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Nach 23 Jahren: Haldenstein verliert sein «Bahnhöfli»

23 Jahre lang hiess die Familie Untersee Gäste willkommen – nun dreht Gian-Carlos Untersee zum letzten Mal den Schlüssel um. Ende Juni schliesst er das Restaurant «Bahnhöfli» bei Haldenstein. Was bewog ihn dazu – und wie geht es weiter?

Bündner Woche
05.05.26 - 10:00 Uhr
Graubünden
Zapft bald das letzte Bier im «Bahnhöfli»: Gastgeber und Chefkoch Gian-Carlos Untersee.
Zapft bald das letzte Bier im «Bahnhöfli»: Gastgeber und Chefkoch Gian-Carlos Untersee.
Bild: Simon Blatter

«Heute Ruhetag» steht auf der Tafel vor der Eingangstür zum Restaurant «Bahnhöfli» bei Haldenstein. Während beim benachbarten Bauunternehmen emsiges Treiben herrscht, wirkt es rund ums «Bahnhöfli» still und verlassen. Auf der gemütlichen Terrasse sind lediglich Vogelzwitschern und das leichte Rascheln des grossen Baumes im Wind zu hören. Im Innern des Lokals wartet Gian-Carlos Untersee auf die «Büwo». Was aktuell die Atmosphäre an den Ruhetagen Montag und Dienstag beschreibt, wird hier schon bald Alltag: Er hat sich nämlich entschlossen, das «Bahnhöfli» per Ende Juni zu schliessen.

«Die Entscheidung zur Schliessung haben wir ganz bewusst und aus eigenen Beweggründen getroffen. Nach so vielen intensiven Jahren möchten wir Raum schaffen für neue Ziele und einen neuen Lebensabschnitt», heisst es in einem Schreiben, das die Wirtefamilie an ihre Stammgäste richtete. Zwar seien sie Gastgebende aus Leidenschaft gewesen, erzählt Gian-Carlos Untersee in der wohligen Gaststube. «Es ist ein super Job. Die vielen Gästekontakte sind etwas Wunderschönes. Wer wie ich in der Gastronomie aufgewachsen ist, liebt das», sagt er. Gerade in einem kleinen, familiengeführten Betrieb sei aber die Präsenzzeit sehr hoch. Auch an einem Ruhetag wie heute stünden der Einkauf und die Wochenplanung an. Schliesslich habe er das Unternehmen komplett selbst geführt, was auch sehr viel administrative Arbeit mit sich brachte. So sei er zum Schluss gekommen, dass der Betrieb des Restaurants künftig nicht mehr mit dem Privatleben vereinbar sei. Diese Gründe hätten ihn schliesslich zum Entscheid bewegt. Die Schliessung des nahen RhB-Bahnhofes habe keinen Einfluss auf den Entscheid gehabt, betont er. Diese habe nicht zu einem nennenswerten Gästerückgang geführt. Schliesslich sei das «Bahnhöfli» ja weiterhin gut erreichbar.

«Heute Ruhetag»: Per Ende Juni wird dies im «Bahnhöfli» Alltag.
«Heute Ruhetag»: Per Ende Juni wird dies im «Bahnhöfli» Alltag.
Bild: Simon Blatter

«Bahnhöfli» blickt auf 23 Jahre Familiengeschichte zurück

Leicht gefallen sei die Entscheidung aber nicht. Die Familie Untersee hat das Bahnhöfli nämlich während 23 Jahren betrieben. 2011 ist Gian-Carlos Untersee ins Geschäft seiner Eltern eingestiegen und hat es später übernommen. Nach dem Tod seiner Mutter Ana Untersee hat er das Restaurant während etwas mehr als drei Jahren weitergeführt. Dabei hat ihn sein Vater Hampa Untersee weiterhin im Hintergrund unterstützt. Nach 15 Jahren im Betrieb falle es ihm nicht ganz leicht, loszulassen. «Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt er. «Ich bin hier im Bahnhöfli aufgewachsen. Natürlich entstanden in dieser Zeit viele schöne Erinnerungen.»

