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Kommentar

Es geht auch ohne Tunnel

Eine Milliarde Franken für einen Tunnel auszugeben, ist aus mehreren Gründen fragwürdig.

Daniel
Graf
Freitag, 21. Dezember 2018, 04:30 Uhr Stadttunnel Rapperswil-Jona
Elon Musk Tunnel
Robyn Beck / SYMBOLBILD ARCHIV

Eine Milliarde Franken soll er kosten, der Tunnel, der das jahrzehntealte Verkehrsproblem in Rapperswil-Jona lösen soll. Den Löwenanteil davon müsste der Kanton bezahlen, was laut Kantonsingenieur Marcel John machbar wäre (Ausgabe vom 29. August). Doch ist es sinnvoll? Und vor allem: Ist der Tunnel überhaupt nötig?

Für mich persönlich ist er das nicht. Seit mehr als zehn Jahren besitze ich ein GA, noch länger ein Velo. Damit erreiche ich jeden Punkt der Stadt innerhalb von 20 Minuten. Ausgenommen, wenn ich vom Stampf in die Balm muss. Dennoch: Mit ÖV und Velo bin ich in Rapperswil-Jona, wo ich mein ganzes bisheriges Leben verbracht habe, stets gut gefahren.

Zugegeben: Den Wocheneinkauf zu erledigen oder die Glasflaschen der letzten Party zu entsorgen, ist auf zwei Rädern mühsam. Da greife auch ich gerne einmal auf die Hilfe eines Freundes mit Auto zurück. Ebenfalls klar ist, dass es Leute gibt, die auf das Auto angewiesen sind. Dennoch bin ich überzeugt, dass ein Grossteil der Fahrten innerhalb der Stadt aus reiner Bequemlichkeit mit dem Auto gemacht werden. Dazu kommt: Wissen wir denn, wohin sich die Mobilität entwickelt? Stichwort selbstfahrende Autos, Carsharing oder Materialtransporte mit Drohnen? Ist der Tunnel in 80 Jahren womöglich gar nicht mehr nötig?

Ein Freund von mir hatte kürzlich einen Autounfall und musste deshalb eine Weile mit dem Zug zur Arbeit. Ich kenne keinen grösseren Fan und Verfechter der motorisierten Mobilität als ihn. Umso erfreulicher war die Nachricht, welche er mir wenige Tage später schickte: «Ich muss zugeben, das Zugfahren gefällt mir. Habe mir ein Ticket der ersten Klasse geleistet und so immer einen freien Platz, meine Ruhe, eine Steckdose und viel Zeit zum Lesen. Wenn ich mein Auto wieder habe, werde ich trotzdem weiter den Zug zur Arbeit nehmen.» Wer weiss, vielleicht kommt dem einen oder anderen Autofahrer diese Erkenntnis ja auch ohne Unfall. Und auch in der zweiten Klasse fährt es sich bequem und nicht unbedingt teurer als mit dem Auto.

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Endlich mal ein vernünftiger Bericht zum utopischen Stadttunnel. Wer bereichert sich überhaupt an den unsinnigen, unnötigen und nutzlosen teuren Planungen?
Eben haben die Rapperswiler ja 80 Millionen verstecktes Vermögen gefunden. Warum nicht die sehr tiefen Steuern um 30 Prozent erhöhen und selbst einen Verkehrsfond äufnen? Extrem profitieren von Pendlern welche ihr Einkommen von Auswärts nach Rappi bringen und den hausgemachten Verkehr gleich auch noch von Dritten finanzieren lassen. So lässt sichs gut leben.