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Einem Teil des neu eröffneten Kunstpfades in Kaltbrunn galt das Interesse der Mitglieder des Kunstvereins Oberer Zürichsee ebenso wie dem Atelier des Steinbildhauers Werner Naef und dem zukünftigen Kleinkulturzentrum «Dreschschür».

Freitag, 22. Mai 2015, 14:08 Uhr

«Bezüglich Kultur wird in der Gemeinde einiges getan», hält der Präsident der Kultur- und Museumskommission bibiton, Peter Brunner, gegenüber den zahlreich erschienenen Mitgliedern des Kunstvereins Oberer Zürichsee in seiner Begrüssung fest. Just zum 1075-jährigen Jubiläum von Kaltbrunn sei kürzlich der Kunstpfad eröffnet und damit eine aussergewöhnliche Idee mit einer ebensolchen Entstehungsphase realisiert worden. Nicht nur Gemeindepräsident Markus Schwizer sei voll und ganz hinter dem Projekt gestanden, «neun Firmen und öffentliche Institutionen haben entweder Kunstwerke angekauft oder ein Werk finanziell unterstützt», freut sich Brunner. «Alle Kunstwerke sind eine optische Aufwertung für die Gemeinde, die von Bestand sind und im Laufe der Zeit immer wieder ergänzt werden können.»

Weite Wege musste niemand an diesem Abend zurücklegen, denn bereits beim Treffpunkt auf dem Vorplatz der katholischen Pfarrkirche lenkt das vom Kaltbrunner Werner Naef kreierte «Wasserschloss» das ganze Augenmerk auf sich. 3,6 Tonnen hellen und dunklen Maggia-Gneis hat Naef zu einem imposanten Brunnen verarbeitet. Etliche fühlen sich animiert, den makellosen Stein zu berühren, andere wiederum liessen das kühle Nass über die Hände sprudeln, bevor es von der Chromstahlwanne zum erneuten Kreislauf in die Erde eintaucht. Nur wenige Gehminuten vom Brunnen entfernt zieht die in den Himmel ragende «Vertikale Stele» des Solothurners Ursus A. Winiger die Blicke auf sich. «Stelen sind seit alters her als Denkmal bekannt, den Stelen von Winiger geht jeder Monumental- und Memorialcharakter ab», zitiert Brunner die Gedanken von Stefan Paradowski zu diesem Werk. «Das vielfältige Farbgewand erzeugt eine verblüffende Tiefenwirkung und lässt Ein- und Durchblicke zu.» Wie intensiv sich der Münsinger Künstler Urs-P. Twellmann mit der Materie Holz und seinen Eigenschaften auseinandersetzt, ist in der Vitrine und im Innenraum der ebenfalls mit Holz eng verbundenen Firma W. Rüegg ersichtlich. Seine «Ulmen 2-teilig» präsentieren einen geteilten Ulmenstamm, aus dem zuvor Stücke heraus gesägt wurden. Die Innenseite zeigt nun Formen, die wesentlich komplexer und überraschender sind als vermutet. Die angebrachten Zahlen und Buchstaben lassen viele Spekulationen offen.

Nach drei von insgesamt neun Werken galt es jetzt Abschied vom Kunstpfad zu nehmen, doch mit dem Besuch im Atelier von Werner Naef wird es zugleich eine Rückkehr zum «Produzenten» des Wasserschlosses. Es sei Teil einer mehrjährigen Ausstellung in Ascona gewesen, erzählt er, und zeige mit Wasser und Stein die beiden wichtigsten Rohstoffe des Tessins. Dass das Wasserschloss nun an so prominenter Lage seinen definitiven Platz gefunden habe, freue ihn ganz besonders.

Naef stammt aus einer Steinbildhauerdynastie und widmet sich nun schon in der dritten Generation diesem Material. Neben privaten Aufträgen unterrichtet er seit 2005 an der Scuola di Sculturadi Peccia. Einen glücklichen Zufall nennt er den Erwerb des Grundstückes für sein Atelier mit Aussen- und Innenraum und des direkt daneben stehenden Wohnhauses. Und bei seinen ausführlichen Erklärungen wird rasch einmal klar, Mass, Zahl und Proportionen stehen bei ihm immer im Vordergrund und beherrschen seine Arbeit, nichts überlässt er dem Zufall. Auch wenn der Innenbereich des Ateliers nach Aussage von Naef nicht von der Arbeit ablenken soll, der Blick auf das sechseckige Pyramidendach mit einer Höhe von vier Metern zieht alle Besucher in den Bann.

Ein weiterer kultureller Meilenstein in Kaltbrunn wird der Umbau der alten «Dreschschür» zu einem Kleinkulturzentrum sein. Diesem Vorhaben gilt zum Abschluss das ganze Interesse. Anhand einer animierten Visualisierung wird das reizvolle Projekt vorgestellt. «Während 40 Jahren stand das Gebäude aus Holz leer und wurde zuletzt als Wagenpark der Gemeinde genutzt», so Peter Brunner. Mit dem Umbau und der Nutzung wolle man bleibende Werte für die Gemeinde schaffen. Nach der Eröffnung an Silvester darf man auf die angekündigten «kleinen Rosinen» die Veranstaltungen betreffend gespannt sein.

Renate Ammann

Ort:
8722 Kaltbrunn
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