Angelo Roberto: Der Mensch, der über knifflige Fälle in Graubünden entscheidet
Von wegen langweilig: Der Job als Steuervorsteher des Kantons Graubünden sei sehr facettenreich, erklärt Angelo Roberto im Interview. Er verrät zudem die häufigsten Fehler bei der Steuererklärung.
Von wegen langweilig: Der Job als Steuervorsteher des Kantons Graubünden sei sehr facettenreich, erklärt Angelo Roberto im Interview. Er verrät zudem die häufigsten Fehler bei der Steuererklärung.
Von Cindy Ziegler
Auf den ersten Blick haben Sie wohl den langweiligsten Job der Welt – oder zumindest im Kanton. Warum ist das nicht so?
Mir ist klar, dass Steuern und Verwaltung auf den ersten Blick tatsächlich langweilig und mühsam klingen mag. Meines Erachtens aber zu Unrecht. Mein Job als Steuervorsteher des Kantons ist alles andere als langweilig, weil er sehr facettenreich und umfangreich ist. Ich persönlich veranlage aber in der Regel keine Fälle.
Sondern?
Es gibt keinen Tag, der so ist wie ein anderer. Es kommen immer wieder unterschiedliche Angelegenheiten auf meinen Tisch, zum Beispiel etwas Aktuelles aus der Politik oder der Gesetzgebung, komplizierte Fälle oder eben führungstechnische Angelegenheiten.
Stimmt. Sie sind ja auch Chef von über 200 Leuten bei der kantonalen Steuerverwaltung und dann sind Ihnen fachlich auch noch alle Gemeindesteuerämtern unterstellt. Und trotzdem kommen ab und zu doch noch Steuererklärungen bei Ihnen auf den Tisch, oder?
Ja, aber nur die besonders kniffligen Fälle, in welchen es einen Grundsatzentscheid braucht.
Was hat Sie dazu bewegt, im Bereich der Steuern zu arbeiten?
Das Steuerrecht bietet eine interessante Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Recht. Zwischen vielen Lebensbereichen, denn wir kennen ja verschiedenste Steuern: Erbschafts-, Schenkungs-, Grundstücks-, Einkommens-, Vermögens-, Gewinn- und Kapitalsteuer und so weiter. Ja, wie bin ich damals draufgekommen? Das ist während des Studiums passiert, als ich Volkswirtschaft studierte und im Nebenfach Recht. Dort bin ich zufälligerweise auch ins Steuerrecht reingerutscht und seitdem diesem Rechtsbereich verfallen.
Was fasziniert und motiviert Sie an Ihrer Arbeit?
Der Job ist sehr vielfältig. Mein Terminkalender ist eigentlich immer voll, aber nicht mit repetitiven Sachen. Das ist faszinierend und belebend.
Gibt es Momente, die Ihnen trotzdem manchmal schwerfallen?
Natürlich gibt es diese. Aber ohne schwierige Fälle wäre die Arbeit tatsächlich langweilig.
Wie gehen Sie damit um, wenn Sie schwierige Entscheidungen treffen müssen?
Diese schwierigen Entscheidungen bedingen, dass man sich einen Fall gut anschaut, eine sorgfältige Auslegeordnung macht und anschliessend auch den Mut aufbringt, eine Entscheidung zu treffen, sodass sie für die Beteiligten nachvollziehbar ist. Ich finde es zudem wichtig, einzugestehen, wenn ich oder jemand aus meinem Team einen Fehler gemacht hat, und daraus zu lernen.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, treffen Sie Entscheidungen vor allem aufgrund von Fakten ...
Ja. Wir sind von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, uns immer den Sachverhalt anzuschauen und darauf basierend das Gesetz oder die Rechtsprechung anzuwenden, wenn es um fachliche Fälle geht.
Und trotzdem stehen hinter den Steuererklärungen ja auch Menschen. Wie gehen Sie damit um?
Wir versuchen immer, Verständnis aufzubringen, aber es gibt halt gesetzliche Schranken. Es existiert im Bereich Steuern immer ein Konflikt von Einzelschicksal versus Gesetz. Und wenn man das auch dem Gegenüber gut erklärt, dann findet man in der Regel eine gute Lösung, die verstanden und akzeptiert wird.
Was sind die häufigsten Fehler, die Sie in den Steuererklärungen sehen?
