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Arosa sagt Halt zu Fussgängerzone

Die Ortschaft Arosa will das Areal um den Bahnhof und Obersee sowie den Dorfkern gestalterisch und verkehrstechnisch aufwerten. Zwei der drei Projekte werden nun allerdings wegen Diskussionsbedarfs zurückgestellt. Umgesetzt wird die Obersee-Inszenierung.

Freitag, 13. Juli 2018, 04:30 Uhr Gemeindepräsident erklärt
Lorenzo Schmid - Gemeindepräsident von Arosa.
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Seit geraumer Zeit beschäftigt sich der Tourismusort Arosa mit seinem Ortsbild. Dieses wurde in den vergangenen Jahren immer wieder verändert – man denke an die Brände im Hotel «Carmenna» (2009) und im «Posthotel» (2016). Neue Gebäude wie das Hotel «Valsana» am Dorfeingang sind entstanden (2017) sowie Angebote wie der «Güterschuppen» (2017).

Die eigens gegründete Projektgruppe «Arosa 2020» setzt sich deshalb im Auftrag der Gemeindebehörden intensiv mit der Neugestaltung des Dorfbildes auseinander und koordiniert die Aktivitäten. Am Mittwochabend hat der Gemeindevorstand über den aktuellen Stand der Dinge informiert.

Nochmals über die Bücher

Das Projekt «Arosa 2020» wurde in drei Unterprojekte aufgeteilt: die Dorfzone Arosa, die Erlebnisinszenierung Obersee und die Fussgängerzone am Bahnhofplatz. Vor allem Letzteres, das Verkehrsregime am Bahnhof Arosa, hat zu hitzigen Diskussionen geführt. Das Areal wurde 2014 mit dem Neubau der Passerelle durch die Rhätische Bahn aufgewertet. Nun will die Gemeinde die Umgebung entsprechend anpassen. Zunächst war die Rede von einer Begegnungszone, zuletzt von einer Fussgängerzone. Aktuell gilt auf dem Areal Tempo 50.

Im Mai hat die Gemeinde ein Mitwirkungsverfahren durchgeführt. Laut Gemeindepräsident Lorenzo Schmid wurden diverse Anliegen von Einwohnerinnen und Einwohnern geäussert. Bedenken gibt es vor allem in Bezug auf die Zufahrt mit dem Ortsbus, Hotelbus, Taxi, mit dem Privatfahrzeug für das Ein- und Ausladen sowie für die Zulieferer. «Das sind alles legitime Anliegen», sagt Schmid.

Der Gemeindevorstand von Arosa hat laut Schmid deshalb beschlossen, in Sachen Fussgängerzone beim Bahnhofareal einen Marschhalt einzulegen. An einer Veranstaltung voraussichtlich im August soll das Projekt gemeinsam mit Anstössern und weiteren Interessierten vertieft diskutiert werden.

Ein neues Verkehrsregime wurde auch für den Aroser Dorfkern zur Diskussion gestellt. Doch dieses Projekt wird vorerst «auf Eis gelegt», wie Schmid sagt. Man wolle sich zunächst auf die Anpassungen am Bahnhof konzentrieren, zumal es sich bei der Neugestaltung des Dorfkerns um eine längerfristige Angelegenheit handle, die einen Urnenentscheid bedinge.

Am Obersee geht es los

Sofort an die Hand genommen wird dagegen die Inszenierung des Obersees. Für insgesamt rund eine halbe Million Franken will die Gemeinde Arosa das Gebiet um den See «aufleben lassen», wie Schmid sagt. Dieses Vorhaben ist laut dem Gemeindepräsidenten unumstritten. «Wir wollen mehr aus dem Areal machen.» Noch in diesem Sommer entstehen eine Wippe, eine Holzkonstruktion mit dem Namen «Arosa Welle» sowie ein Photopoint. Grössere Investitionen sind 2019/20 vorgesehen, etwa ein Neubau für das in die Jahre gekommene Bootshaus. Angedacht sind auch Infrastrukturen, die an das neue Arosa Bärenland angelehnt sind. Die Rede ist von einem Steg, der in der Form einer Bärenpfote in den Obersee ragt.

Finanziert wird die Inszenierung des Obersees aus einem Lenkungstopf, wie Schmid erläutert. Dieser sei seinerzeit zur Eindämmung des Zweitwohnungsbaus in der Gemeinde geschaffen worden. «Wollte jemand früher eine Zweitwohnung bauen, musste er pro Quadratmeter 700 Franken in diesen Lenkungstopf einbringen.» Mit den Mitteln werden primär touristische Infrastrukturen in Arosa unterstützt. Die Obersee-Inszenierung belastet die Gemeindekasse folglich nicht, wie Schmid betont.

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