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Wird die Lenzerheide doch noch zum Schneesportzentrum?

Es war wie eine Ohrfeige für die Lenzerheide und auch für den Kanton Graubünden, als der Bund das Projekt «Nationales Schneesportzentrum» sistierte. Nun keimt aber wieder Hoffnung auf. Der Grosse Rat dürfte einen Fraktionsauftrag voraussichtlich überweisen.

Südostschweiz
08.09.16 - 17:18 Uhr
Politik

Im Frühling erklärte der Bund – trotz langem Auswahlverfahren – das Nationale Schneesportzentrum auf der Lenzerheide bis 2023 für sistiert. Die Investitionen für das Zentrum hätten sich auf rund 60 bis 80 Millionen Franken belaufen - dazu wären noch Betriebskosten von jährlich rund 10 bis 15 Millionen Franken gekommen, die der Bund übernommen hätte.

Das Projekt fiel jedoch den Sparplänen der Landesregierung zum Opfer. Ein Entscheid, der von der Bündner Regierung mit Bedauern zur Kenntnis genommen wurde und unter anderem von der SP Graubünden gar nicht goutiert wurde.

Die SP-Fraktion des Kantonsparlaments hatte in der Junisession 2016 deshalb einen Auftrag an die Bündner Regierung eingereicht. Die Fraktion forderte die Regierung darin auf, Varianten zu präsentieren, wie das Schneesportzentrum doch noch realisiert werden könnte.

Gemäss einer Mitteilung des Kantons und der SP Graubünden ist die Regierung mehr als gewillt, solche Vorschläge zu präsentieren. In einer Antwort auf den Fraktionsauftrag betonte das Gremium deshalb auch, dass die Schnee- und Wintersportnation Schweiz ein Nationales Schneesportzentrum brauche und der Kanton Graubünden dafür ein idealer Standort wäre.

«Das Projekt ist wichtig für die Förderung des Schneesports und die generelle Sportförderung von Kindern und Jugendlichen», schreibt der Kanton in seiner Antwort und ergänzt: «Der Betrieb des Zentrums soll sich, auch aus wirtschaftlichen Überlegungen, nicht auf den Winter beschränken, sondern ganzjährig aufrechterhalten werden, im Sommer mit Sportarten wie Sportklettern, Bergsteigern, Mountainbike, Ballsportarten.»

Ja, aber ...

Der Grosse Rat dürfte den Fraktionsauftrag der SP voraussichtlich überweisen. Das ergab eine Umfrage bei den Fraktionschefs im Bündner Kantonsparlament. Keine der Parteien hat grundsätzliche Einwände dagegen, dass die Regierung prüft, wie das Schneesportzentrum ohne Bund realisierbar wäre.

Klar ist aber auch: Will der Kanton das Zentrum allein bauen, stösst er beim Parlament auf Granit. Vor allem FDP und SVP laufen Sturm gegen diese Variante. Und sogar bei der CVP wünscht man sich eine Partnerschaft mit privaten Investoren.

Mahnende Worte zum geplanten Zentrum kommen ausserdem aus dem Tourismus. Dort will man nicht nur wissen, was das Zentrum kostet, sondern auch, wieviel es dem Kanton einbringen soll.

Vier Varianten

Eine zeitnahe Umsetzung des Zentrums mit Hilfe des Bundes ist gemäss der Bündner Regierung allerdings nicht realistisch. Folgende Alternativen seien deshalb prüfenswert:

  • Realisierung durch den Kanton Graubünden
  • Realisierung durch mehrere Kantone inklusive Graubünden in einem Kantonsverbund
  • Realisierung durch den Kanton Graubünden und die Standortgemeinden
  • Realisierung durch den Kanton Graubünden und Private, wobei auch Sportverbände darunter fallen


Bündner SP erfreut

In einer Mitteilung zeigt sich die SP hoch erfreut über den Entscheid der Regierung, den Auftrag anzunehmen und verschiedene Varianten zur Umsetzung des Nationalen Schneesportzentrums zu prüfen. «Zu erwartende Folgeinvestitionen bringen Wertschöpfung über Jahre und auch über die Region hinaus», ist die SP überzeugt. (koa)

Wer wie zum Schneesportzentrum steht, erfahrt Ihr morgen in der «Südostschweiz».

Hier eine Zusammenfassung der Geschehnisse:

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