Es kommt immer wieder vor, dass die Leute vergessen, Vermögenswerte in der Steuererklärung zu deklarieren. Da besteht die Gefahr, dass es recht teuer wird, wenn das festgestellt wird, weil wir dann ein sogenanntes Nach- und Strafsteuerverfahren eröffnen müssen. Was wir aber auch immer wieder sehen, ist, dass zulässige Abzüge vergessen werden. Da sind wir sehr bemüht, dass wir das von Amtes wegen auch zugunsten der Steuerpflichtigen korrigieren.
Gibt es Missverständnisse über die Steuern, die Sie gerne aufklären würden?
Hmm. Ich verstehe, dass die Menschen immer mal wieder über die Steuern wettern. In meinen Augen gehören sie aber zu einem gut funktionierenden, demokratischen Staat, der seine Aufgaben erfüllen will oder muss. Sie bilden ein wichtiges Fundament, denn ohne gemeinsame Mittel könnten wir ja nichts vom Staat verlangen. Aber klar, wenn man die Steuern nur aus individueller Sicht betrachtet, dann tut es weh, Geld abzugeben. Ich versuche immer, die Steuererklärung wie ein Zeugnis anzuschauen. Und wenn man da etwas eintragen kann, ist das ja auch ein Leistungsausweis.
Wie füllen Sie selbst Ihre Steuererklärung aus? Machen Sie das immer gleich?
Ich versuche erstens, keine Fristverlängerungen einzugeben. Und ich versuche auch, vorbildlich papierlos zu arbeiten. Bei mir ist das Erstellen der Steuererklärung eigentlich ein laufendes Geschäft. Die Vorbereitung mache ich das ganze Jahr hindurch, indem ich die nötigen Belege sammle.
Sie haben die Digitalisierung angesprochen. Das ist sicher etwas, das die kantonale Steuerverwaltung noch weiter beschäftigen wird. Gibt es sonst noch Veränderungen, auf die Sie sich vorbereiten dürfen?
Genau, seit einigen Jahren kann man die Steuererklärung auch digital einreichen. Der nächste Schritt in Sachen Digitalisierung könnte sein, dass wir die vorausgefüllte Steuererklärung anbieten können. Das bedingt aber auch, dass die Leute zustimmen, dass die zur Verfügung stehenden Informationen in eine Plattform eingespeist werden können. So würden schon die korrekten Zahlen in der Steuererklärung stehen.
Wenn Sie freie Hand hätten, würden Sie etwas an unserem Steuersystem in der Schweiz ändern wollen?
Eigentlich finde ich unser System sehr gut, auch wenn man es als mühsam empfinden kann, jedes Jahr eine Steuererklärung ausfüllen und einreichen zu müssen. Meine Meinung ist aber, dass mit unserem System erstens jeder und jede Steuerpflichtige eine Selbstverantwortung trägt, und zweitens gibt das Ausfüllen der Steuererklärung eigentlich auch eine indirekte Gelegenheit, das eigene Budget zu überprüfen. Ich würde also nichts ändern wollen.
Gibt es ein persönliches oder berufliches Erlebnis, das Ihre Sicht auf Geld und Steuern geprägt hat?
Ja, ich habe als Jugendlicher schon immer gerne selber etwas verdient. Dadurch habe ich einen Bezug zum Geld gehabt. Mein eigenes Geld zu verdienen, habe ich immer als sehr selbsterfüllend empfunden. Und ich war stolz auf jeden «Stutz», den ich mir erarbeitet habe.
Wissen Sie noch, was Ihr erster Job war? Und was Sie sich von Ihrem ersten selber verdienten Geld gekauft haben?
Ja, das weiss ich noch sehr genau. Als ich in der dritten Klasse war, durfte ich für einen älteren Mann während drei Wochen seine Hasen hüten und füttern. Der Herr war so glücklich über meine Arbeit, dass er mich absolut überbezahlt hat für den Job. Gekauft habe ich mir vom verdienten Geld einen Gameboy mit ein paar Games dazu.
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Wenn man im Steuerbereich…
Wenn man im Steuerbereich arbeitet, könnte man anhand der nicht zurückgeforderten Verrechnungssteuer herausfinden, wie viel unversteuertes Vermögen in diesen Dunkelkammern verborgen liegt.
Wäre sicher auch eine interessante Aufgabe.