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SVP Graubünden verschafft sich Vortritt bei Google

Online-Wahlkampagnen sind für viele Bündner Parteien ein eher neues Pflaster. Das zeigt sich auch mit Blick auf die Regierungsratswahlen vom 10. Juni.

Corinne
Raguth Tscharner
Mittwoch, 14. März 2018, 04:30 Uhr Regierungsratswahlen
Wer bei Google nach «BDP Graubünden» sucht, bekommt oft als erstes Suchergebnis der Werbeanzeige der SVP präsentiert.
SCREENSHOT GOOGLE

Wer in diesen Tagen bei Google nach einer Bündner Partei oder einem Thema rund um die be- vorstehenden Regierungsratswahlen sucht, der wundert sich vielleicht. Oft erscheint als erstes Suchergebnis nämlich eine Werbeanzeige, die zur Webseite des SVP-Regierungsratskandidaten Walter Schlegel führt. Ein Umstand, den BDP-Wahlkampfleiter Gian Michael ärgert, wie er in einem Leserbrief schrieb.

«Onlinemarketing ist nicht ganz einfach, und nicht alle Wahlkampfleiter verstehen, wie zum Beispiel das Werbesystem Google Adwords funktioniert», entgegnete ihm Valérie Favre Accola im Namen des SVP-Wahlkomitees auf der Forumsseite der «Südostschweiz».

Da Google sich bei der Funktionsweise seiner Algorithmen oft sehr bedeckt hält, ist es tatsächlich für viele ein Rätsel, wie die Werbeanzeigen auf den Seiten der Suchmaschine funktionieren. Das bestätigen Experten. «Es ist ein Auktionssystem, das auf Klickpreis und Qualität basiert», sagt auch Jeannine Künzler, Leiterin Performance Marketing bei Somedia Promotion. Es sei ein sehr komplexes und grosses System.

Welche Werbeanzeige bei welcher Suchanfrage auftaucht, hängt jedenfalls von den bei Google Adwords hinterlegten Schlüsselwörtern – den sogenannten Keywords – ab. Aus den un-terschiedlichsten Gründen kann eine Anzeige trotz passender Keywords auch mal nicht auftauchen oder auch bei nicht direkt verwandten Suchanfragen erscheinen. Laut externen Experten ist Zweiteres sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Wie Favre Accola sagt, verwendet die SVP nur fünf Keywords, und keines davon beinhaltet den Namen einer anderen Partei. «Google verlinkt die Suchanfragen wahrscheinlich, weil zum Beispiel die SVP, die Regierungsratswahlen oder Walter Schlegel in Artikeln oder Leserbriefen auf der Webseite der BDP erwähnt werden», erklärt sie den Umstand, dass die Werbeanzeige des SVP-Kandidaten auch bei einer Suche nach «BDP Graubünden» ganz zuoberst erscheint.

«Mit Google Adwords wollen wir das Google-Ranking der neuen Webseite von Walter Schlegel verbessern», so Favre Accola. Ohne diese Anzeige würde die Webseite aufgrund ihres noch jungen Alters unter den anderen Suchergebnissen, wie etwa Newsartikeln und anderen Beiträgen, untergehen.

So werben die anderen Parteien

Die BDP Graubünden macht laut Wahlkampfleiter Gian Michael für ihre Regierungsratskandidaten ebenfalls Werbung im Netz. Dies aber hauptsächlich mit verschiedenen Werbeformaten auf Webseiten und auf Social-Media-Kanälen. «Im Vordergrund der Kampagne stehen die Kandidaten mit ihren Werten und Argumenten», so Michael. Dennoch spielen beim Wahlkampf der Partei auch Keywords eine Rolle. Denn wer dieser Tage bei Google beispielsweise das Wort «Regierungsratswahlen» eintippt, findet eine Google-Adwords-Anzeige von BDP-Kandidat Andreas Felix.

Auch die SP Graubünden nutzt Google Adwords für ihre Wahlkampagne. Laut Parteisekretär Lukas Horrer sollen sich alle verwendeten Werbeplattformen ergänzen, damit die Wahlkampagne aus einem Guss daherkommt. «Wir gewichten den Online

bereich sehr stark», sagt Horrer. So führt die Partei den Wahlkampf auch auf den unterschiedlichsten Social-Media-Kanälen. Man erreiche damit sehr viele Leute und könne vor allem direkt mit den Wählern interagieren.

Die FDP will alle möglichen Kanäle abdecken, setzt den Schwerpunkt aber weiterhin auf die traditionellen Medien, wie Pressechef Silvio Zuccolini sagt. «Nach Möglichkeit werden wir aber auch Onlinewerbung und Social Media nutzen», so Zuccolini. Google Adwords erwähnt er dabei zwar nicht, weist aber darauf hin, dass der FDP-Wahlauftakt erst am 27. März ist.

Mit «guter Qualität» weit oben

Auch die CVP bestreitet ihren Wahlkampf mit Werbeflächen auf Plakaten und Inseraten in Tageszeitungen traditionell, sagt Armin Spescha vom Marketingbüro communicaziun.ch, das für die CVP die Wahlkampagnen der Kandidaten plant und durchführt. Mit Blick darauf, dass Online die Zukunft sei und man diese Plattform auf die Wahlen in den kommenden Jahren hin aufbaue, habe man aber auch die Webseite regierungsratswahlen-gr.ch lanciert, so Spescha weiter. Zudem seien die CVP-Kandidaten auf Facebook aktiv und auch auf Bannerwerbung seien sie online präsent. Laut Spescha wird aber auf Google Adwords verzichtet. «Für eine bessere Sichtbarkeit in der Suchmaschine setzen wir mehr auf eine gute Qualität der Webseite.»

So funktioniert Google Adwords
Google Adwords sind die automatisch eingeblendeten Werbeanzeigen in den Suchergebnissen bei Google. Wer auf diese Weise für seine Internetseite werben möchte, legt sich ein Konto an und definiert Schlüsselwörter – sogenannte Keywords. Mit diesen Begriffen kann festgelegt werden, bei welchen Suchanfragen die Werbung angezeigt werden soll.
Es gibt zudem unzählige Optionen, in welchen Fällen ein Inserat angezeigt werden soll und in welchen nicht. So kann das Einblenden des Inserats zum Beispiel auf eine bestimmte Region beschränkt werden.
Der Werbetreibende kann für die Inserate ein begrenztes Budget festlegen. Kosten fallen dann an, wenn ein Google-Nutzer auf eines der Inserate klickt, um auf die beworbene Webseite zu gelangen. Die Plätze für die Anzeigen werden versteigert. Derjenige, der die Werbung aufschaltet, legt für jede Anzeige einen Höchstpreis fest, der für einen Klick bezahlt werden soll. (rac)

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