×

Jahresrückblick der Redaktion

Davoser
Zeitung
31.12.23 - 17:00 Uhr
Schweiz und Welt
P1230094
Auch Golfen kann zu einem Fest ausarten, wenn man den Sport erstmals probiert.

Bitte noch ein «söttiges»!

Der Titel sagt ja eigentlich schon fast alles: Ich darf auf ein sehr gelungenes Jahr zurück blicken. Gesundheitlich verbrachte ich eine ruhige Zeit, und es gab einiges zu feiern: Da war in erster Linie einmal der unerwartete Gewinn des Abfahrts-Weltmeister-Titels von Jasmine Flury. Die Monsteiner – ja überhaupt die Unterschnitter – zeigten wieder einmal, dass sie auch kurzfristig grosse Feste auf die Beine stellen können. Der Umzug sowie die Fete in Monstein werden auch noch lange über 2023 hinaus in bester Erinnerung bleiben.

Es gab auch sonst irgendwie das ganze Jahr über immer wieder Grund zum Festen, und ich durfte für die Davoser oder Klosterser Zeitung dabei sein. Zudem besuchte ich nicht nur unzählige Sportanlässe, sondern in den letzten Monaten auch vermehrt Konzerte verschiedener Stilrichtungen. Dabei durfte ich merken, dass ich in der Region noch besser verankert bin, als bisher angenommen. Dazu trägt wahrscheinlich auch bei, dass ich mittlerweile im Vorstand von nicht weniger als vier Vereinen sitze. Ich tue das aber gerne, da ich weiss, wie schwierig es heutzutage ist, Freiwillige zur Arbeit in Clubs motivieren zu können.

Vom neuen Jahr wünsche ich mir, dass es genauso weitergehen wird, wie das alte aufhört. Zwar wünschte auch ich mir, dass die weltweiten Spannungen und Kriege aufhören mögen, doch habe ich darauf leider kaum einen Einfluss. Ich hoffe zudem, dass ich weiterhin so gesund und mobil bleiben werde, dass ich meine Arbeit mit Freude weiterführen kann. Und ich möchte Projekte weiter vorantreiben, die ich im letzten Jahr und teilweise schon etwas davor ins Leben gerufen habe. Vor allem möchte ich das Schachspiel – ein Hobby, das ich schon seit Jahrzehnten pflege – weiterhin mit möglichst vielen Personen teilen. Denn Schach ist eine «Sprache», die völkerübergreifend verstanden wird – vielleicht eine Weisheit, welche die geneigten Damen und Herren, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, vermehrt in Betracht ziehen sollten. Darum also bitte noch ein «söttiges» Jahr, aber nur für mich persönlich.

Pascal Spalinger, Redaktor Davoser und Klosterser Zeitung

Schwungvoll geht es nicht nur ins nächste Jahr, sondern war es auch letzten Sommer, als das DZ/KZ-Team die Indoor-Golfanlage in Klosters in Beschlag nahm.

Der Redaktor – eine Strassenlaterne?

Was für ein Jahr! Rückblickend beeindruckt mich nicht nur, wie viel in den letzten 365 Tagen passiert ist, sondern auch wie schnell gewisse Themen «aufgeploppt» und abgehandelt wurden. So etwa die alpine Solaranlage auf Parsenn. Das Projekt wurde vor gar nicht allzu langer Zeit publik, wurde dann aber zügig und mit erstaunlich wenig Gegenwehr vor rund zwei Wochen an der Urne angenommen.

Apropos Urne: Immer wieder spannend für einen Redaktor sind Wahlen. So war es auch dieses Jahr, als Landrätin Iris Hoffmann-Stiffler ihren Hut nahm und ein Sitz vakant wurde. Im Zuge der Ausmarchung durfte ich ein spannendes Podiumsgespräch mit den Kandidaten Walter von Ballmoos und Agnes Kessler moderieren. Ersterer reüssierte schlussendlich bei den Wahlen und sitzt nun in der Davoser Exekutive. Gewählt wurde aber auch auf nationaler Ebene, was mich als politikinteressierten Menschen besonders in Bann zog. Als Verlierer dieser Wahlen gelten die Grünen. Deren Präsident Balthasar Glättli gab kurz darauf seinen Rücktritt bekannt. Sein Amt erklärte er folgendermassen: «Als Parteipräsident ist man eine Strassen­laterne. Unten wird man angepisst, oben muss man leuchten.» Diese Beschreibung trifft aus meiner Sicht auch auf einen Redaktor zu. In der Zeitung muss man «leuchten», sprich dieses und jenes – zum Teil auch heikle – Thema schonungslos aufdecken; hinter den Kulissen aber wird man zuweilen angepinkelt. Gewisse Geschichten hinterlassen auch nach der ­Berichterstattung noch Fragezeichen, so etwa der Bau des temporären «Lofts 23» inklusive Betonfundamenten im Kurpark ohne öffentliches Baugesuch oder der Abbruch des Hauses am Hof in Clavadel, das eigentlich als erhaltenswerte Baute gilt.

Am meisten beschäftigten mich 2023 aber wohl die vielen Neubauprojekte. Viele sind der Davoser Wohnraumstrategie «geschuldet», so etwa das Projekt in der Färbi, das in nächster Nähe zu meinem Wohnort entstehen soll und mich daher auch persönlich beschäftigt. Auch der Kindergarten Jörg Jenatsch, den ich einst selber besuchte habe, soll einem Neubau weichen. Ebenfalls einen persönlichen Bezug habe ich zum Altbau auf dem Val-Meisser-Areal und bin darum gespannt, was dort in Bälde entstehen soll. Bis es soweit ist, wünsche ich der gesamten Leserschaft einen guten Rutsch und «es gfreuts» 2024.

