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Was wäre die Welt ohne Astrid Lindgren?

Was wäre die Welt ohne Astrid Lindgren?

Es gibt sie, die Helden, die Figuren, die Geschichten, die einem also Kind und das weitere Leben lang begleiten. Bei mir waren es Heidi und Schellen-Ursli, Winnetou und Old Shatterhand und die Figuren von Astrid Lindgren. Am liebsten mochte ich Emil, Pippi und die Familie auf Saltkrokan. In meiner Kindheit war Fernsehen noch nicht Tagesprogramm, sondern eher eine Belohnung. Sender gab es fünf, und wir spielten noch im Wald und nicht auf den iPad.

Südostschweiz
vor 5 Jahren in
Ereignisse
Kindheitserinnerungen gibt es viele. Darunter auch die Geschichten und Figuren von Astrid Lindgren.

Speziell die Geschichten von Astrid Lindgren haben mich in der Kindheit inspiriert und geprägt. Die Abenteuerlust und Kreativität von «Pippi Långstrump» hat mich zweifellos darin beeinflusst, dass ich immer etwas Neues ausprobieren möchte und für mich nicht so entscheidend ist, was die Leute darüber denken.

Und «Emil i Lönneberga» lehrte mich, dass die meisten Streiche nicht böswillig entstehen, sondern aus Neugier und Unwissen. Noch heute schaue ich mir die Filme im TV an und vergesse dabei die Zeit. Ehrlich gesagt, ich möchte ich dann wieder Kind sein, wenn auch nur für kurze Zeit.

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Emil i Lönneberga unterwegs zu neuen Streichen. Bild Visit Småland

Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 auf Näs bei Vimmerby geboren und verstarb am 28. Januar 2002 in Stockholm. Das Leben von Astrid Lindgren war geprägt von einer glücklichen Kindheit. Die ersten Erfahrungen mit Schreiben machte sie bei der Ortszeitung «Vimmerby Tidning». Mitte der 20er Jahre zog Astrid Lindgren dann nach Stockholm.

Macht man eine Reise durch das Schaffen und von Astrid Lindgren gibt es eine Information, die wichtig ist. Die meisten Orte in den Büchern von Astrid Lindgren sind Fantasieorte und existieren nicht in der Realität. Da sich Astrid Lindgren jedoch von realen Örtlichkeiten inspirieren liess, kann man diese erfundenen Orte gut Existierenden zuordnen. Alle Schauplätze aus den Filmproduktionen existieren natürlich auch real und bilden die Beschreibungen der Bücher ab.

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Hier arbeitete Astrid Lindgren in Vimmerby. Bild Andrea Ullius

Und nun starten wir mit den wichtigen Orten in Bezug auf Astrid Lindgren. Die meisten sind in Småland zu finden.

Näs bei Vimmerby

Astrid Lindgren wurde auf dem Hof Näs bei Vimmerby geboren und verbrachte dort ihre Kindheit. Der elterliche Hof ist bis heute im Familienbesitz geblieben und Teil des 2007 eröffneten Kulturzentrums. Das Geburtshaus von Astrid Lindgren ist nur bei Führungen zugänglich, aber die ganzen Gärten darum kann man immer besichtigen.

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Das Geburtshaus von Astrid Lindgren. Bild Andrea Ullius

Nebst dem Elternhaus gehören auch das Kulturzentrum, eine Bibliothek, eine Astrid Lindgren Ausstellung und natürlich die Gärten zum ganzen Komplex. Speziell die Grünflächen erfahren Jahr für Jahr eine Auffrischung und werden in thematische Ausstellungen integriert. Selbstverständlich trifft man beim Bummeln auch auf dem Limonadenbaum von Pippi Langstrumpf. Ein prächtiges Teil sage ich euch.

