Pietro Leutenegger erzählte aus seinem Leben
Pietro Leutenegger erzählte kürzlich im Saal des Zentrums Guggerbach aus seinem Leben. Der 93-jährige Pfarrer im Ruhestand «ist mit Geld aufgewachsen», denn sein Vater arbeitete im Bankverein am Paradeplatz in Zürich (heute UBS). Der war schon damals gerne in den Bergen, unter anderem im Bergell.
Pietro Leutenegger erzählte kürzlich im Saal des Zentrums Guggerbach aus seinem Leben. Der 93-jährige Pfarrer im Ruhestand «ist mit Geld aufgewachsen», denn sein Vater arbeitete im Bankverein am Paradeplatz in Zürich (heute UBS). Der war schon damals gerne in den Bergen, unter anderem im Bergell.
Nach der Matura schliesslich studierte Leutenegger im Zeitraum 1951 – 56 gleich an mehreren Orten Theologie: Zürich, Rom, Basel und Göttingen. Zurück in der Schweiz in Basel, durfte er in seinem Abschlusssemester noch eine der letzten Vorlesungen des wohl bekanntesten Theologen des deutschsprachigen Raums besuchen. Leutenegger über Karl Barth: «Ich war beeindruckt von seiner friedlichen Art des Umgangs mit Andersdenkenden». 1956 heiratete der angehende Theologe seine Frau Ursula, welche als Kind eine Zeit lang in Davos Monstein und Laret verbrachte. Von den Flitterwochen ging es dann direkt ins Pfarramt, welches 40 Jahre lang innehatte (1956 – 1996). Pfarrer Leutenegger begann seine Ausbildung in Küsnacht und wirkte später im Kanton Aargau als Pfarrhelfer, dann als Pfarrer in Bondo (Bergell), Celerina bei St. Moritz, Stammheim (Kanton Zürich) und zuletzt Silvaplana und Sils, eine romanisch-sprachige Gemeinde. Während dieser Zeit stand seine Frau Ursula voll und ganz hinter ihm und seinem Pfarramt, indem sie sich ganz als Pfarrfrau fühlte und auch einsetzte.
1996 trat Leutenegger in den Ruhestand. Sie zogen als Paar nach Cazis, ein ursprünglich romanisches Dorf in Graubünden, wo er einige Stellvertretungsdienste übernahm, aber auch Zeit fand zum Reisen, vor allem nach Chile, wo seine Tochter Barbara hin geheiratet hatte. In dieser Zeit musste er leider Abschied nehmen von seiner geliebten Frau Ursula, die nach längerer Krankheit und körperlicher Schwäche am Martinstag 2012 verstarb: «Dieser Abschied wurde für mich zum tiefsten Glaubenserlebnis. Plötzlich hörte ihr Atem auf, so als wäre sie eingeschlafen. Ich schaute vom Bett weg gegen die Wand, und plötzlich hatte ich eine Vision. Etwas in mir sagte: Die Dimensionen sind noch ganz anders. Was wir sehen und erleben, ist wie nichts vor der letzten Wirklichkeit. Dieses Erlebnis hat mich durch den Abschied getragen und getröstet. Heute fasse ich diese Erlebnis in folgende Worte: Gott berührte mit einer Fingerspitze meine irdische Wirklichkeit.»
Cazis war auch der Ort, wo Leutenegger am 10. Oktober 2014 zufällig seine jetzige Frau traf: Maryam. Sie hielt sich gerade in der Steinkirche in Cazis auf, wo sie etwas Ruhe suchte vor dem oft so unruhigen Asylzentrum. Leutenegger wollte lediglich ein Gesangsbuch zurückbringen, das er irrtümlich mit nach Hause genommen hatte. Maryam hatte nach einer schweren Zeit im Iran, geprägt von Verfolgung, Verhaftung und Flucht, Asyl in der Schweiz gesucht. An dieser Stelle seiner Erzählung bedankte sich Pietro Leutenegger vor allen anwesenden Gästen bei Maryam für ihre Treue und tatkräftige Unterstützung an seiner Seite. Vor etwa einem Jahr musste der ehemalige Pfarrer auch Schweres annehmen: Den plötzlichen Tod seines jüngsten Sohnes Markus. Hierbei erlebte er viel Beistand und Hilfe.
Das Erzählcafé ist ein Angebot von Davos reformiert in Zusammenarbeit mit Pro Senectute Graubünden
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