Andri Dürst, Redaktor DZ

Versinken im Schnee macht Spass. Solange jemand da ist, der wieder raus hilft.

Mutig vorangehen

Von Anfang an war klar, welches Bild ich für den diesjährigen Jahresrückblick verwenden würde: Es stammt zwar aus dem Vorjahr, jenem Jahr in dem man den Schnee nicht mit der Lupe zu suchen brauchte, und zeigt mich tief vergraben in eben diesem, doch für mich passt es perfekt. Denn muss ich erwähnen, dass ich da ohne Hilfe nicht raus kam? Kein Boden um mich abzustützen, nur grundloser, weicher Schnee.

Das Bild steht für mich sinnbildlich für die gegenwärtige Situation. Zusätzlich zum Krieg in der Ukraine findet der Palestinakonflikt gerade eine neue, blutige Fortsetzung. Gefahren, die aus einer immer digitaleren Welt erwachsen, bedrängen uns. Wetterkapriolen lassen spüren, was bei der Klimathematik noch alles kommen könnte. Die Berichterstattung setzt nach: Es ist dringender denn je. Die Weltelite berät zwar, scheint aber nicht weiterzukommen. Für die Einzelnen bleibt das Gefühl, all dem hilflos ausgeliefert zu sein und nichts ändern oder beeinflussen zu können. Der sichere Boden unter den Füssen ist verloren. Wen wunderts, wenn viele angesichts der grossen Unsicherheit nach etwas Beständigem, etwas Unverrückbarem suchen? Und was liegt da näher, als sich auf die Vergangenheit zu besinnen? Was einst funktionierte, kann heute so schlecht doch nicht sein? Skrupellose Machtmenschen machen sich dieses Gefühl zu nutze. Sie predigen längst überholte Glaubensätze und präsentieren Sündenböcke, die für alles Weh, real, vermutet oder erwartet, verantworlich sein sollen. Die Unsicherheit spült ihnen die Nachfolger zu.

Diese Welt steht vor grossen Herausforderungen, die gleichzeitig Chancen sind. Doch mit dem Heimweh nach einer scheinbar besseren Zeit, die so ohnehin gar nie existierte, berauben wir uns der Möglichkeit, den Problemen entgegenzutreten, sie anzupacken und in Möglichkeiten umzuwandeln.

Solche Strömungen sind überall zu beobachten, und sie nehmen zu. Mit ihnen verweigern wir uns der Zukunft. Sie sind es, die mich am meisten ängstigen und mir wirklich den Boden unter den Füssen wegzuziehen drohen.

Barbara Gassler

Redaktorin Davoser Zeitung

Tatsächlich: Ich sehe jünger aus als vor einem Jahr – danke, lieber Snapchat-Filter.

Weniger «woke», aber mehr Anstand bitte

Wenn ein Jahr nicht schlechter abschliesst, als es begann, hat man schon gewonnen.

Doch stand Klosters Ende 2022 noch ganz im Banne der 800-Jahr-Feier, hatte ich das Gefühl, in diesem Jahr zeigen sich da und dort schon wieder die ersten Risse der Unzufriedenheit oder gar Misswirtschaft. Das ist schade. «Grenzenloses Miteinander» klingt halt einfacher, als es zu bewerkstelligen ist.

Insofern können wir froh darüber sein, wie gut es uns doch geht! Die Pflanzen wachsen, die Kinder gedeihen, wir haben ein Dach über dem Kopf und müssen nicht leiden: Wie kann man da nicht zufrieden sein? Das heisst ja nicht, dass wir die Augen gegenüber allem Unrecht auf der Welt verschliessen. Aber Hand aufs Herz: «Global denken – lokal handeln», wie John Lennon sagte. Er sang auch «War is over if you want it», und wir wollen dies gewiss alle ganz dringend.

Voller Spannung habe ich dann im November den allerletzten Beatles-Song erwartet und mich darüber gefreut – bis ich gemerkt habe, dass ich schon längst ein Bootleg der 1995er-Version besass, die doch um einiges vitaler klingt. Liegt vermutlich daran, dass noch ohne KI daran herumgewerkelt wurde.

Diametral verschieben sich die Ansprüche an die Gemeinschaft und an sich selber. Heutzutage darf man über sein Geschlecht selbst entscheiden, über die Frisur aber nicht mehr. Allen Minderheiten muss Rechnung getragen werden, damit niemand diskriminiert wird – aber der Anstand den Mitmenschen gegenüber geht trotzdem flöten: Es wird immer mehr gedrängelt, geschubst, überholt und noch schnell reingezwängt. Ist das die moderne Welt, wie wir sie uns vor­gestellt haben? Wohl kaum.

Doch auch ich habe im ablaufenden Jahr lernen können, die ungeahnten Möglichkeiten, die uns gegeben sind, auszunutzen. Etwa die Vorteile der digitalen Fotografie: So wurde das nebenstehende Bild beispielsweise mittels eines Snapchat-Filters aufgenommen. Und ich war freudig überrascht, wie klüger und jünger ich aussehe als vor Jahresfrist. Okay, vielleicht auch ein wenig dämlicher, aber damit kann ich leben.

Dafür habe ich diesen Text hier noch selber geschrieben und nicht mithilfe von Chat GPT. Das heisst nicht, dass ich das noch nie gemacht hätte. Aber ich würde es Ihnen bestimmt nicht auf die Nase binden – zumindest in diesem Jahr noch nicht …

Conradin Liesch,

Redaktor Klosterser Zeitung

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Schweiz und Welt MEHR