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Der Limonadenbaum bei Astrid Lindgrens Näs. Bild Visit Småland

Vimmerby

Wenn ihr euch dann im Astrid Lindgrens Näs satt gesehen habt, dann fahrt in ein paar Minuten ins Zentrum von Vimmerby. Auch hier findet ihr an allen Ecken und Enden Erinnerungen an die grosse Schriftstellerin. Auf dem Stortorget, dem Hauptplatz der Stadt, steht eine wunderbare Skulptur von Astrid Lindgren (geschaffen von Marie-Louise Ekman). Wenn ich sie so am Schreibtisch sehe, haben ich immer das Gefühl, sie will mir eine neue Geschichte erzählen.

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Die Statue von Astrid Lindgren mitten in Vimmerby. Bild Andrea Ullius

Astrid Lindgren Welt

Auf die Spitze getrieben wird der «Kult» um Astrid Lindgren in der Astrid Lindgrens Welt. Diese Themen- und Theaterwelt ist das Paradies für Kinder. Ich möchte euch aber schon jetzt vorwarnen. Speziell in der Hochsaison braucht ihr Nerven. Da hat es Menschen ohne Ende, mehr Kinderwagen als Autos auf den Parkplätzen, und der Geräusch- und Kreischpegel ist nahe der Unerträglichkeit.

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In der Astrid Lindgrens Welt werden Träume wahr. Bild Andrea Ullius

In der Astrid Lindgrens Welt trifft an auf alle Figuren von Pippi bis Emil, von der Villa Kunterbunt bis Bullerbü. Die Orte sind originalgetreu in Miniature nachgebaucht und die Kinder können darin rumtoben. Auf verschiedenen Bühnen werden Szenen aus den Büchern von Astrid Lindgren aufgeführt und auch die kulinarischen Gelüste werden befriedigt.

Gerade auf die neue Saison hin wurde massiv investiert und eine neue «Brüder Löwenherz» Kulisse erstellt. Im Vergleich zu den Vergnügungsparks «Junibacken» und «Liseberg» gibt es in der Astrid Lindgrens Welt keine Bahnen, dafür können die Kinder mitspielen und die Welt auf eigene Faust erkunden.

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Die Figuren werden lebendig in der Astrid Lindgrens Welt. Bild Visit Småland

Bullerbü – Sevedstorp

Viel gemächlicher geht es in Bullerbü (Bullerbyn) zu und her. Natürlich, auch Bullerbü ist ein Fantasienahme. In Wirklichkeit heisst der Ort Sevedstorp und ist etwa 15 Kilometer von Vimmerby entfernt. Vorlage für Astrid Lindgrens Bullerbü waren drei Höfe bei Pelarne. Lindgrens Vater wuchs dort mit seinen vier Brüdern und zwei Schwestern auf. Sein Vater, also Astrid Lindgrens Grossvater, war das Vorbild für den Grossvater der Bullerbü-Geschichten. Der Weiler ist von Pelarne aus als «Bullerbyn» beschildert.

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So muss man sich Bullerbü vorstellen. Bild Visit Småland

Im Sommer wird das Dorf lebendig. Zwischen den Höfen tummeln sich dann Besucher aus aller Herren Länder. Man darf Tiere streicheln, es gibt eine hohe Schaukel und sogar auf Ponys kann geritten werden. Die besonders umtriebigen Kindern können sich auch im Heu austoben.

Katthult, Löneberga, Mariannelund

So und nun kommen wir zu meinem Helden. Emil i Lönneberga! Ja, er heisst Emil und nicht Michel. Keine Ahnung, wer auf die saublöde Idee kam, den lustigen Burschen umzutaufen. Doch ich weiss es natürlich. Verbrochen hat das der Oetinger Verlag. Er wollte vermeiden, dass man den schwedischen Emil mit Erich Kästners Emil verwechselt. Ich bleibe aber bei Emil.

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Der Origian-Drehort von Emil i Lönneberga. Bild Andrea Ullius

Katthult ist immer einer meiner Highlight wenn ich in der Region Småland unterwegs bin. Die Geschichten von Emil hab ich immer extrem inspirierend gefunden. Ich verbrachte meine Ferien während meiner Jugendzeit immer in unserem Ferienhaus im Bündner Oberland und wir durften hin und wieder eine Folge von Emil i Lönneberga im TV anschauen.

