×

2:0-Sieg in Cham: Der FC Rapperswil-Jona behält im Aufstiegsrennen alle Trümpfe in der Hand

War es der Druck? Der FC Rapperswil-Jona wirkt in Cham gehemmt, ist fehleranfällig. Dennoch gewinnt er – und geht somit am kommenden Samstag als grosser Aufstiegsfavorit in die letzte Runde der Promotion-League-Saison.

Silvano
Umberg
17.05.25 - 23:00 Uhr
Linthgebiet
FC Rapperswil-Jona Aufstiegsrennen
Kein Durchmarsch: Der FC Rapperswil-Jona (am Ball Josué-Helaku Schmidt) startet in Cham gut, tut sich nach der frühen Führung aber schwer.
Bild: Silvano Umberg

Das Auswärtsspiel im mit 810 Zuschauenden sehr gut besuchten Eizmoos-Stadion in Cham begann für die Gäste aus Rapperswil-Jona ziemlich optimal. Unter den Augen von FC-Basel-Star und FCRJ-Mitbesitzer Xherdan Shaqiri sowie dessen Bruder Erdin konnten sie bereits in der 12. Minute durch ihren weit gereisten Stürmer Florian Kamberi vorlegen. Dabei liess der Tabellenführer der Promotion League seine ganze Klasse aufblitzen. Nach einer Balleroberung von Alexis Charveys an der Mittellinie ging es blitzschnell, nach sechs sauberen Pässen war die Chamer Defensive schachmatt.

Statt befreiend wirkte der Führungstreffer auf die Rosenstädter aber hemmend. Sie liessen jedenfalls merklich nach. Sowohl bezüglich Intensität wie auch Qualität: Sie verloren immer mehr Zweikämpfe und leisteten sich ungewohnt viele Ballverluste.

Florian Kamberi (rechts), Torschütze des 1:0, behauptet sich im Zweikampf.
Bild: Silvano Umberg

Cham kam so immer besser ins Spiel und dem Ausgleich in der 26. Minute durch Mathis Giordano, der seinen Schuss nur knapp neben den linken Torpfosten setzt, ein erstes Mal sehr nahe. Kurz vor der Pause musste sich FCRJ-Keeper Alan Omerovic mächtig strecken, um seinen Kasten sauber zu halten. Erneut kam der Abschluss von Giordano. Dazwischen hatte Kamberi bei einem Konter nach einem Chamer Eckball noch das 2:0 auf dem Fuss, schoss jedoch direkt auf den Goalie.

Platzverweis spielt FCRJ in die Karten

Wer jetzt dachte, der FCRJ würde sich in der Garderobe neu sammeln können und in Halbzeit zwei wieder aktiver auftreten, wurde enttäuscht. Cham hatte klar mehr vom Spiel. Der Ausgleich lag immer stärker in der Luft – und wäre auch absolut verdient gewesen.

Dann brannten Chams Stürmer Mark Marleku plötzlich die Sicherungen durch. Am Boden liegend nach einem Zweikampf mit FCRJ-Verteidiger Guillermo Padula, trat er nach und sah dafür die Rote Karte. Die Chamer reklamierten lautstark. Doch es war zweifellos eine Tätlichkeit – und Schiedsrichter Julian Müller war gut postiert, hatte freie Sicht.

Freude und Erleichterung: Die FCRJ-Spieler und Athletikcoach Mustapha Fadaoui feiern das 2:0.
Bild: Silvano Umberg

Der Platzverweis spielte den Rapperswil-Jonern in die Karten, zumindest kurzzeitig; knapp drei Minuten später erzielte Mittelfeldspieler Rijad Saliji das 2:0. Im Anschluss war von einer personellen Überzahl der Gäste nichts mehr zu spüren. Es hätte sogar nochmals richtig spannend werden können. Nämlich dann, wenn Cham in der 89. Minute der Anschlusstreffer gelungen wäre. Omerovic wehrte einen Freistoss nur ungenügend ab. Der FCRJ-Goalie bügelte seinen Fehler aber gleich selber wieder aus, indem er Ajdin Bajrics Nachschuss aus nächster Nähe mirakulös aus der hohen Ecke fischte. Wenig später war der FCRJ-Sieg Tatsache.

Gut gelaunt: Diese jungen FCRJ-Fans sorgen in Cham für Stimmung.
Bild: Silvano Umberg

Offene Worte von FCRJ-Torschütze

«Das war keine gute Leistung von uns heute», analysierte Torschütze Saliji nach dem Spiel. Der 26-Jährige lag damit sicher richtig, der FCRJ war mit dem 2:0 sehr gut bedient. Zu 100 Prozent erklären konnte sich Saliji den bescheidenen Auftritt nicht. Wahrscheinlich habe sich doch der Druck hemmend ausgewirkt, meinte er. «Wir wollen unbedingt aufsteigen und haben es selber in der Hand. Da ist der Druck schon nochmals deutlich grösser.» Weil man diese top Ausgangslage eben auf gar keinen Fall verspielen wolle.

