×

Fjällbacka: Hummer, Mythen, Morde

Eigentlich ist Fjällbacka an der Westküste von Schweden ein beschaulicher Ort mit 900 Einwohnern. Wenn aber die Monate Juli und August auf dem Kalender stehen, dann ist Fjällbacka brechend voll. Scharen von Touristen und Gästen kommen, um auf den Spuren von Bestsellerautorin Camilla Läckberg und Schauspiellegende Ingrid Bergmann zu wandeln. Zum Glück ist erst Juni und es geht ziemlich beschaulich zu und her im Küstenbijou.

Südostschweiz
Freitag, 10. Juni 2016, 17:26 Uhr Schwedenhappen-Blog

Von Andrea Ullius

Ich habe mich mit Åsa Cunniff verabredet. Sie ist zuständig für die Tourismus Information, macht Führungen und kümmert sich um fast alles, was mit Tourismus in Fjällbacka zu tun hat. Sie betreibt auch eine eigene Webseite auf der Sie die meisten Angebote des Ortes zusammenfasst. Ehrlich gesagt, die offizielle Webseite von Fjällbacka ist derart grottenschlecht, da ist es eine Freude, zu sehen, wie Åsa sich um die Touristen kümmert. Auch sie bestätigt mir, dass nur im Juli und August der Laden hier brummt. Sie findet aber, dass es gerade in der Zwischensaison hier besonders schön ist, wenn man im Restaurant einen netten Tisch bekommt und im Gästehafen Platz für die Boote ist.

.

Mit dem Boot schnell nach Fjällbacka zum Mittagessen fahren. Foto Andrea Ullius

In der Hochsaison ist Fjällbacka wirklich der Hotspot an der Westküste und dann müssen sogar die Parkplätze, die sonst kostenlos sind, rationiert werden. Dummerweise haben nämlich die Hotels und Gasthäuser keine eigenen Parkplätze. Fjällbacka ist aber nicht riesig, so dass man alles bestens per Pedes absolvieren kann.

Eines der Wahrzeichen in Fjällbacka ist der Vetteberget, denn die steilen Felswände ragen unmittelbar hinter den Häusern fast senkrecht in die Höhe. Durch den Vetteberg verläuft die Kluft Kungsklyfta, bei der Teile des Films Ronja Räubertochter gedreht wurden. Allein durch diese Kluft zu gehen hat etwas mysthisches und unheimliches.

Übrigens soll in Fjällbacka ein Geist umgehen. Die Geschichte besagt, dass ein Schiff auf See Leck schlug und um die einzige Frau an Bord zu retten, hat man sie ganz oben an den Masten gebunden. Als sie dann, aus dem Meer hinausragend, entdeckt wurde, haben die Einheimischen gesehen, dass Sie eine Halskette und Ringe trug. Statt sie zu retten haben sie dem armen Geschöpf den Kopf und die Finger abgeschnitten und den Schmuck gestohlen. Zur Strafe geistert sie nun in Fjällbacka rum.

.

Die bekannt Schriftstellerin Camilla Läckberg ist in Fjällbacka geboren und aufgewachsen. Foto fjallbackainfo.com

Makaber geht es weiter. Allein im Zentrum von Fjällbacka gibt es acht Mordschauplätze. Glücklicherweise gab es hier keine echten Toten. Es sind Tatorte aus den Krimis von Camilla Läckberg. Sie ist in Fjällbacka geboren und aufgewachsen. Unterdessen wohnt Läckberg in Stockholm, ist aber immer noch gern gesehener Gast in ihrer alten Heimat. In ihren Büchern versteht es die Krimiautorin geschickt, Geschichte und Schauplätze von Fjällbacka zu integrieren. Manch eine historische Begebenheit hat Camilla Läckberg in ihren Stories verarbeitet. Wer auf den Spuren von Camilla Läckberg wandeln will, kann dies jeweils am Freitag und Samstag auf einer geführten Tour machen. Buchen kann man die Tour auf http://fjallbackainfo.com.

