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Reto Crameri macht den Spagat

Reto Crameri ist mit gerade einmal 26 Jahren Bündner Grossrat, Gemeindevorstand der Gemeinde Albula/Alvra, Mediensprecher der CVP Graubünden, Rechtsanwalt und bald auch Landwirt. Wir haben den Tausendsassa besucht und wollten wissen, wie er all diese Tätigkeiten unter einen Hut bekommt.

02.04.17 - 10:00 Uhr
Politik

Vor knapp drei Jahren durfte Reto Crameri zum ersten Mal Platz im Grossen Rat in Chur nehmen. Mit nur 24 Jahren wurde er ins Bündner Kantonsparlament gewählt. Wer denkt, dass sich einer der jüngsten im Parlament in der Menge von 120 Parlamentariern untergeht, irrt gewaltig.

 

Spätestens vor rund einem Jahr machte Crameri auf sich aufmerksam. Der heutige Rechtsanwalt forderte vom Kanton die Einreichung einer Standesinitiative, welche die gemässigte Umnutzung von Maiensässen zu Wohnraum zulässt. Trotz kritischer Stimmen – unter anderem von der SP und der Stiftung Landschaftsschutz – überzeugte er im Parlament und bekam eine deutliche Zustimmung für sein Vorhaben.

 

Nun, rund ein Jahr später, kommt das Anliegen am 6. April zum ersten Mal in Bundesbern aufs Tapet. Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie berät das Thema. Auch wenn die Mehrheit der Kommission eher eine ablehnende Haltung gegenüber dem Vorhaben haben dürfte, wollen sich die beiden Bündner Ständeräte Martin Schmid und Stefan Engler für das Anliegen einsetzen.

 

Crameri selbst will keine Prognose abgeben. Hinter den Kulissen werde fleissig gearbeitet, um die Mehrheit vom Anliegen überzeugen zu können. Das jetzige Raumplanungsgesetz funktioniere nicht für alle Regionen gleichermassen. Eine Umnutzung der zerfallenden Gebäude sei deshalb für die Bündner Wirtschaft und den Tourismus wünschenswert.

 

Keine ruhige Minute

 

Wie bewältigt Crameri sein wahnsinniges Pensum? «Organisation ist alles», erklärt er im Interview mit Radio Südostschweiz. Zudem brauche er kaum Schönheitsschlaf, so Crameri mit einem Lächeln.

 

Der 26-Jährige lebt in Surava auf dem elterlichen Bauernhof und lässt sich nebst seinen Tätigkeiten als Rechtsanwalt und Politiker gerade am Plantahof in Landquart zum Landwirt ausbilden. «Ich wollte noch etwas Richtiges machen», scherzt Crameri.

 

Dereinst könne er sich gut vorstellen, dass er sowohl als Rechtsanwalt wie auch als Landwirt tätig sei. Eines ist für ihn aber jetzt schon in Stein gemeisselt. Crameri will in Surava bleiben. Er pendelt bereits für seinen Job nach Chur und kann sich nicht vorstellen, dass er seine Wurzeln in der Bündner Hauptstadt schlägt. Surava sei seine Heimat. Eine allfällige Frau müsste deshalb sowohl ein Herz für die Landwirtschaft wie auch für Surava haben, erklärt Crameri erneut mit einem Lächeln im Gesicht.

 

Kuhmist und politische Ideen

 

Der Bauernhof bedeutet für Crameri nicht zwangsläufig arbeiten, sondern vielmehr Freizeit. Ihm würden bei der Arbeit im Stall auch oft gute Ideen für die Politik kommen. Zudem verbringe er sehr gerne Zeit mit den Kühen. Diese würden ihn niemals anmotzen, so Crameri.

 

Er habe bereits in der 5./6. Klasse gewusst, dass er Bauer werden möchte und er schätze es, dass seine Familie noch traditionell und nicht mit modernen Maschinen arbeiten würde. Er habe aber auch festgestellt, dass man einen hohen Investitionsbedarf habe und er deshalb wohl besser zunächst noch einen anderen Beruf wählen sollte. Crameri interessierte sich immer schon für die Gesetzgebung. Er wollte Menschen helfen. Und so entschied er sich, den Weg des Rechtsanwalts einzuschlagen. 

 

Dass er auch noch Politiker geworden sei, hänge stark mit einem Schlüsselerlebnis zusammen. Während seiner Zeit in der Kantonsschule habe er für bessere ÖV-Verbindungen von Surava nach Chur gekämpft und festgestellt, dass man etwas bewegen könne, wenn man sich dafür einsetze.

 

Regierungsrat? Nationalrat?

 

Nach dem bisherigen Weg von Reto Crameri dürfte man meinen, dass der 26-Jährige nach noch mehr strebt. Darf es ein Amt als Regierungsrat, Nationalrat oder vielleicht gar Parteipräsident sein? Crameri winkt lächelnd ab. Er sei sehr gerne Grossrat und Gemeindevorstand. Die Anwaltsprüfung habe er erst vor einem Jahr absolviert und deshalb sei es viel zu früh, seine Politkarriere weiterzutreiben. Man werde jedoch sehen, was die Zukunft bringt.

 

 

 

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