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Locher: «Die Lehrer denken nicht nur an sich»

Eine Befragung der Bündnern Lehrer zeigt, dass das Interesse an der Fremdspracheninitiative nicht wirklich vorhanden ist. Die Präsidentin des Lehrerverbandes interpretiert gegenüber «suedostschweiz.ch» die tiefe Stimmbeteiligung.

Nadia
Kohler
Montag, 30. April 2018, 16:08 Uhr Erklärungen gesucht
Sandra Locher Kindergarten Chur
Sandra Locher Benguerel kann die tiefe Stimmbegeiligung interpretieren.
OLIVIA ITEM

Die Bündner Lehrer zeigen wenig Interesse an der Fremdsprachenintiative: Lediglich 22 Prozent der Verbandsmitglieder äusserten sich dabei zur umstrittenen Vorlage. Eine knappe Mehrheit (rund 53 Prozent) sprach sich dabei gegen die Initiative aus. Der Verband der Lehrpersonen Graubünden hat diese Resultate einer Befragung zur Initiative «Nur eine Fremdsprache in der Primarschule» veröffentlicht und bekannt gegeben, dass sie sich nicht am Abstimmungskampf beteilen wird.

Sie sei auf das Resultat sehr gespannt gewesen, wie die Präsidentin des Lehrerverbandes (LEGR), Sandra Locher Benguerel, auf Anfrage erklärt. «Es hat mich sehr erstaunt, dass nur jedes fünfte Mitglied an der Abstimmung teilgenommen hat» und weiter betont sie, dass die Mitglieder umfassend informiert worden seien, dass diese Urabstimmung durchgeführt werde. Es müsse deshalb als Fakt angesehen werden, dass das Interesse an der Vorlage gering sei. Dies zeige sich auch im direkten Vergleich mit einer noch laufenden Befragung. Dabei gehe es um die Arbeitszeiterfassung, welche komplexer aufgebaut und dennoch bereits von mindestens doppelt so vielen Lehrern ausgefüllt worden sei.

Lehrer sind keine Egoisten

Wer nun denke, dass die Bündner Lehrer sich nur für eigene Themen interessieren, der irrt gewaltig, so Locher Benguerel: «Die Lehrer denken nicht nur an sich.» Die geringe Stimmbeteiligung lasse diverse Interpretationen zu. So könnte die Komplexität der Vorlage ein Grund dafür sein. Schliesslich gebe es gute Gründe für und gegen die Initiative.

Des Weiteren seien in den Kantonen Zürich und Luzern bereits Vorlagen zu nur einer Fremdsprache in der Primarschule klar bachab geschickt worden. «Wahrscheinlich haben diese Resultate auch in Graubünden etwas den Wind aus den Segeln genommen», so Benguerel. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass die Bündner Lehrer gerade intensiv mit der Einführung des Lehrplangs 21 beschäftigt seien und eine weitere Veränderung eventuell nicht erwünscht sei.

Kein Wahlkampf für den Verband

Da bei der Abstimmung keine Zweidrittelsmehrheit (66 Prozent und mehr) zustande gekommen ist, verzichtet der Verband nun darauf, sich am öffentlichen Abstimmungskampf zu beteiligen. Als nächstes wird sich der Grosse Rat wieder mit dem Thema befassen. In der Junisession wird er über die Abstimmungsempfehlung befinden. Die Bündner Regierung ist nach wie vor gegen die Vorlage.

Darum geht es:
Die Vorlage aus dem Jahr 2013 verlangt, dass in der Bündner Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird. Für deutschsprachige Kinder wäre dies Englisch, für die Romanen und Italienischbündner Deutsch. Dies geht den Vertretern der Sprachminderheiten und dem Kanton gegen den Strich. 2014 stellte die Regierung dem Grossen Rat den Antrag, die Initiative wegen «offensichtlichem Widerspruch zu übergeordnetem Recht» für ungültig zu erklären. Sowohl der Grosse Rat(2015)  wie auch das Verwaltungsgericht (2016) kamen dem Ansinnen nach. Das Bundesgericht sah dies jedoch etwas anders – im Frühling 2017 erklärte es die Initiative für gültig.

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