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Schweden: Kein Tag, wie der andere

Schweden: Kein Tag, wie der andere

Langsam aber sicher werden die Schweden nervös. Midsommar steht vor der Türe. Midsommar ist heilig und nach Weihnachten das zweitwichtigste Fest im Lande. Am Freitag und am Samstag ist ab Mittag Sendepause in Geschäften, Restaurants und Supermärkten. Aber darum geht es heute nicht. Vielmehr berichte ich euch heute, wie meine Arbeit in Schweden so vor sich gehen und wo die Tücken lauern.

Südostschweiz
vor 5 Jahren in
Ereignisse
Bei der Fahrt über das Land findet man die schönsten Orte. Bild Andrea Ullius

von Andrea Ullius

Der Plan meiner Schwedenreise ist vielseitig. Primär stehen natürlich die Berichte für euch auf dem Portal der Südostschweiz im Vordergrund, dann will ich aber möglichst viele Inhalte für meine Schweden-Webseite recherchieren und vorbereiten.

Und zu guter Letzt darf ich für die Kunden meines Sponsors Kontiki Reisen Reisetipps schreiben. Deshalb trifft man mich in Schweden auch in vielen Kaffees und Restaurants an.

Mein Programm war also sehr dicht gedrängt in den letzten drei Wochen. Praktisch jeden Abend schlief ich an einem anderen Ort mit neuen Eindrücken und neuen Ideen. Was dabei auf der Strecke blieb, war das «einfach mal von der Route abweichen».

Das wäre grundsätzlich möglich gewesen, aber ich habe Dank der tollen Zusammenarbeit mit einigen Tourismusorganisationen viele Aktivitäten unternehmen können, die in der Vorsaison nicht möglich gewesen wären. Und so haben diese Fixpunkte natürlich den Reisezeitplan definiert.

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Mit dem Velo kommt man bestens voran und sieht Dinge aus einer anderen Perspektive. Bild Andrea Ullius

Damit wir uns richtig verstehen, das soll keine Klage sein, sondern nur ein Hinweis, dass ihr euch immer viel Zeit lässt für Unvorhergesehenes und Dinge abseits der Touristenströme.

Heute war ich zum Beispiel auf der Insel Visingsö. Die Insel liegt im Vättersee unweit von Gränna. Als ich gestern nach der Zuckerstangenfabrikation noch das Polarmuseum besichtigte, organisierte die Dame vom Tourismusbüro im gleichen Haus spontan Velos, Verpflegung und Fährtickets für einen halben Tag auf der Insel.

Ich radelte also entspannt auf der Insel und suchte einen gemütlichen Ort für das Picnic. Wäre ich auf der Hauptstrasse geblieben hätte ich den abgeschiedenen kleinen Bootssteg mit Bänkchen nicht gesehen. Es war herrlich hier.

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Per Zufall gefunden: Ein lauschiger, verlassener Schiffssteg. Bild Andrea Ullius

Ich kann euch einen Besuch auf Visingsö wärmstens empfehlen. Man kann dort mit dem Velo die ganze Insel queren, mit Pferdekutschen gemütlich an der Küste entlang fahren oder einfach in einem der netten Restaurants die Seele baumeln lassen. Auch für Kulturfans gibt Visingsö Einiges her. Es hat Kirchen, Gräberfelder, Burgruinen und Gebäude von historischer Bedeutung.

Die Geschichte musste dann aber Geschichte bleiben, denn in Eksjö, etwas 90 Minuten von Gränna entfernt, erwartete mich Christina Gieb für eine Stadtführung. Also nix wie los. Doch stopp. Der Tank war fast leer. Ran an die erste beste Tankstelle, Most rein und weiter. Und bitte, macht nicht den Fehler, den ich beim ersten Tanken auf schwedischem Boden gemacht habe.

An schwedischen Tankstellen zahlt man in der Regel direkt an der Zapfsäule mit Kreditkarte. Kreditkarte rein, Code eingeben, Säule auswählen, tanken, fertig. Nein! Es folgt unbedingt: nochmals Kreditkarte rein. Sonst ist der Tankvorgang nicht abgeschlossen.

Ich Anfänger wusste das natürlich nicht. Ich stecke die Karte normal nur ein zweites Mal rein, wenn ich eine Quittung brauche. Und so kam es, wie es kommen musste. Der nächste Schlaue bediente sich auf meine Kosten mit wertvollem Diesel. Er war noch so frech, dass er grad die Höchstmenge tankte, die noch möglich war. Wenn ich den erwische.

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Eines der schönsten Städtchen in Schweden: Eksjö in Småland. Bild Andrea Ullius

Weniger schlimm, aber ebenso peinlich ist es, wenn man sich nicht mit den Gepflogenheiten in Restaurants auskennt. Das erfreuliche zuerst. Hahnenwasser ist immer gratis. Nun kann es aber sein, dass du ein super schönes Kaffee entdeckst, oder ein Restaurant am Hafen. Du schnappst dir subito den besten Platz und hältst nach der Speise- oder Getränkekarte Ausschau.

Falls du eine findest, schön für dich. Nun kannst du aber da sitzen und warten bis du alt und grau wirst. Falls du das schon bist ... keine Ahnung. Mit Ausnahme von klassischen Speiselokalen bestellt man sein Essen und seine Getränke immer drinnen an der Theke. Man bezahlt und nimmt das Getränk mit.

Das Essen wird dann entweder an den Tisch gebracht oder du bekommst eine Nummer und wirst ausgerufen, wenn dein Filet durch ist. Abgesehen, dass du dumm am Tisch rumsitzt, wenn du diese Regel nicht kennst, taxiert man dich als unanständig oder als Tourist.

In Schweden geht man zuerst an die Theke, bestellt und bezahlt und sucht sich erst dann einen freien Tisch. Die «Liegestuhl mit dem Badetuch reservieren Mentalität» wird gar nicht geschätzt.

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Immer zuerst bestellen, bezahlen und dann den Platz auswählen. Bild Andrea Ullius

Nun ist also Zeit, dass ich mich ebenfalls auf Mittsommer einstelle. Der längste Tag des Jahres ist vorbei und der letzte Viertel meiner Schwedenreise angebrochen. Ich werde in Braås am Freitag und im Åsnen Lake Ressort am Samstag Midsommar feiern.

Am Sonntag fahre ich weiter in die Region Skåne. Hier gibt es dann nochmals ein wahres Feuerwerk. Kleine Kostprobe gefällig?

Montag
Wallander Tour, Besichtigung Filmmuseum, Ales Stenar, Fika in Glemmingebro, Glimmingehus, Simrishamn, Kivik

Dienstag
Weinberge in Hällåkra, Smygenhuk, Fotevikens, Falsterbo Strandbad

Mittwoch
Ängavallen, Lund, Interview für Nordlandmagazin, Fähre von Trelleborg nach Rostock

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