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Die «Südostschweiz» setzt auf Samstag

Die «Schweiz am Sonntag» wird durch eine Wochenendausgabe ersetzt, die bereits einen Tag vorher erscheinen wird: die «Südostschweiz am Wochenende».

Südostschweiz
Dienstag, 21. Februar 2017, 09:00 Uhr Wochenendausgabe
Somedia-CEO Andrea Masüger will mit der neuen Wochenendausgabe einen Trend setzen. Bild Marco Hartmann

Mit Andrea Masüger sprach Hansruedi Berger

Am 4. März wird die «Schweiz am Sonntag» durch die «Schweiz am Wochenende» abgelöst. Die neue Wochenendausgabe von Somedia erscheint damit bereits am Samstag, einen Tag früher als bisher. Was Somedia zu diesem Schritt bewogen hat und was die Umstellung für die Leser bedeutet, erklärt Somedia-CEO Andrea Masüger.

Herr Masüger, nach der nächsten Ausgabe ist Schluss mit der «Schweiz am Sonntag». Diese wird von der «Schweiz am Wochenende» abgelöst. Was sind die Gründe für diesen Wechsel?
Wir sind der Meinung, dass die Printmedien am Sonntag für die Leserinnen und Leser nicht mehr so attraktiv sind wie früher. Das Leseverhalten hat sich geändert, der Konsument sucht am Sonntag nicht mehr die schnelle Information wie früher, sondern eher Hintergründe. Diese kann man aber auch schon einen Tag früher liefern. Diese Entwicklung hat negative Auswirkungen auf den Inseratemarkt. Dies mag nicht zuletzt auch auf eine gewisse Übersättigung zurückzuführen sein. Heute macht praktisch jede Regionalzeitung eine eigene Sonntagsausgabe, der Markt ist übersättigt.

Somedia hat also auf die zunehmende Konkurrenz reagiert?
Ja. Wir haben ja bei der «Schweiz am Sonntag» eine Kooperation mit den AZ Medien, und man ist zum Schluss gekommen, eine Wochenendausgabe zu lancieren. Diese wird bereits am Samstag erscheinen und wird bedeutend umfangreicher und vielseitiger sein als die bisherige Samstagsausgabe. Wir sind überzeugt, dass es künftig einen Trend weg vom Sonntag hin zum Wochenende geben wird. In der Westschweiz haben zwei Zeitungen soeben beschlossen, die Samstagsausgaben stark auszubauen.

Konkret, wie soll die Samstagsausgabe denn künftig aussehen?
Im ersten Zeitungsteil, dem ersten Bund, gibt es alles Regionale, also regionale News, Hintergrundberichte, Reportagen und eine Kommentarseite. Im zweiten Bund befinden sich nationale und internationale Artikel, Wirtschaftsthemen und Sport sowie ein grosses Interview zu einem aktuellen Thema. Schliesslich gestalten wir einen speziellen Wochenende-Bund als Beilage; dieser ist der Kultur, einem grossen Thema der Woche und verschiedenen Servicethemen gewidmet, wie Wissen, Lebenshilfe, Lifestyle, Reisen, Geniessen etc. Diese Beilage ist als Lesestoff gedacht, der sich auch für den Sonntag eignet. Deshalb auch unser Motto: «Ihr Sonntag beginnt schon am Samstag.» Wir wollen, dass die Samstags- oder Wochenendausgabe umfangreicher daherkommt, als die bisherige «Schweiz am Sonntag». Es soll ein echter Mehrwert entstehen.

Noch etwas ändert sich: Die neuen Ausgaben heissen nicht «Schweiz am Wochenende», sondern «Südostschweiz am Wochenende» und «Bündner Tagblatt am Wochenende».
Wir möchten unbedingt den regionalen Charakter unserer Titel beibehalten. Im Gegensatz zu den Titeln der AZ Medien steht deshalb bei uns der Regionalteil im Fokus, der auch zu Beginn der Zeitung erscheint, wie von Montag bis Freitag auch. Deshalb ist es wichtig, auch das Regionale im Zeitungstitel zu behalten. «Schweiz am Wochenende» ist für uns nur ein Unter-, aber nicht der Haupttitel der Zeitung.

Und was erhofft sich Somedia von diesem Entscheid?
Selbstverständlich erwarten wir gewisse Kosteneinsparungen. Diese werden jedoch nicht allzu gross sein, weil wir ja die Samstagsausgabe ausbauen. Ausserdem gibt es bei Tageszeitungen einen grossen Fixkostenblock, der sich mit einer Ausgabe weniger kaum ändert.

Und auf dem Inseratenmarkt?
Wir glauben, die Inserenten der bisherigen Sonntagsausgabe halten zu können. Die Reaktionen auf dem Werbemarkt sind sehr positiv. Wir können uns sogar vorstellen, dass es in Zukunft in der Schweiz mehr umfangreiche Samstagszeitungen und weniger Sonntagszeitungen geben wird. Vielleicht sind wir hier Trendsetter.

Ist das aber auch im Interesse der Leser? Statt sieben Ausgaben pro Woche erhalten sie nur noch sechs.
Dies wird eben dadurch aufgefangen, dass die Samstagsausgabe ausgebaut wird. Wenn man zurückblickt, sind die Sonntagszeitungen nicht zuletzt deshalb entstanden, um News direkt am Sonntag publizieren zu können; dies vor allem im Ressort Sport, aber auch im Inland-, Ausland- und im Regionalteil. Das ist aber heute nicht mehr von so grosser Bedeutung, weil man diese Informationen heute bereits viel früher im Internet oder über die Sozialen Medien beziehen kann.

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Am 4. März erscheint erstmals die «Südostschweiz am Wochenende».

Nun fehlen jedoch die aktuellen Meldungen in der Printausgabe.
Aktuelle News kann man online auf unserer Internetseite nachverfolgen. Zudem gibt es einen Newsletter, den die Abonnenten kostenlos abonnieren können. Hier können sie am Sonntagmorgen direkt die aktuellen Informationen abrufen. Wir werden also das elektronisch nachliefern, was die frühere «Schweiz am Sonntag» in der gedruckten Ausgabe veröffentlicht hat.

Eine Ausgabe weniger; wird ein Teil der Kosteneinsparung auch den Abonnenten weitergegeben?
Ja. Der Preis für ein neues Zeitungsabonnement wird je nach Abo-Art um bis zu 42 Franken gesenkt. Aus praktischen und administrativen Gründen zahlen wir aber nicht Beträge zurück, sondern verlängern die Dauer des jeweiligen Abonnements um den Wert der Differenz zum Preis eines 6-Tage-Abos.

Was bedeutet die Neuerung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Wird es auf der «Südostschweiz»-Redaktion Entlassungen geben, wenn eine Ausgabe weniger produziert wird?
Nein. Wir brauchen alle Leute, weil wir am Samstag ja ein wesentlich umfangreicheres Blatt machen als bisher.

Am Sonntag wird aber keine Zeitung mehr verteilt werden, da kommt es doch zu einem Abbau bei den Zeitungsverträgern?
Unsere Zustellfirma verteilt am Sonntag weiterhin fremde Titel, sie bleibt also auch am Sonntag tätig. Wir müssen aber bei einzelnen Verteiltouren abbauen oder einzelne zusammenlegen. Da wird es zu einem leichten Personalabbau kommen, wir werden diesen aber möglichst sozialverträglich gestalten.

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