Und noch eine epochale Grösse lebte zeitweise in Fjällbacka. Die Hollywood-Ikone Ingrid Bergman verbrachte von 1958 an ihre Sommer mit der Familie auf der Insel Dannholmen. Nach Fjällbacka kam sie häufig – zum Shoppen und um essen zu gehen. Die mehrfache Oscar-Gewinnerin, unter anderem für Casablanca an der Seite von Humphrey Bogart, kannte Camilla Läckberg persönlich. Da war Sie, also Camilla, allerdings noch ein Kleinkind.

.

Die Statue und die Infos zu Ingrid Bergmann sind am Hafen zu finden. Foto Andrea Ullius

Selbstverständlich hat man unterdessen einen Platz nach Bergmann genannt. Dieser liegt an bester Stelle beim Hafen. Auf der andern Strassenseite sind eine Statue in Bronze und Informationstafeln über Ingrid Bergmann zu finden. Wer ihren Spuren folgen möchte, sollte der Bäckerei Setterlinds ( www.setterlindsfjallbacka.se) einen Besuch abstatten. Hier kann man Bergmans Lieblingskekse, die Mandelberge, kaufen – eine echte Spezialität in Fjällbacka, die man probiert haben muss.

.

Gutes Brot und freundliche Bedienung gibt es in der Setterlinds Bageri. Foto Andrea Ullius

Wenn wir beim Essen sind. Ich konnte es mir nicht verkneifen bei Fjällbacka Fiskaffär ( www.fjallbackafisk.com) auf einen Sprung vorbei zu schauen. Seine Fische und Krustentiere sollen die Besten sein. Also probierte ich einen Krebs. Sagenhaft gut, sage ich euch. Leicht süsslich und trotzdem salzig. Fast noch besser als Hummer, der oft nach gar nichts schmeckt.

Ab propos Hummer. Die Hummersaison beginnt alljährlich am ersten Montag nach dem 20. September. Ab diesem Tag fällt die gesamte Westküste ins Hummerfieber – eine großartige Zeit, um Fjällbacka zu besuchen. Man kann mit den Fischern rausfahren und beim Einholen der "Käfige" helfen. Anschliessend werden die Hummer oder die Krebse draussen gekocht und vertilgt. Ein Festessen. Wie schon erzählt, habe ich mich mit einem bescheidenen Krebs begnügt und diesen unter kundiger Anleitung von Åsa Cunniff gegessen.

Wie eingangs erwähnt: Fjällbacka ist klein. Und so hat es auch nicht so viele Hotels und Restaurants. Ich selber bin in der Villa Evalotta einquartiert. Das war bis vor einem Jahr noch ein normales Wohnhaus, ist jetzt aber zu einem gemütlichen Hotel im Stil einer Pension umfunktioniert worden. Wer günstig in Fjällbacka, zum Beispiel mit der Familie, übernachten will, dem kann ich das Fjällbacka Pensionat & Vandrarhem empfehlen. Ich konnte mir die Zimmer kurz anschauen und da gibt es wirklich nicht's auszusetzen. Für Leute, die mehr Lusxus wollen, ist das Stora Hotellet Bryggan geeignet. Das Hotel umfasst verschiedene Gebäude und diverse Restaurants am Hafen. Das Beste in Fjällbacka ist das Matilda. Im gleichen Gebäude ist das Bryggan Café & Bistro. Hier habe ich gestern die besten Fish & Chips meines Lebens gegessen.

Und eins sage ich euch Leute. Erzählt mir nie wieder etwas von schlechtem Wetter und Regen in Schweden. Beides kenne ich nämlich nur vom Hörensagen und das schon seit Jahren. Ziemlich sicher habe ich einfach nur Glück gehabt.

Morgen bin ich bereits eine Woche in Schweden. Zeit für eine kleine Pause. Die nächste Auswahl folgt am Montag.

Kleine Fussnote

In den nächsten vier Wochen berichte ich für Euch aus Schweden, meiner zweiten Heimat. Dabei stehen natürlich meine Erlebnisse im Vordergrund. Ich möchte Euch aber auch Einiges über das Leben und die Gepflogenheiten in Schweden vermitteln. Ich freue mich, wenn ich Euch unterhalten und informieren kann. Wenn Ihr Fragen zu Schweden habt, dann versuche ich diese im Rahmen dieses Blogs zu beantworten. Schreibt also munter drauflos.

Andrea berichtet auch auf Twitter

Kommentar schreiben

Kommentar senden