«Willst du nicht einen richtigen Job?»
Sie machen die Pisten, sorgen für die Sicherheit am Skilift, kochen in den Restaurants und Berghütten oder bedienen uns in den Bars und auf den Sonnenterrassen. Ja, zugegeben: Saisonarbeiterinnen und -arbeiter sind doch auch teils ein eher spezieller Schlag Mensch. Musterbeispiel dafür ist der gelernte Koch Jonas Bärlocher. Seit nunmehr beinahe zehn Saisons zieht es den heute dreissigjährigen Herisauer in der Wintersaison nach Davos. «Ich bin ein extremer Freigeist und brauche die Abwechslung, dass es mir nicht langweilig wird», erklärt er, «die letzten drei Winter war ich in der Bolgenschanze an der Bar, und im Sommer jobbe ich jeweils an verschiedenen Caterings.»
Ein Arbeitsmodell mit vielen Freiheiten
Das Arbeiten sowie die Planung lediglich von Saison zu Saison ist ein Arbeitsmodell, dass nicht alle verstehen. «Oft höre ich von Leuten: ‹Willst du dir nicht einen richtigen Job suchen?› oder: ‹Was machst du, wenn du in nächster Zeit keine Arbeit findest?› Diese Fragen stelle ich mir nicht. Ich werde nie nervös, falls mal ein, zwei Monate in der Zukunft mein Kalender leer sein sollte», meint der Herisauer, «irgendwas kommt schlussendlich immer. Zudem bin ich generell nicht der Mensch, der nervös wird. Was natürlich auch bei der Arbeit in der Gastronomie von Vorteil ist.»
Sein eigener Chef sein, das war es, was er immer wollte. «Wenn ich Ferien will, muss ich niemanden fragen. Ich nehme einfach keine Aufträge an», so Bärlocher. Er liebe es, das tun und lassen zu können, was er wolle. «Ich reise für mein Leben gerne und toure im Sommer von Festival zu Festival. Das ist nur möglich, weil ich nirgends fest angestellt bin.»
Auf Tour mit Bruce Springsteen und auf Skitour in Norwegen
Ein wichtiger Teil sei aber ebenfalls die Abwechslung. «Zugegeben: Mein Sommer ist geprägt von Spiel und Spass, doch arbeite ich auch in den warmen Monaten. Das Schöne daran: Ich kann aussuchen, was ich wo und wann tun will. Habe ich auf etwas keine Lust, sage ich nicht zu.» Geld sei für ihn jeweils zweitrangig. Vielmehr gehe es um die Erfahrungen. So kochte er bereits auf Tour für Bruce Springsteen oder für Skitourengängerinnen und -gänger in Norwegen. «Ja, dass mit den Caterings für bekannte Musikerinnen und Musikern klingt immer sehr glamourös. Doch meist kocht man in einem Zelt hinter der Bühne für die Technikmenschen und bekommt vom ganzen Trubel wenig mit. Es ist aber sehr schön, dass ich meinen Job mit meinen Hobbys verbinden kann», erklärt er.
Ein Lebensstil, für den man gemacht sein muss
«Ich empfehle jeder und jedem, der sich in der Gastronomie zu Hause fühlt, einmal eine Saison zu machen. Man merkt schnell, ob man den Lebensstil mag oder nicht. Ich persönlich kann mir momentan nichts anderes vorstellen, als saisonal zu arbeiten», meint Bärlocher. Die Erfahrungen, welche man in nur schon einer Saison in den Bergen sammle, seien unbezahlbar. «Ich bin der Meinung, dass jede Erfahrung einen im Leben weiter bringt. Um den Lebensstil allerdings mehrere Jahre durchzuziehen, muss man schon dafür gemacht sein. Gerade die Winter sind teils sehr schwer für die Leber», meint der Teilzeit-Barkeeper verschmitzt.
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