Hier versucht es FCRJ-Mittelfeldspieler Rijad Saliji mit einem Freistoss, wenig später erzielt er das erlösende 2:0.
Bild: Silvano Umberg

Nicht ein nächstes Mal, ist man geneigt zu sagen. Denn in den letzten Jahren war es – zumindest gefühlt – stets so, dass den Rosenstädtern die Nerven versagten, wenn es in einem Match um richtig viel ging. Umso erleichterter zeigte sich Saliji in Cham: «Bis zum 2:0 haben wir schon recht gezittert. Aber ich glaube, letztlich hat man gemerkt, dass unsere Mannschaft reifer, abgeklärter ist als in anderen Saisons. Wir wollten heute unbedingt diese drei Punkte, und das haben wir geschafft.»

Biel patzt erneut – da waren es nur noch zwei

Ebenfalls erledigt hat seine Pflicht in der zweitletzten Runde der SC Kriens mit einem knappen 1:0-Sieg bei der U-21-Mannschaft der Berner Young Boys. Gepatzt hat dagegen der FC Biel. Und dies zum zweiten Mal in Serie. Nachdem die Seeländer eine Woche davor durch eine 1:2-Heimniederlage gegen Bavois die Tabellenführung an den FCRJ verloren, verabschiedeten sie sich nun mit einer 0:3-Auswärtspleite beim U-21-Team des FC Basel gänzlich aus dem Aufstiegsrennen.

Für den Aufstieg kommen also nur noch der FCRJ und Kriens infrage. Die Entscheidung fällt am kommenden Samstag in der allerletzten Runde. Die Rapperswil-Joner nehmen diese mit einem Punkt Vorsprung in Angriff (hier gehts zur Tabelle). Will heissen: Sie haben ihr Schicksal in den eigenen Händen, respektive Füssen. Bezwingen sie zuhause das zehntplatzierte Bavois, ist, sechs Jahre nach dem Abstieg, die langersehnte Rückkehr in die Challenge League Tatsache.

Ist extrem angespannt: FCRJ-Präsident Rocco Delli Colli (links, hier gratuliert er Verteidiger Guillermo Padula zum Sieg) kann den Erfolg im Moment nicht so recht geniessen.
Bild: Silvano Umberg

Der FCRJ-Präsident leidet

Behält die Mannschaft von Trainer David Sesa die Nerven? Oder wird sie doch noch vom SC Kriens, der zum Abschluss den Tabellensechsten Grand-Saconnex empfängt, überflügelt?

Klar ist: Es ist Hochspannung angesagt. Und auch grosse Anspannung, besonders bei FCRJ-Präsident Rocco Delli Colli, der sich den Aufstieg so sehnlichst wünscht. In Cham tigerte er, meist etwas abseits der anderen Zuschauenden, mit ziemlich gequältem Gesichtsausdruck hin und her. Nach Spielschluss darauf angesprochen, sagte er: «Wir sind jetzt so nahe dran. Ich bin extrem nervös, sehr angespannt, ja.» Schlafen könne er zum Glück gut. «Das Problem ist, wenn ich wach bin. Da drehen sich die Gedanken ständig um den Aufstieg.»

Gleichzeitig freut sich Delli Colli auf kommenden Samstag: «Wir haben es selbst in der Hand, spielen zuhause.» Ein schöneres Szenario könne es kaum geben. «Aber», ergänzt er: «Um ganz sicher zu gehen, brauchen wir gegen Bavois einen Sieg. Und dieser wird uns nicht geschenkt werden.» Lösen wird sich die Anspannung beim Präsidenten erst, wenn auch der letzte und entscheidende Schritt gemacht ist.

Cham – Rapperswil-Jona 0:2 (0:1)
Eizmoos. 810 Zuschauende. – SR: Müller.
Tore: 12. Kamberi 0:1. 70. Saliji 0:2.
Cham: Zajac; Tschopp, Bühler (46. Bajric), Schuler, Lujic; Franek, Flühmann (83. Büeler); Loosli, Giordano (64. Martin); Pasquarelli, Marleku.
Rapperswil-Jona: Omerovic; Ambassa, Padula (74. Yesilcayir), Ajeti, Iapichino; Charveys; Marchand (74. Hasani), Saliji (87. So); Schmidt (78. Wiskemann), Volkart; Kamberi (87. Nguy-yi Boum Bitjél).
Bemerkungen: Cham ohne Capone, Kiendrebeogo (beide gesperrt), Lang, Pauli, Vögele und Zimmermann (alle verletzt); Rapperswil-Jona ohne Crescenti (krank), Morgado (gesperrt), Pousa, Ribeiro (beide verletzt). – Platzverweis: 67. Marleku (Rote Karte; Tätlichkeit). – Verwarnungen: 3. Marchand, 19. Marleku, 57. Pasquarelli, 60. Franek. Eckball-Verhältnis: 7:2 (2:2).




Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Linthgebiet MEHR
prolitteris