Danach habe ich auch Tiere geschnitzt und war mit meinem Holzgewehr im Wald unterwegs. Jedes mal, wenn mein Vater die Schweizerfahne am Masten hochzog, fragte ich mich, wie es wohl von dort oben aussieht.

Zurück zu Emil. Den Ortsnahmen Lönneberga gibt es wirklich, der Film wurde aber an einem anderen Ort gedreht. Der richtige Katthult Hof, der Astrid Johannsson Gard, befindet sich im Örtchen Gibberyd, etwa 15 Kilometer von Bullerbü entfernt. Noch heute ist in Katthult fast alles, wie früher.

Ihr findet hier das Wohnhaus, davor den Garten mit dem Fahnenmasten. Der Tischlerschuppen, in dem Emil seine Figuren schnitzte während er sich vor seinem Vater in Sicherheit brachte, ist heute ein kleiner Souvenierladen.

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Wer kennt die Geschichte nicht? Emil und die Suppenschüssel. Bild Visit Småland

Lönnegberga selber könnt ihr links liegen lassen. In Mariannelund hingegen ist dann als Schauplatz wieder relevant. Hier hat im Buch der Arzt seine Praxis, der sich um den Kopf in der Suppenschüssel oder um die Blutvergiftung von Knecht Alfred kümmerte. Hin und wieder finden in Mariannelund auch Feste und Open Air Theatervorführungen statt. Das Sommerfest soll legendär sein. Die Leute ziehen sich alte Kleider an und feiern auf der Festwiese bis in die frühen Morgenstunden.

Wenn ihr in Mariannelund seid, dann besucht die Ausstellung «Barnfilmbyn». Hier findet ihr viele Informationen zu den Drehorten zwischen Vimmerby und Mariannelund. Das Kinderfilmdorf wird übrigens laufend ausgebaut und soll als Zentrum für Kinderfilme positioniert werden.

Bevor wir nun Småland und die Region Vimmerby verlassen, hier nochmals die wichtigsten Webseiten zu Astrid Lindgren.

Astrid Lindgren: www.astridlindgren.se
Astrid Lindgrens Näs: www.astridlindgrensnas.se
Astrid Lindgrens Welt: http://www.alv.se/de
Tourismusbüro Vimmerby: http://www.vimmerby.com

Visby, Gotland (Kneippbyn)

Wenn ihr eine wahrlich echte Villa Kunterbunt sehen möchtet, dann ist ein Abstecher nach Gotland von Nöten. Abgesehen von Pippi Langstrumpf ist Gotland natürlich ein absolutes Muss in Schweden. Speziell das mittelalterliche Visby zeigt viel von Geschichte und vergangenen Tagen. Wenn ihr Pippi Langstrumpf im Film auf ihrem Pferd, dem Grossen Onkel, an einer Burg vorbeireiten seht, dann wurde das in Visby gedreht. Und nun steht die Villa Kunterbunt im Vergnügungspark «Kneippbyn» wenige Kilometer südlich von Visby.

Ich war bis jetzt leider noch nicht auf Gotland und somit auch noch nicht in diesem Freizeitpark. Wenn ich aber verschiedene Quellen lese, dann ist man über die «Kommerzialisierung» der Villa Kunterbunt nicht nur glücklich. Einige Zitate im Buch «Astrid Lindgrens Schweden» von Sabine und Wolfram Schwieder hinterlassen bei mir gemischte Gefühle.

«Die haben nicht mit dem Gedanken begonnen, wie können wir das Werk Astrid Lindgrens lebendig machen. Die haben mit dem Gedanken begonnen, wie viel Geld können wir aus der Filmkulisse herausholen», sagte der Initiator und Theaterleiter von Stockholms Junibacken. Wenn ich dann bei Gelegenheit auf Gotland bin, werde ich mich dem Thema annehmen.

Stockholm, Junibacken, Schären

Verlassen wir also Gotland geschwindhaft und pilgern in die Hauptstadt Schwedens. Astrid Lindgren hat die längste Zeit ihres Lebens in Stockholm verbracht. Folglich hat auch die grösste Stadt Schwedens viel für Lindgren-Liebhaber zu bieten.

