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Was verbindet Grass «Hundejahre» mit Liners Werken?

Carl Walter Liner, im Linthgebiet bestens bekannt, und Günter Grass, weitherum fast nur als Sprachkünstler berühmt, standen am Sonntag auf dem Programm des Kunstvereins Oberer Zürichsee. In Appenzell ist beiden Kunstschaffenden eine faszinierende Gesamtschau gewidmet.

Freitag, 27. Juni 2014, 11:32 Uhr

Einblicke in gleich zwei, sehr unterschiedliche Kunstwelten erhielten die Mitglieder des Kunstvereins Oberer Zürichsee letzten Sonntag in Appenzell. Der Kurator der Stiftung Liner, Roland Scotti, führte zuerst durch die Ausstellung des Literaten Günter Grass im Museum Liner und gut eine Stunde später durch die Jubiläumsausstellung von Carl Walter Liner in der Kunsthalle Ziegelhütte. Eine Schnittstelle zwischen diesen beiden Persönlichkeiten und Werken gab es auf den zweiten Blick. Günter Grass ist nicht nur Literat, sondern auch Künstler, ausgebildet an der Hochschule für Bildende Kunst Berlin. Nebst literarischen Werken schuf er auch einiges als Zeichner, Grafiker oder Bildhauer. Die Ausstellung, die genau mit diesem Tag zu Ende ging, solle aufzeigen, wie viel Arbeit hinter jedem von Grass' literarischen Werken stecke, erklärte Scotti. Fotografien zeugten von Schaffens- wie auch Zeitgeschichte, vergrösserte Notizen liessen den inneren Reichtum des literarischen Menschen erahnen, zahlreiche Radierungen zum Roman «Hundejahre» bewiesen seine künstlerische Kraft. Die Ausstellung öffnete Türen bei den Besuchern und war ein grosser Genuss für Grass-Kenner wie auch Neulinge – sogar für solche, die einmal in seine Literatur eintauchen wollten, aber den Zugang zu ihr bisher nicht fanden.

Nach einem kurzen Spaziergang in die Ziegelhütte und einer feinen Appenzeller Zwischenverpflegung tauchten die Kunstvereinsmitglieder in das Werk von Carl Walter Liner, der in diesem August 100 Jahre alt geworden wäre. Der Maler hatte seinen Beruf von seinem Vater Carl August Liner «geerbt». An einer beeindruckenden Wand spannte der Kurator einen Bogen des Schaffens Carl Walter Liner von 1939 bis 1972. Das Besondere an seinen Werken sei, dass er Landschaftsmalerei mit Abstraktion verband. Er habe sich für keine Seite entscheiden könne, würden diesbezüglich auch kritische Stimmen laut. In der wiederum fantastischen Architektur wirkten seine Werke – ob abstrakt, gegenständlich oder beides in einem Bild – schlicht beeindruckend. Das Fazit der Besucher aus der Oberen Zürichseeregion war klar. Die Reise nach Appenzell hatte sich mehrfach gelohnt: künstlerisch, literarisch und architektonisch. Das enorme Fachwissen des Kurators Scotti sowie der wiederum schöne gesellige Aspekt waren zusätzlich bereichernd.

Tanja Holzer

Ort:
8722 Kaltbrunn
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