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Der Steinbock - ein besonderes Tier

Derzeit dürfen Auserwählte in Graubünden auf die Steinbock-Jagd. Für uns ein Grund, uns das Tier näher anzuschauen.

Südostschweiz
Dienstag, 18. Oktober 2016, 07:10 Uhr Serie: «Auf Steinbock-Jagd»
Rund 6000 Steinböcke leben heutzutage in Graubünden. Archivbild Claudio Godenzi

Gejagt werden die Steinböcke im Kanton Graubünden erst seit 1977 wieder. Das Wappentier durchlebte schwere Zeiten. 1526 war das Jagdrecht im Kanton Graubünden an das Volk zurückgegangen. «Zu dieser Zeit war dies einmalig in Europa», sagt Wildbiologe Hannes Jenny, «jeder Bürger durfte frei jagen.» Dazu entwickelte die Waffenindustrie zu dieser Zeit neue Schusswaffen. Unter diesen Bedingungen konnte der Steinbock nicht überleben: 1650 hatte der Mensch das Tier in der Schweiz komplett ausgerottet.  

Über 200 Jahre später gibt es erste Versuche der Wiederansiedlung. Eine Kreuzung zwischen Steinböcken und Hausziegen, bezeichnet als Bastarde, wird 1879 im Welschtobel bei Arosa ausgesetzt. Erfolglos. Nochmals über 40 Jahre später, 1920 am Piz Terza im Nationalpark im Engadin startet der nächste Versuch. Dieser ist erfolgreich und führt zur Gründung der Kolonie Albris in Pontresina. Bis heute ist diese Kolonie eine der stärksten in Graubünden.  

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Jüngere und ältere Tiere suchen sich ihren Weg durch den Schnee. Archivbild

Wilderer rauben Steinbockkitze  

Der Wiederansiedlung vorausgegangen, sind illegale Geschäfte. Es war allgemein bekannt, dass der italienische König Vittorio Emanuele II im Aosta-Tal, südlich des Wallis, eine Steinbockkolonie von rund 200 Tieren hielt. Es waren die letzten Tiere überhaupt im ganzen Alpenraum. Für gemeinsame Jagden auf das seltene Tier lud der König ausgewählte Gäste ein.

Die Schweizer Regierung wusste von den Tieren und bat die italienische Hoheit um Hilfe. Er sollte Steinbockkitze an die Schweiz ausliefern. Der König lehnte mehrere Anfragen ab. Die Schweiz liess nicht locker und griff zu illegalen Mitteln. Der italienische Wilderer Joseph Berard sollte die Tiere in Italien einfangen und über die Grenze schmuggeln.  

1906 ist es soweit. Von Schmuggel kann aber nicht die Rede sein, weil der Zoll über das illegale Geschäft informiert ist und die Regierung sich finanziell beteiligt. Berard liefert die Tiere für 800 Franken, was in der heutigen Zeit 30'000 Franken entspricht. Im Tierpark Peter und Paul in St. Gallen werden sie aufgezogen und 1911 im Weisstannental ausgesetzt. Es ist die erste Aussetzung in der Schweiz. Insgesamt liefern Wilderer 59 Kitze in die Schweiz, wie es aus Dokumente des St. Galler Kantonsarchivs hervorgeht. Heute leben über 14'000 Tiere in der Schweiz, rund 6'000 davon alleine im Kanton Graubünden.


Lebensraum: Der Steinbock lebt oberhalb der Waldgrenze im Hochgebirge. Im Winter kann er sich auch in den Wald zurückziehen. Wegen seinen kurzen Beinen meidet er den Schnee so gut als möglich.

Fortpflanzung: Steinböcke und Steingeissen leben meist getrennt voneinander. Die Geissen ziehen ihr Kitz in einer Gruppe mit anderen Geissen und teilweise jungen Böcken auf. Die Böcke leben ebenfalls in kleineren Gruppen. Vor der Brunftzeit im Dezember/Januar legen die Böcke untereinander die Rangordnung fest, anschliessend gesellen sie sich für die Paarung zu den Geissen. Bereits Ende Winter gehen die beiden Geschlechter wieder getrennte Wege. Die Geissen ziehen sich im Mai/Juni zurück und gebären ihr Kitz in schwer zugänglichen Nischen im Hochgebirge. Nach der Geburt kehren Mutter und Jungtier in die Gruppe zurück.

Gewicht/Alter: Ein ausgewachsener Steinbock kann bis zu 100 Kilogramm schwer sein, eine Geiss wiegt bis zu 40 Kilogramm. Geissen können über 20 Jahre alt werden, Böcke werden selten älter als 15 Jahre.

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