Als Beispiele dafür zählt er neben dem vielen Gästekontakt die zahlreichen Veranstaltungen wie Jassturniere, Schnitzelbänke, Taufen, Geburtstage oder Hochzeiten auf, die sie durchgeführt haben. Viele Stammgäste hätten sie jeweils beim alljährlichen Wildessen im Herbst gehabt: «Oft haben die Leute dafür Monate im Voraus reserviert.» Besonders schön seien jeweils die Begegnungen mit den vierbeinigen Stammgästen gewesen, ergänzt  seine Partnerin Sinja Niemann. «Jeder Hund bekam nach dem Bezahlen ein Leckerli. Die Hunde wussten das mit der Zeit und sind nach dem Bezahlen partout nicht aufgestanden, bis sie ihr Leckerli erhalten haben.» Auch Pferde hätten immer mal wieder ein Rüebli als Gruss aus der Küche erhalten.

Blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die kommende Schliessung: Gian-Carlos Untersee, der das Restaurant von seinen Eltern übernommen und die letzten drei Jahre geführt hat.
Blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die kommende Schliessung: Gian-Carlos Untersee, der das Restaurant von seinen Eltern übernommen und die letzten drei Jahre geführt hat.
Bild: Simon Blatter

Haldenstein bedauert die Schliessung

Diese Zeiten sind nun bald vorbei. Auch die Bevölkerung wird das «Bahnhöfli» vermissen. Es sei ein zentraler Begegnungsort zwischen Haldenstein und Masans gewesen, sagt Giancarlo Weingart, Präsident des Vereins Dorf Haldenstein, auf Anfrage der «Büwo». Mit der Schliessung verliere Haldenstein eines von nur zwei Restaurants. «Dies bedeutet eine Lücke im lokalen Treffpunktangebot und wirft die Frage nach künftigen Nutzungsmöglichkeiten auf.»

Mit der Schliessung des «Bahnhöfli» verliert Haldenstein eines von nur zwei Restaurants.
Mit der Schliessung des «Bahnhöfli» verliert Haldenstein eines von nur zwei Restaurants.
Bild: Simon Blatter

Zukunft bleibt offen

Die Frage nach der künftigen Nutzung bleibt tatsächlich offen. Eigentümerin des Gebäudes ist die benachbarte Firma Gasser Baumaterialien. Auf entsprechende Nachfrage der «Büwo» teilt die Vorsitzende der Geschäftsleitung, Inana Handschin, mit, man überprüfe derzeit noch verschiedene Optionen für die Weiternutzung.

Und wie sieht die Zukunft von Gian-Carlos Untersee aus? Auch dazu hat er noch keine konkreten Pläne. Fest steht aber: Der Wirt wird kein Wirt mehr sein. Zuerst gehe es für einige Monate auf Reisen. «Nachher bin ich offen, wie es weitergeht. Aber Gastronomie mit täglichem Abendservice wird es nicht mehr sein», hält Gian-Carlos Untersee fest. Die beliebten Dinnerpartys und Daydances werde es aber weiterhin geben. Zudem stehe er weiterhin für private Anlässe als Koch zur Verfügung. Primär werde das Kochen für ihn aber zu einem Hobby und seine Kochkünste würden zu einem vorwiegend privaten Genuss werden. Familie, Freunde und Partnerin freuen sich darauf.

www.bahnhoeflichur.ch

Blicken gemeinsam nach vorne und freuen sich auf die Zukunft: Wirtepaar Sinja Niemann und Gian-Carlos Untersee.
Blicken gemeinsam nach vorne und freuen sich auf die Zukunft: Wirtepaar Sinja Niemann und Gian-Carlos Untersee.
Bild: Simon Blatter
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