 - 10:09

Kaffee- und Bewegungspause

Die Morgenpause unterbricht die Debatte. Na dann Prost bei Kaffee, gesundem Znüni und etwas Bewegung für die Parlamentarier bei «Parlament en moviment».

Do 30.08.2018 - 09:46

ARCHIV

Was bekommt die Polizei?

Aktuell debattiert der Grosse Rat über die Teilrevision des Polizeigesetzes. Dabei geht es um den Einsatz von sogenannten Bodycams und um ein Vermummungsverbot. Eintreten ist über alle Fraktionen hinweg unbestritten.

Do 30.08.2018 - 09:00

YANIK BÜRKLI

Auch zweite Schul-Initiative ohne Chance

Nach den Wahlen wird die Debatte vom Vortag fortgesetzt. Es geht um die zweite Volksinitiative «Gute Schule Graubünden - Mitsprache bei Lehrplänen». Die Fanaser Kindergärtnerin Marlies Klesse und die Mitinitianten fordern darin, dass grundlegende, wichtige Änderungen in Bildungsfragen im Parlament beraten werden müssen und nicht an der Öffentlichkeit vorbei ohne Diskussion eingeführt werden können. Kommissionspräsidentin Cornelia Märchy-Caduff (CVP, Domat/Ems) wiederholt kurz ihre Voten vom Mittwoch: Mit der Verfassungsänderung wollen die Initianten Einfluss auf die Bündner Lehrpläne nehmen. «Die Kommission für Bildung und Kultur ist mehrheitlich der Meinung, dass die beabsichtigte Verschiebung von der Regierung in den Grossen Rat und möglicherweise hin zum Stimmvolk falsch sei», so Märchy.

Regierungsrat Martin Jäger (SP, Chur) erklärt, dass der geforderte rückwirkende Eingriff in den Lehrplan 21 nicht rechtens sei. Märchy-Caduff erläutert in der Detailberatung einzelne Punkte: Die 2016 veröffentlichte Volksinitiative wurde fristgerecht und mit 3956 gültigen Unterschriften eingereicht. Stimmt der Grosse Rat einer ausformulierten Initiative ohne Gegenvorschlag zu, gilt die Initiative als ein eigener, dem Referendum unterstehender Beschluss. Stimmt der Grosse Rat der Initiative zu und beschliesst er einen Gegenvorschlag, findet eine Volksabstimmung statt. Lehnt der Grosse Rat die Initiative mit oder ohne Gegenvorschlag ab, findet eine Volksabstimmung statt. Damit befindet das Volk so oder so über die Initiativen.

«Lehrpläne vors Volk zu bringen bedeutet nicht mehr, sondern weniger Mitspracherecht», sagt Grossrätin Sandra Locher Benguerel (SP, Chur). Wird ein Lehrplan dem Volk vorgelegt, wären die Stimmberechtigten überfordert, so umfasst der Lehrplan 21 etwas mehr als 400 Seiten. «Die Stimmberechtigten könnten dann ja oder nein sagen zu einem Lehrplan. Das gibt aber nicht mehr Mitspracherecht», ist Locher Benguerel überzeugt. Und Jäger widerholt sich auf eine Frage, dass bei einer Annahme des Initiativen zunächst das Gesetz geändert werden müsste.

In der Schweiz wurde noch nie ein Lehrplan auf Gesetzesstufe erarbeitet, so Märchy-Caduff. «Die Vorstellung, während einer Session einen Lehrplan zu erarbeiten, ist unvorstellbar und nicht stufengerecht. Roman Hug (SVP, Trimmis) als Präsident der Kommissionsminderheit kontert, dass vor den Wahlen viele im Saal von der Digitalisierung sprachen. Diesbezüglich bin ich überraschtoder enttäuscht, dass man in Graubünden zweifelt, die Stimmberechtigten über ein grösseres Thema nicht in geeigneter Form informieren zu können, so Hug. Weiter macht er Beispiele, wie er in seiner Gemeinde Trimmis Gremien gerne zusammenstellen würde: «Im Schulrat wünsche ich mir einen Lehrer und zwei Personen anderer Berufsgruppen. In einer GPK würde ich mir einen Treuhänder oder einen Juristen und zwei Personen aus andern Berufsgruppen wünschen. Und auch eine Baukommission würde ich persönlich mit höchstens einem Architekten bestückten», so der Architekt.

Schliesslich empfiehlt das Parlament dem Volk mit 102:10 Stimmen bei einer Enthaltung, die Initiative «Gute Schule Graubünden - Mitsprache bei Lehrplänen» zur Ablehnung. Nach der Debatte und der Abstimmung vom Mittwoch und der ebenfalls zur Ablehnung empfohlenen Initiative «Gute Schule Graubünden - Mitsprache bei wichtigen Bildungsfragen» werden damit beide Initiativen zur Ablehnung empfohlen.

