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«Die St. Moritzer erwarten neue Lösungen»

Wie soll sich St. Moritz bis 2030 weiterentwickeln? Diese Frage möchte die Gemeinde gemeinsam mit der Bevölkerung angehen.

Fadrina
Hofmann
Donnerstag, 15. Februar 2018, 10:57 Uhr Chancen, Risiken, Stärken, Schwächen

Die Gemeinde St. Moritz hat eingeladen, und rund 60 Personen sind am Dienstagabend gekommen. Gemeindepräsident Sigi Asprion hatte mehr Interesse für den Anlass «St. Moritz 2030» erwartet. Schliesslich geht es um die Zukunft des Ortes und der Bewohner. Für einmal wird die Bevölkerung im Entwicklungsprozess der Gemeinde aktiv einbezogen. Das ist eine Chance für jeden Einzelnen, seine persönlichen Anliegen einzubringen. Die Basis für «St. Moritz 2030» haben der Gemeindevorstand, der Gemeinderat sowie eine Begleitgruppe mit Vertretern von verschiedenen Interessensgruppen in Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Firma gelegt.

Im Grunde geht es bei diesem Projekt um die Raumplanung der Gemeinde. «Um diese Raumplanung machen zu können, ist es wichtig, die Strategie des Ortes zu definieren, und dazu wollen wir die Anliegen der Bevölkerung aufnehmen», erklärte Asprion.

St. Moritz darf nicht verstauben

Eine Strategie bedarf einer Auslegeordnung. Beim ersten von drei öffentlichen Anlässen zu «St. Moritz 2030», ging es darum, zu erfassen, was der Status quo ist und was die Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung sind. Die Teilnehmer des öffentlichen Brainstormings wurden aufgefordert, sich über die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken von St. Moritz zu äussern.

Eine Umfrage von «Radio Südostschweiz» zeigt, dass die Teilnehmer des Anlasses diese Gesprächsplattform schätzen und auch aktiv nutzen wollen. Georgia Hauser, Bürgerin von St. Moritz, meinte: «Das grösste Potenzial ist die Natur.» St. Moritz müsse dieses Potenzial besser nutzen und im Bereich Gesundheitstourismus aktiver werden. Ines Debrunner bezeichnet sich als «eine zugezogene Einheimische». «Ich hoffe, dass es gelingt, die besten hier gesammelten Ideen umzusetzen, und dass sie auch finanzierbar sind», sagte sie. Der St. Moritzer Martin Riederer meinte: «Es besteht das Risiko, dass St. Moritz verstaubt.» Gewisse Standorte und Objekte müssten besser genutzt werden, zum Beispiel Ludains oder die Reithalle. Chancen habe die Gemeinde sehr viele.

«Es muss möglich sein, St. Moritz auf dem hohen Niveau, auf dem wir uns befinden, weiterzubringen.»

Diese Meinung teilt auch Alfred Riederer, Präsident der Bürgergemeinde St. Moritz. «Es muss möglich sein, St. Moritz auf dem hohen Niveau, auf dem wir uns befinden, vorwärtszubringen», meinte er. St. Moritz sei einmalig, was Lage und Lebensqualität betreffe. Seiner Ansicht nach mahlen die Mühlen der Politik aber zu langsam, weswegen innovative Ideen nicht schnell genug umgesetzt werden können.

Chance, aber auch Abhängigkeit

«Wir sind ein Tourismusort und haben nicht so viele Möglichkeiten, uns ausserhalb des Tourismus wirtschaftlich weiterentwickeln zu können», sagte Asprion. Der Tourismus sei eine Chance, aber auch eine Abhängigkeit. Als Beispiel nannte der Gemeindepräsident die Zweitwohnungen. Aus gesetzlicher Sicht gibt es in diesem Bereich keine Möglichkeiten mehr. Nun gehe es darum, zu fragen: Was sind Alternativen? Was macht man aus den bestehenden Liegenschaften? Thomas Bernhard ist Politologe und begleitet den Prozess zu «St. Moritz 2030» professionell. «Mich beeindruckt, dass die Einwohner sich einerseits mit der Frage befassen: Wie kann man die Destination St. Moritz erhalten und weiterentwickeln, sodass sie im Markt bestehen kann? Auf der anderen Seite machen sie sich auch Sorgen um das Dorfleben, darum, was in der Gesellschaft Backstage passiert.»

Bernhard wird die Inputs dieses ersten gemeinsamen Brainstormings sammeln und versuchen, sie zu bündeln. Am nächsten öffentlichen Anlass wird das kondensierte Ergebnis vorgestellt. «Die St. Moritzer erwarten neue Lösungen», meinte der Politologe. Bernhard hofft, bis Ende Jahr gemeinsam mit den Gemeindebehörden eine Strategie vorlegen zu können, die auch in der Bevölkerung breit abgestützt ist.

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