Kaiserwetter, schnelle Schwünge und ein bitteres Ende – das war der WM-Tag von Ladina Caviezel in Bildern
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Nach dem SRF-Auftritt geht es für das «Snowboard-Couple» zurück ins Teamhotel. Ab da steht ganz klar die Erholung im Vordergrund. Der Renntag hat enorm viel Kraft gekostet. Zwei Qualifikationsläufe, Achtelfinal, Viertelfinal, Halbfinal, Bronze-Duell – insgesamt musste Ladina Caviezel sechs Mal in den Rennmodus finden. Das fordert neben der Physis auch die Psyche stark. Und die WM ist ja noch nicht vorbei. Mit dem Parallel-Slalom (Samstag) und Mixed-Team-Event (Sonntag) folgen noch zwei weitere Wettkämpfe – und somit zwei weitere Medaillenchancen. Diesen Rennen blickt Caviezel nun zuversichtlicher als noch vor der WM entgegen. Mit dem 4. Rang hat sich ihr Gefühl bestätigt, dass ihre Form eigentlich besser ist, als es die Resultate der vergangenen Rennen vermuten liessen.
Ein Erholungstag steht bis dahin nicht im Programm, denn am Freitag wird Slalom trainiert. Für die Regeneration ist Schlaf essentiell. Deshalb liegt es zum Beispiel auch nicht drin, noch einen schönen Abend mit der Fangruppe zu verbringen.
Nicht nur für Interviews direkt nach dem Rennen sind Ladina und Dario Caviezel gefragt. Dass der Name Caviezel am Donnerstag in der Rangliste gleich zwei Mal neben der Nummer 4 steht, macht die sowieso schon spezielle Geschichte des «Snowboard-Couples» umso interessanter. Deshalb wurden die beiden von SRF als Gäste für das abendliche Magazin zur Freestyle-WM eingeladen. Da die Sendung, die auf «SRF zwei» von 20.10 bis 20.35 Uhr läuft, bereits um 17 Uhr aufgezeichnet wird, muss das Duo nach dem Rennen ziemlich schnell zurück ins Teamhotel und sich für den Fernsehauftritt chic machen.
Nun hat Ladina Caviezel endlich Zeit für ihren Fanklub. Dieser besteht aus Freunden und Familienmitgliedern von ihr und ihrem Ehemann Dario. Mit extra für die WM angefertigten Shirts, Kappen und Fahnen empfangen sie Caviezel. Alle wollen sie drücken, mit ihr reden, ihr zu einer «tollen WM-Leistung» gratulieren, sie aber auch aufmuntern nach der so knapp verpassten Bronzemedaille. Caviezel erlebt dabei eine Gefühlsachterbahn. Immer wieder kommt die Enttäuschung hoch. Immer wieder aber auch der Stolz über eine gute Leistung. Sie schreibt Autogramme, posiert für Erinnerungsfotos. Wenig später stösst auch noch Dario Caviezel dazu. Er und Ladina haben sich seit dem Mittag kaum mehr gesehen. Denn am Nachmittag ging es wirklich Schlag auf Schlag. Nach einem Gruppenfoto mit dem «Snowboard-Couple» macht sich die gut 15 Personen starke Caviezel-Fangruppe auf den Weg nach St. Moritz Dorf, wo der ganze Fanklub in demselben Hotel einquartiert ist.
Als beste Schweizerin beim WM-Auftakt der Alpin-Snowboarder ist Caviezel ein gefragter Interviewgast. Bevor sie sich den Fragen stellt, verfolgt sie aber noch den kleinen Final ihres Ehemanns Dario. Dieser verliert das Bronze-Duell ebenfalls. Und wird als Vierter bester Schweizer. Als Ladina Caviezel dann SRF, TV Südostschweiz und Co. Red und Antwort steht, wirkt sie sehr gesammelt und reflektiert. «Ich bin extrem enttäuscht», sagt die 31-Jährige zunächst. Wie bereits in der Qualifikation habe sie auch in den Finalläufen am Ende der Strecke zu wenig Risiko genommen. Dass sie auch ohne Medaille stolz auf ihre Leistung sein kann, weiss sie auch: «Wenn ich auf die ganze Saison zurückblicke, war es eines meiner besten Rennen. Es ist schön, dass mir das an der Heim-WM gelungen ist.» Sie müsse das Resultat, respektive den Umstand, die Medaille letztlich so knapp verpasst zu haben, aber trotzdem zuerst noch ein bisschen verdauen.
Es wird nichts mit einer dritten WM-Medaille für Ladina Caviezel. Sie liefert der Polin Aleksandra Krol-Walas zwar von oben bis unten ein ganz spannendes Duell, fährt aber stets ein wenig hinterher. Gegen das Ziel hin wird es nochmals richtig eng, doch Caviezel ist letztlich 14 Hundertstel langsamer.