Der Verband Lehrpersonen Graubünden (Legr) freut sich über die Ablehnung der Doppelinitiative. Wie er mit einer Mitteilung schreibt, sollte mit der sogenannten Doppelinitiative nach dem Willen der Initianten der eben eingeführte Lehrplan 21 Graubünden wieder abgeschafft werden. Der Grosse Rat wie auch der Legr sind der Ansicht, dass Lehrpläne von Fachleuten verantwortet werden müssen. Der Schule geht es besser, wenn sie nicht zum Spielball der Parteipolitik oder weltanschaulicher Interessen wird, heisst es in der Mitteilung. Im Falle einer Annahme der Doppelinitiative durch das Volk müsste der Kanton bei einem Referendum allen Stimmbürger den Lehrplan 21 im Umfang über 400 Seiten zustellen. Der Legr ist überzeugt, dass die Bündner Stimmberechtigten schlicht überfordert wären, den umfangreichen Lehrplan zu prüfen. Die Delegiertenversammlung des Legr hatte die vorliegende Doppelinitiative bereits letzten Herbst fast einstimmig abgelehnt.

Wie weiter?
Egal, wie das Bündner Parlament auch bei der zweiten Initiative entschiedet. Das Volk wird bereits am 25. November über die Volksinitiativen «Gute Schule Graubünden – Mitsprache bei wichtigen Bildungsfragen» und «Gute Schule Graubünden – Mitsprache bei Lehrplänen» abstimmen. So steht in der Botschaft: Stimmt der Grosse Rat einer ausformulierten Initiative ohne Gegenvorschlag zu, gilt die Initiative als ein eigener, dem Referendum unterstehender Beschluss. Stimmt der Grosse Rat der Initiative zu und beschliesst er einen Gegenvorschlag, findet eine Volksabstimmung statt. Lehnt der Grosse Rat die Initiative mit oder ohne Gegenvorschlag ab, findet eine Volksabstimmung statt. Die Initiativen enthalten aber die Klausel, wonach das Komitee ermächtigt ist, die Initiativen mit Mehrheitsbeschluss zurückzuziehen.

Do 30.08.2018 - 08:23

THEO GSTÖHL

Regierungspräsident ist ...

Als erstes politisches Geschäft vereidigt das Parlament die neue Regierung, die ab 1. Januar 2019 im Amt sein wird. Kommissionspräsident Reto Crameri (CVP, Surava) blickt einleitend nochmals auf die Wahlen vom 10. Juni zurück. Damals wurden Christian Rathgeb (FDP, Chur), Mario Cavigelli (CVP, Domat/Ems), Marcus Caduff (CVP, Morissen), Peter Peyer (SP, Chur) und Jon Domenic Parolini (BDP, Scuol) gewählt. Die Wahl nicht geschafft hatten Walter Schlegel (SVP, Trimmis) und Linard Bardill (parteilos, Scharans). Das Parlament stimmt der sogenannten Erwahrung mit 115:0 Stimmen zu. Alsdann folgt die Vereidigung (siehe Video).

Alsdann wählt das Parlament den Regierungspräsidenten für das Jahr 2019. Sämtliche Fraktionen schlagen Jon Domenic Parolini (BDP, Scuol) vor. Turnusgemäss wird der bisherige Regierungsvizepräsident im Jahr darauf jeweils als Regierungspräsident vorgeschlagen. Er wechselt auf das neue Jahr vom Departement Volkswirtschaft und Soziales ins Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement und übernimmt von Martin Jäger (SP, Chur). Mit 104 Stimmen wird Parolini erstmals und einem guten Resultat gewählt.

Als Regierungsvizepräsident schlagen alle Fraktionen Christian Rathgeb (FDP, Chur) vor. Er wechselt auf 2019 vom Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit ins Departement für Finanzen und Gemeinden und übernimmt von Barbara Janom Steiner (BDP, Chur). Mit 114 Stimmen wird Rathgeb deutlich gewählt. Er amtet nach 2015 als Regierungsvizepräsident und 2016 als Regierungspräsident erneut als Regierungsvizepräsident.

Do 30.08.2018 - 08:14

Morgenstund hat Gold im Mund ...

Der zweite Sessionstag begann für einige Grossräte frühmorgens: Im Rahmen der Präventionskampagne «Bisch fit?» fand um 6.40 Uhr auf der Quaderwiese das Programm «Fit in den Tag starten» statt.

25 Parlamentarierinnen und Parlamentarier plus 16 Kinder der Bewegten Schule Rhäzüns nahmen daran teil. «Die Stimmung war grandios, die Motivation war trotz oder dank dem endlich eingesetzten Regen sehr gross und alle haben mit Spass mitgemacht, gelacht und geschwitzt», so  Karin Hofer, Projektleiterin Bewegung und Ernährung beim kantonalen Gesundheitsamt. Es war das neunte Mal, dass das Parlament das Angebot bekam, bei «Parlament en moviment» mitzumachen. Das Projekt steht folglich im neunten Jahr.

9. Parlament en moviment, um 06.30 Uhr heute morgen auf der Quaderwiese Chur: zusammen mit 16 Schülerinnen und Schülern aus Rhäzüns betreiben 25 Politiker Frühsport und beweisen, dass Sport bei jedem Wetter eine Bereicherung ist. Fit für die Session und danke fürs Mitmachen! #bischfit

Gepostet von Kanton Graubünden am Mittwoch, 29. August 2018

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