Junibacken, das Astrid Lindgren Museum auf Djug ården, befindet sich unmittelbar neben dem Vasa-Museum. Das grossartige Museum wurde 1996 eröffnet. Astrid Lindgren hat noch im hohen Alter an diesem Projekt mitgearbeitet.

So sprach sie zum Beispiel die Texte für den schwedischen Audioguide und achtete darauf, das in Junibacken nicht nur eigene Figuren und Geschichten thematisiert wurden.

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So kann man sich die Villa Kunterbunt vorstellen. Das Foto stammt aus der Astrid Lindgrens Welt. Bild Visit Småland

Junibacken ist ein Paradies für Klein und Gross. Während die Erwachsenen sich um die Tickets kümmern, können die Sprösslinge auf dem nachgebauten Hauptplatz von Vimmerby verweilen. Danach geht es zum Herzstück von Junibacken dem Sagot åget.

Mit dem Märchenzug, eigentlich ist es eher eine Gondelbahn, fährt man dann an vielen Szenen aus den Büchern von Astrid Lindgren vorbei. Zum Teil wird es richtig gruselig, wenn Blitz und Donner Ronja Angst machen oder eine riesige Ratte ihre Aufwartung macht. Wenn ihr also Kinder dabei habt, dann erklärt ihnen, worum es hier geht. Meist haben aber die Erwachsenen mehr Angst als die Kleinen.

Am Ende der Fahrt mit der Gondelbahn kommt ihr zur Villa Kunterbunt und dem Grossen Onkel. Hier können Kinder sich verkleiden, rumtollen und die Zeit vergessen. Mutti und Vatti besuchen in dieser Zeit das Kaffee zum verschnaufen.

Nebst den Geschichten von Emil, haben mich auch all die Filme auf «Saltkrokan» fasziniert. Melcher Melcherson mit seinen Kindern Malin, Niklas, Johan und Pelle haben hier ihre Ferien verbracht. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass hier der Film zuerst entstanden ist und erst nachher die Bücher.

Das Schreinerhaus, in dem und um das herum ein Grossteil der Filme gedreht wurde, liegt auf der Insel Norröra. Weitere Filmschauplätze waren auf Rödlöga und auf den Åland Inseln.

Åmål, Snörkatten und Fjällbacka

In Åm ål gab es früher ein Museum, das viele Exponate von den Dreharbeiten zu Ronja beherbergte. Gemäss diverser Quellen ist das Museum unterdessen aber geschlossen. Dafür könnt ihr zum Berg «Sörknatten» fahren. Hier wurden grosse Teile des Films gedreht.

Wenn ihr dann noch einen Abstecher an die Westküste nach Fjällbacka machen wollt, dann findet ihr dort ebenfalls einen Ort, der in den Ronja-Verfilmungen vorkommt. Hier, und zwar mitten im Dorf, gibt es die Wolfsklamm, durch die Ronja in der Verfilmung talwärts läuft, wenn sie in den Mattiswald möchte. Wer meine Berichte aufmerksam verfolgt hat, der hat das folgende Foto beim Bericht über Fjällbacka entdeckt. Genau das ist der Ort, an dem gedreht wurde. ¨

Ich bin sicher, wenn ihr durch Schweden fährt und dabei nicht nur auf den Hauptstrassen unterwegs seid, dann werde ihr viele Orte finden, die euch an die Geschichten von Astrid Lindgren erinnern. Speziell in Småland hat man das Gefühl, dass diese Region speziell für die Abenteuer der verschiedenen Figuren «erfunden» wurde.

Und zum Schluss noch ein Buchtipp. Alle Orte und Sehenswürdigkeiten, die mit Astrid Lindgren in Zusammenhang stehen haben Sabine und Wolfram Schwieder in ihrem Buch «Astrid Lindgrens Schweden – von Bullerbü zur Villa Kunterbunt» beschrieben. Dazu gibt es auch eine Biografie von Astrid Lindgren.

 

 

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