Lieber Max Aeberli
Der Rapperswil-Joner Musiker und Autor Frédéric Zwicker widmet seine Kolumne dem kürzlich verstorbenen Kulturenthusiasten Max Aeberli, dessen Engagement lange nachhallen wird.
Der Rapperswil-Joner Musiker und Autor Frédéric Zwicker widmet seine Kolumne dem kürzlich verstorbenen Kulturenthusiasten Max Aeberli, dessen Engagement lange nachhallen wird.
Letzte Woche habe ich erfahren, dass du gestorben bist. Meine erste Reaktion war Ungläubigkeit. Ende September haben wir uns beim Teamchor-Konzert in der katholischen Kirche in Jona gesehen. Ende Oktober kamst du mit deiner Frau Katharina zu meiner Buchvernissage. Ende November haben wir uns bei Francisca Moors Verabschiedung als Leiterin der Fachstelle Kultur zuletzt gesprochen. Wo Kultur war, da warst auch du, und wo du warst, da war Kultur.
Dein vielfältiges Wirken wurde in den vergangenen Tagen in den Zeitungen aufgelistet. Kinderchöre, Jugendchöre, Erwachsenenchöre. Jahrzehntelanges, äusserst erfolgreiches und rundum beglückendes Schaffen in der Region, im In- und im Ausland. Nicht aufgelistet – es liegt in der ausufernden Natur der Sache – sind die Tausenden von Sängerinnen und Sängern, Schülerinnen und Musikern, die du in diesen Jahrzehnten begleitet und bereichert hast. Ganz zu schweigen von den Abertausenden, welche die wohlklingenden Früchte deiner Arbeit im Publikum genossen haben.
Auf Ungläubigkeit folgte Trauer. Denn solche wie dich, die sich mit einem derartigen Engagement und mit einer derartigen Hingabe im Vorder- und im Hintergrund für die Musik und für die Kultur in einer Region einsetzen, solche, die Musik und Kultur in einer Region derart fördern, stärken und festigen, die eine Region mit ihrer Leidenschaft über Jahrzehnte derart prägen, die gibt es nur sehr selten. Und wenn solche Menschen nebst tatkräftigen Machern noch warmherzige, interessierte und wohlwollende Zeitgenossen sind, hilfsbereite und anteilnehmende Gesprächspartner, dann hinterlassen sie eine umso grössere Lücke und Leere, wenn sie gehen.
Trotzdem und natürlich gerade deshalb mischte sich in die Trauer schon nach kurzer Zeit nebst Dankbarkeit auch Zuversicht. Denn von den erwähnten Tausenden, die du begleitet und bereichert hast, begleiten und bereichern nun viele ihrerseits. Auf der Website von «Cantacanti», dem Chor der Kanti Wattwil, steht auch zehn Jahre nach deiner Pensionierung noch: «Viele Traditionen, die Max Aeberli über Jahre etabliert hat, pflegen wir mit Freude weiter.»
Musizieren in einem Chor erfordert nicht nur, dass alle Sängerinnen und Sänger ihre Stimmen möglichst sauber intoniert und im Takt singen. Fast noch wichtiger ist, dass sie aufeinander hören, um gemeinsam eins zu werden, um sich zu einem einzigen Klangkörper zu vereinen.
In den vergangenen Jahrzehnten hast du so manchen Chor zu einem einzigen Klangkörper geformt. Und so dirigierst du nun ein letztes Mal und formst alle, die das Privileg hatten, mit dir zu musizieren oder sonst mit dir zu tun zu haben, zu einem Klangkörper vereint in Trauer, Dankbarkeit und hoffentlich auch in Zuversicht. Denn mit deinem Schaffen ist es gerade so wie mit einem Konzert in der katholischen Kirche in Jona. So ein Engagement verklingt nicht. Es hallt unglaublich lange nach.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.