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Büsser: «Gewisse Spielregeln müssen einfach stimmen»

Am Donnerstag informierte der Bundesrat darüber, dass er eine sanfte Liberalisierung für den Fernbusverkehr anstrebt. Wir wollten vom Vorsteher des Bündner Departements wissen, was er davon hält und was die Liberalisierung für Auswirkungen haben könnte.

21.10.17 - 04:30 Uhr
Politik
Arbeitsplätze Gebäudesanierung
Erich Büsser will das Verkehrsangebot sinnvoll durch Fernbusse ergänzen – aber nur, wo das auch Sinn macht.
YANIK BÜRKLI

Radio Südostschweiz wollte von Erich Büsser, dem Vorsteher des Amts für Energie und Verkehr, wissen, was das für den Kanton Graubünden bedeuten kann. Hier findet Ihr den Sendungsbeitrag unserer Radiokollegen.

Im Gespräch mit Radio Südostschweiz erwähnte Büsser ausserdem Spielregeln, die für den Betrieb von Fernbuslinien im Kanton Graubünden definiert werden müssten. Diese würden die Fahrzeiten sowie die Preisstruktur betreffen. Der bestehende öffentliche Verkehr dürfe durch das Aufkommen der günstigen Fernbusse nicht beeinträchtigt werden. Im Interview mit «suedostschweiz.ch» nimmt Büsser nochmals Stellung zu seinen Aussagen.

Herr Büsser, Sie haben gegenüber Radio Südostschweiz gesagt, dass Tarife für Fernbusse und den restlichen ÖV gleich gelten müssen. Das lässt sich mit dem Wettbewerb nicht vereinbaren…
Ich denke in der Schweiz ist es Usus, freie Wahl des Verkehrsmittels zu haben. Es wird jeweils gleich teuer, egal ob man mit dem Postauto oder mit dem Zug – RhB wie SBB – fährt. Diese Tickets müssten dann auch auf Fernbussen gültig sein. Es darf nicht sein, dass man sich zwischen den Verkehrsmitteln entscheiden muss.

Das wäre aber ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für die Fernbusse, die die Strecken ja offenbar wesentlich günstiger anbieten können.
Ich bin nicht davon überzeugt, dass Fernbusse ihre Strecken wesentlich günstiger anbieten können, wenn sie effektiv die gleichen Leistungen anbieten müssten wie die öffentlichen Transportmittel.

«Es darf nicht sein, dass man sich zwischen den Verkehrsmitteln entscheiden muss.»

Trotzdem fährt man mit Fernbussen ab 18€ von Chur nach München, während man auf SBB-Zügen von Chur nach Zürich aktuell 41 Franken berappt. Wieso will man seitens des Kantons die SBB mit ihren massiv überhöhten Tarifen schützen?
Das sind natürlich keine massiv überhöhten Tarife…

… das sagen Sie.
Ja, klar. Fernbusse nehmen sich natürlich nur die Linien mit grosser Nachfrage heraus und fahren nur zu den attraktivsten Zeiten. Das steht in keinem Vergleich zur SBB, die im öffentlichen Auftrag auch unattraktive Strecken zu unattraktiven Zeiten anbieten müssen. Das führt zu höheren Durchschnittspreisen. Bei kurzfristiger Buchung ist eine Reise von Chur nach München im Fernbus sogar deutlich teurer. Mit dem Sparpreis der SBB geht es auch wesentlich günstiger von Chur nach Zürich. Wir hatten dort auch schon punktuelle Spezialaktionen ab 4 Franken.

Fernbusse könnten laut Erich Büsser ganz spezifische Bündner Bedürfnisse abdecken.
Fernbusse könnten laut Erich Büsser ganz spezifische Bündner Bedürfnisse abdecken.
OLIVIA ITEM

Trotzdem, Konkurrenz belebt das Geschäft…
…und fördert auch Innovationen. Vielleicht werden dadurch ja tatsächlich Preisreduktionen möglich. Oder der öffentliche Verkehr wird effizienter. Grundsätzlich begrüssen wir es, die Fernbusse zusätzlich auf dem Markt zu haben – sofern diese das Bahnangebot sinnvoll ergänzen. Das macht es spannender. Es müssen einfach gewisse Spielregeln stimmen. Die Angebote müssen ins Gesamtsystem passen. Die Anschlusszeiten an den übrigen öffentlichen Verkehr müssen stimmen, wie auch die Taktzeiten. Die Transportkette muss gewährleistet sein, damit auch ein Fernbusreisender aus der Val Lumnezia noch nach Hause kommt, wenn er mit dem Fernbus bis nach Chur reisen kann.

Das macht ja auch Sinn. Nur liegen die Probleme da weniger bei den Fernbussen als viel mehr bei den bestehenden Verkehrsmitteln.
Wir erwarten einfach, dass die Anbieter ihre Angebote aufeinander abstimmen.

«Die Transportkette muss gewährleistet sein.»

Was die Konkurrenzsituation einschränkt.
Wir wollen die Bahn nicht schwächen. Deren Linien sind in vollem Betrieb und verursachen ihre Kosten. Ausserdem sind überdies Netzerweiterungen bereits auf Jahrzehnte hinaus geplant worden. Wir wissen bereits, welches Angebot wir im Jahre 2035 fahren wollen und welche Infrastruktur dazu benötigt wird. Das ist natürlich eine ganz andere Situation als jene der Fernbusse, die sehr flexibel – beinahe vom einen Tag auf den anderen – reagieren können.

Das ist aber ein Wettbewerbsvorteil, den die Busunternehmen haben. Man kann ihnen nicht vorwerfen, diesen ausspielen zu wollen.
Nein. Das werfen wir ihnen auch nicht vor. Wir denken einfach, dass sich die Angebote gut ergänzen würden. Es gibt gerade bei Früh- und Spätverbindungen zum Flughafen Zürich viel Ausbaupotenzial. Das sind Verbindungen, die der Kanton Graubünden bereits seit langer Zeit fordert. Dafür würden sich Fernbusse bestens anbieten.

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