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Vom Wald will man viel, und viele brauchen ihn

Der Wald bedeutet Erholung und bietet Schutz; er wird beweidet und genutzt. Deshalb braucht es eine Planung. Der Kanton hat darum einen Waldentwicklungsplan erarbeitet. Und ihn nun vorgestellt.

Südostschweiz
Donnerstag, 08. März 2018, 05:34 Uhr Förderung
Medienorientierung MK Kantonaler Waldentwicklungsplan 2018+ Wald Sandro Sutter Förster
Gutgelaunt im winterlichen Wald: Kantonsförster Reto Hefti.
OLIVIA ITEM

Im Gebiet Bual nahe der Biathlon-Arena in Lantsch/Lenz zeigt sich eine typische Situation: auf der einen Seite lichter Lärchenwald; er wird gerne für die Beweidung mit Vieh genutzt. Auf der anderen Seite dichter Wald; hier erholen sich Einheimische und Touristen. Dazwischen ziehen Langläufer auf der Loipe ihre Bahnen. Und auf einer Lichtung ist Jungwuchs eingezäunt. Das heisst: Der Wald erfüllt verschiedene Aufgaben. Aber an ihn werden eben auch die unterschiedlichsten Ansprüche gestellt.

Damit die Waldpflege und die verschiedenartigen Nutzungen aufeinander abgestimmt sind und mögliche Konflikte frühzeitig erkannt werden, wurde der Waldentwicklungsplan 2018+ erarbeitet. Er soll für die nächsten 15 Jahre gelten und wurde gestern den Medien vorgestellt.

«Der Waldentwicklungsplan 2018+ zeigt auf, was vom Wald erwartet wird und was wir tun müssen, um diese Erwartungen zu erfüllen», meinte Regierungspräsident Mario Cavigelli. Mit diesem Instrument soll die Entwicklung des Bündner Waldes behördenverbindlich geplant werden.

Denn der Wald ist wichtig. Rund 61 Prozent der Bündner Waldfläche sind Schutzwald. Dieser schützt Siedlungen und Infrastrukturen vor Naturgefahren. Der Wald bietet Lebensraum für 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten, die in der Schweiz vorkommen. Er bedeckt rund 30 Prozent der Kantonsfläche und ist somit ein prägendes Element der Landschaft. Zudem liefert er den Rohstoff Holz und ist der grösste Erholungsraum.

Unterteilt in sieben Bereiche

Um diesen unterschiedlichen Bereichen gerecht zu werden, ist der Waldentwicklungsplan (WEP) in sieben Themen gegliedert, nämlich in Schutzwald, Holznutzung, Natur und Landschaft, Erholung und Tourismus, Weidwald, Wald-Wild-Jagd und Erschliessung.

Im Bereich Erholung und Tourismus liegt etwa die Herausforderung darin, dass zum einen die Ansprüche der Ruhesuchenden im Wald erfüllt werden und zum anderen die Wald-erhaltung nicht gefährdet ist. Im Bereich Natur und Landschaft besteht eine gewisse Gefahr darin, dass die Landschaft nicht mehr so vielfältig ist, weil landwirtschaftlich genutzte Flächen einwachsen und die obere Waldgrenze steigt. Und im Bereich Weidwald wird aufgezeigt, dass sich eine Waldbeweidung nicht nachteilig auf den Wald auswirken muss.

Schutzwald braucht mehr Pflege

«Der Bündner Wald ist in einem sehr guten Zustand», unterstrich Kantonsförster Reto Hefti gestern. Mit dem WEP wolle man das Multitalent Wald fördern. Das Augenmerk liege dabei auf der Waldverjüngung und dem Schutzwald. Im WEP hat der Schutzwald deshalb eine grosse Bedeutung. Gleichzeitig müssten Schutzwälder besser gepflegt werden, räumte Hefti ein. Und zwar jene mit direkter Schutzwirkung und kleinem Risikopotenzial, aber auch jene mit indirekter Schutzwirkung. «Hier ist der Pflegerückstand relativ gross», so Hefti. Die Waldpflege ist eine Verbundauf-gabe. Sie liegt in der Hand von Waldeigentümern (meistens sind das die Gemeinden), von Kanton und Bund.

Der WEP 2018+ ist eine Weiterentwicklung früher Pläne. Sie waren über 20 Jahre alt. Deshalb brauchte es eine Revision. «Vorher gab es 18 verschiedene Dokumente. Jetzt sind es fünf Waldentwicklungspläne für fünf Waldregionen», sagte Riet Gordon vom kantonalen Amt für Wald und Naturgefahren. Nun liegen diese Pläne 30 Tage auf. Hernach müssen sie von den Gemeinden genehmigt werden, bevor sie die Regierung in Kraft setzt.

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