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YB und die Ruhe vor dem Sturm auf den Titel

Endlich, darf man sagen, endlich wird der Kampf um den Schweizer Meistertitel nicht wieder ein Monolog des FC Basel. Zu verdanken ist dies den Young Boys, einem ernsthaften Herausforderer.

Agentur
sda
Freitag, 02. Februar 2018, 08:40 Uhr Fussball
Captain Steve von Bergen hält YBs Kükenabwehr zusammen
Captain Steve von Bergen hält YBs Kükenabwehr zusammen
KEYSTONE/MARCEL BIERI

Das Geschehen um eine beliebige Mannschaft herum kann immer auf unterschiedliche Art gedeutet werden. Ist viel los, gibt es in der Winterpause zahlreiche Mutationen im Kader wie beim FC Basel, kann dies als positiv oder als negativ gedeutet werden. Bleibt alles ganz ruhig wie in der zu Ende gehenden Winterpause bei den Young Boys, kann man von einer förderlichen Kontinuität sprechen, aber ebenso von Routine, die träge macht.

Welche Deutung für YB die richtige ist, sagte Sportchef Christoph Spycher an einer Medienorientierung im Stade de Suisse in Bern. «Wir sind zufrieden mit den Vorbereitungen. Unsere erste Priorität war es, das Kader zusammenzuhalten. Das ist uns gelungen. In der Mannschaft herrscht eine grosse Vorfreude. Die Spieler sind bereit, den Weg mit uns weiterzugehen, bis zum Ende.»

Dieses Ende heisst Meistertitel. Es wäre der erste für YB seit 32 Jahren. Aus dem heutigen Kader waren damals erst Marco Wölfli, Steve von Bergen und Guillaume Hoarau auf der Welt - und noch keiner von ihnen im schulpflichtigen Alter.

Nur Wölfli - er rückt für die meiste Zeit der Rückrunde nach der Schulterverletzung von David von Ballmoos wieder zum Torhüter Nummer 1 auf - war schon dabei, als die Young Boys 2010 im Saisonfinale letztmals den möglichen Meistertitel im Duell mit Basel verspielten. Damals entstand die Wortschöpfung «veryoungboysen». Durch Pech und Unvermögen gibt man etwas sicher Geglaubtes im letzten Moment aus der Hand. Zwei Jahre vorher, in der Saison 2007/08, waren die Berner ebenfalls auf dem Zielstrich von Basel auf den 2. Platz gedrückt worden. Die meisten heutigen YB-Spieler sind unbelastet, haben keine derart traumatischen und prägenden Niederlagen erlebt. Warum sollten sie sich im Frühling 2018 von etwas beeindrucken lassen, das sie höchstens vom Hörensagen kennen?

Eine Angst vor dem Versagen ist auch bei den älteren Spielern nicht anzumerken. Captain Steve von Bergen sagt, er freue sich sehr auf die anstehenden Aufgaben, besonders auf den Zweikampf mit Basel. Auf den Cupwettbewerb angesprochen - YB wird Basel im Halbfinal empfangen -, kommt der Romand sogar ins Schwärmen. Er sagt auch, wie begeistert er darüber sei, dass sich im Kader derart viele junge Spieler hervortun. In der Abwehr ist Von Bergen geradezu von Youngsters umzingelt. Sie heissen Kevin Mbabu, Kasim Nuhu und Jordan Lotomba. Nur Loris Benito als Stammkraft auf der linken Seite ist ein wenig älter. «Das ist phantastisch», sagt Von Bergen, mit 34 Jahren der Doyen unter den Feldspielern. «Zudem haben wir weiter vorne ja auch viele Junge.»

«Wir können es schaffen»

Vorbelastet ist Trainer Adi Hütter. Allerdings im gegenteiligen Sinn. Mit Salzburg wurde er als Spieler viermal und als Trainer einmal - 2015, vor dem Wechsel zu den Young Boys - österreichischer Meister. Hütter zeigt allen Respekt vor den Fähigkeiten und den Möglichkeiten des Serienmeisters Basel. Er sagt aber auch mit nicht arrogantem Selbstbewusstsein: "Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können. Ja, wir wollen Meister werden, aber Basel wird auf jeden Fall ein schwieriger Gegner sein. Wir haben jetzt zwei Punkte Vorsprung. Also sind wir praktisch gleich weit. Wenn man aber, wie wir im Herbst, nach 16 von 19 Runden Erster ist, will man auch nach 36 Runden Erster sein.

Hütter vergleicht die Kräfteverhältnisse im Schweizer Fussball mit den ihm bekannten Verhältnissen in Österreich, wo Salzburg in den letzten Jahren oft Meister wurde - und Rapid Wien fast ebenso oft Zweiter. Hütter sieht auch YB als Herausforderer. «So gesehen», sagt Hütter, «ist Basel Salzburg und YB Rapid.»

Schlüsselspieler Hoarau

Seit letztem April, als er sich einer Hüftoperation unterziehen musste, konnte Goalgetter Guillaume Hoarau nie mehr sein ganzes Können zeigen. Im September wurde er von einer Oberschenkelprellung erneut zurückgeworfen. Deshalb könnte die kurze Winterpause und die Vorbereitungszeit von knapp vier Wochen dem Franzosen besonders gut getan haben. Roger Assalé war im Herbst für Hoarau als häufiger und regelmässiger Torschütze in die Bresche gesprungen. Zusammen könnten Hoarau und Assalé ein Sturmduo bilden, das etliche Spiele für die Berner entscheidet - vielleicht auch das Spiel, das YB den Meistertitel einbringt.

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