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Hensa will trotz Einsprachen an der Bar im Hafen festhalten

Die Schifffahrtsbetrieb Hensa AG will neu an schönen Abenden im Rapperswiler Hafen eine Bar auf dem Schiff betreiben. Was die neue Geschäftsführerin als Belebung und ergänzendes Angebot sieht, stösst Wirten und Hausbesitzern sauer auf. Hensa glaubt, dass die eingereichten Einsprachen teils auf Missverständnissen beruhen.

Pascal
Büsser
28.03.18 - 06:18 Uhr
Politik
Hensa-Geschäftsführerin Vesna Despot möchte das Schiffsdeck im Rapperswiler Hafen für Gäste öffnen.
Hensa-Geschäftsführerin Vesna Despot möchte das Schiffsdeck im Rapperswiler Hafen für Gäste öffnen.
PASCAL BÜSSER

Nach dem Feierabend auf dem Schiffsdeck im Rapperswiler Hafen an einem Drink nippen – oder die Zeit, bis im Restaurant gegenüber an der Hafenpromenade ein Tisch frei wird, mit einem kühlen Bier überbrücken: Mit dieser Vorstellung im Kopf hat Vesna Despot bei der Stadt eine Bewilligung für einen Barbetrieb auf den stehenden Schiffen im Hafenbecken beantragt. «Seit der ‘Schwanen’ geschlossen ist, fehlt im Hafenbereich ein Publikumsmagnet», sagt die neue Geschäftsführerin der Schifffahrtsbetrieb Hensa AG. Doch gegen ihre Pläne regt sich Widerstand. Der Verein Gastliche Altstadt hat im Namen von 17 Beizern gegen den Barbetrieb im Hafen Einsprache eingelegt, wie die Stadt bestätigt. Ebenso drei Hauseigentümer. Letztere befürchten insbesondere zusätzlichen Lärm.

Anwohner fürchten Lärm

Despot hat Verständnis für die Sorgen der Anwohner, versucht aber zu besänftigen: «Aus Sicherheitsgründen dürfen im Hafen maximal 50 Personen auf einmal aufs Schiff», erklärt sie. Zudem sei klar, dass Hensa den Betrieb akustisch im angepassten Rahmen halten würde. «Wir möchten unseren guten Ruf bewahren», sagt Despot.

Überraschter ist sie über die Einsprachen seitens der Wirte. Denn sie habe im Vorfeld mit der «Dieci»-Führung das Gespräch gesucht. Und dabei auch mögliche Kooperationen angeboten. Das Baugesuch entspreche nicht der Ankündigung von Despot, nennt Wirtepräsident und «Dieci»-Chef Rocco Delli Colli den Auslöser für die Wirte-Einsprache.

Angekündigt hatte Despot in der «Südostschweiz», dass sie im Sommer jeweils freitags und samstags eine Bar auf einem Hensa-Schiff im Rapperswiler Hafen betreiben will. Einen Barbetrieb «voraussichtlich Freitag/Samstag in der Hauptsaison» erklärte Despot auch im Schreiben an die Stadt.

«Mit dem Produkt ‘Schiffbar am Hafen’ kann neu der Feierabend-Apéro an Bord und auf dem Sonnenoberdeck genossen werden, bis nebenan im stark frequentierten Speiselokal ein Tisch frei wird», heisst es dort weiter. Sie habe dem «Dieci», dem nächstgelegenen Restaurant, eine Zusammenarbeit vorgeschlagen, sagt Despot auf Nachfrage. Allerdings sei sie auf wenig Interesse gestossen.

Gerüchte um Disco auf dem Schiff

Trotzdem zeigt sich Despot aufgrund der Vorgespräche über die Einsprache der Wirte überrascht. Sie glaubt, dass diese zumindest teilweise auf Missverständnissen beruhen. «Scheinbar glaubten einige, dass ich an mehreren Tagen die Woche auf drei Schiffen gleichzeitig eine Bar mit jeweils bis zu 80 Gästen betreiben will», erzählt sie. Das entspreche aber überhaupt nicht ihren Absichten. Auch eine Disco, wie gerüchteweise herumgeistert, sei überhaupt kein Thema. Vielmehr handle es sich um einen Barbetrieb auf einem der drei Schiffe. Aus Sicherheitsgründen dürften zudem im Hafen nicht mehr als 50 Personen gleichzeitig bewirtet werden. «Im Vergleich zu den bestehenden Restaurants am Hafen ist das nicht viel», so Despot.

Sie sieht ihr geplantes Angebot deshalb als Ergänzung zu bestehenden Gastrobetrieben und zusätzlichen Anreiz für Ausgehfreudige, in die Rapperswiler Altstadt zu kommen. «Unser Kerngeschäft sind die Schifffahrt und der Bootsverleih», sagt Despot. Die Bar sei mehr als Image-Werbung für die Hensa gedacht denn als einträgliches Geschäft. «Befürwortung von Innovationen ist für die gesamte lokale Gastroszene förderlich», ist Despot überzeugt. Bei der Stadt, welche die Anlagestelle seit rund drei Jahrzehnten an die Hensa vermietet, sei die Idee, mehr Leben in die im Hafen parkierten Schiffe zu bringen, auf positive Resonanz gestossen.

Stadt: Bewilligung für ein Jahr

Für Fragezeichen bei den Wirten scheint gesorgt zu haben, dass die Baubewilligung für die «Umnutzung» der stehenden Schiffe, nicht auf eines der drei Hensa-Schiffe beschränkt ist. «Dies ist nötig, weil nicht immer dasselbe Schiff im Hafen steht», sagt Despot.

Zudem gilt die von der Stadt in Aussicht gestellte Bewilligung grundsätzlich für sieben Tage die Woche während der normalen Restaurant-Betriebszeiten, wie Cemi Thoma, Ressortleiter Bau, Liegenschaften der Stadt, bestätigt. «Wir können dies allerdings in der Verfügung noch auf zwei Tage einschränken, wenn das zur Bereinigung der Einsprachen beiträgt», so Thoma.

Bereits festgelegt habe die Stadt, dass die Bewilligung vorerst nur für ein Jahr gelte – und nächstes Jahr neu eingeholt werden müsste. «Damit können wir reagieren, wenn der Betrieb unerwünschte Auswirkungen hat», erklärt Thoma. Despot hofft auf eine Einigung mit den Einsprechern, um die Bar versuchsweise von Ende Mai bis September diesen Jahres betreiben zu können. «Es muss aber mit einer gewissen Eleganz gehen, bei einem Knorz ist mir der Aufwand zu gross.»

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