So endet der Parallel-Riesenslalom an der Heim-WM im Engadin für die Uzner Profi-Snowboarderin mit Glarner Wurzeln also mit dem undankbaren 4. Rang. Krol-Walas holt Bronze. Gold sichert sich auf überzeugende Art und Weise die Tschechin Ester Ledecka (es ist ihr dritter Weltmeistertitel), Silber geht an Tsubaki Miki aus Japan.
Auch Ladinas Ehemann Dario Caviezel schrammt als Vierter haarscharf an einer Medaille bei der Heim-WM vorbei. Mit dem Parallel-Slalom (Samstag) und Mixed-Team-Event (Sonntag) folgen für die Alpin-Snowboarder aber noch zwei Wettkämpfe – und somit zwei weitere Medaillenchancen.
Ester Ledecka erweist sich im Halbfinal als erwartet harte Knacknuss. Ladina Caviezel hält sehr gut mit, so gut wie noch keine Fahrerin an diesem Tag. Die Topfavoritin aus Tschechien ist aber stets leicht vorne und hat im Ziel um 55 Hundertstel die Nase vorne. Die erste Medaillenchance konnte Caviezel also nicht nutzen. Die zweite folgt in wenigen Minuten im kleinen Final gegen die Polin Aleksandra Krol-Walas.
Auch Dario Caviezel zieht im Halbfinal den Kürzeren – und kämpft nun noch um Bronze.
Es wird das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen im Viertelfinal zwischen Ladina Caviezel und der Österreicherin Claudia Riegler. Diesmal hat die Gegnerin den anderen Lauf gewählt, Caviezel fährt also auf dem roten Kurs. Sie tut das gut. Sie liegt bei allen Zwischenzeiten vorne, wenn auch hauchdünn. Das kleine Polster verteidigt sie aber erfolgreich bis ins Ziel. Fünf Hundertstel ist sie letztlich schneller als die 20 Jahre ältere Riegler.
Caviezel steht also im Halbfinal. Bedeutet: Ihr bieten sich nun zwei Chancen zum Gewinn einer dritten WM-Medaille. Die erste Chance ist eher gering, steht ihr im Halbfinal doch die an diesem Tag unantastbar scheinende Tschechin Ester Ledecka gegenüber. Die Siegerin dieses Duells zieht in den Final ein, wird also mindestens WM-Silber holen. Die Verliererin hat im kleinen Final noch die Chance auf Bronze.
Auch Ladina Caviezels Ehemann Dario steht übrigens im Halbfinal. Dieser Tag könnte also eine ganz spezielle Geschichte schreiben.
Kurz nach 13 Uhr greift Ladina Caviezel in die Finals, die zweite Wettkampfphase, ein. Sie startet sehr gut in ihren Achtelfinal gegen die aufgrund der Qualifikation (Rang 5 gegenüber 12) favorisierte Italienerin Lucia Dalmasso. Bei der ersten Zwischenzeit liegt sie 24 Hundertstelsekunden voraus, bei der zweiten noch 16 Hundertstel. Im mittleren Teil holt die Gegnerin noch weiter auf. Das wird ganz eng. Auf den letzten Metern lässt Caviezel ihr Board aber etwas früher laufen – und sorgt damit für die Differenz. Im Ziel hat sie die Nase um 11 Hundertstelsekunden vorne – und steht damit im Viertelfinal. Ihre Gegnerin dort wird die bereits 51-jährige (!) Österreicherin Claudia Riegler sein, die Viertschnellste der Qualifikation. Vom Quali-Rang her ist Caviezel erneut die Aussenseiterin, so wie sich der Wettkampf entwickelt, ist aber ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu erwarten.
Zeit zum Verschnaufen bleibt wenig. Nach kurzem Jubel im Ziel geht Ladina Caviezel sogleich wieder nach oben. Diesmal aber per Schneetöff-Taxi statt Sessellift. Das ist eben an dieser WM noch speziell: Der Rennpiste ist rund 350 Meter lang, der Sessellift Salastrains über 2300 Meter, die Wege dadurch viel weiter als von anderen Austragungsorten her gewohnt.
Um gestärkt in die Finalläufe gehen zu können, hat Caviezel mit ihrem Team zusammen zu Mittag gegessen. Das Menü: Rösti, Salat und ein Schokoladenmousse. Die Mittagspause bietet für die Athletin die Möglichkeit, sich zu erholen und den Kopf ein bisschen abzuschalten. Zu lange Zeit hat sie dafür aber nicht. Bevor es um 13 Uhr mit den Finalläufen losgeht, steht noch einmal eine Streckenbesichtigung auf dem Programm. Aus diesem Grund isst sie nicht allzu viel.
Generell esse sie an Renntagen recht wenig, sagt Caviezel. Wegen des gedrängten Programms, aber auch wegen der Anspannung. Sie zehre lange vom Frühstück und esse vielleicht mal einen Powerriegel zwischendurch.
Wie bereits im ersten Durchgang geht Caviezel auch im zweiten Qualifikationslauf keine grossen Risiken ein. «Oben kam ich ziemlich gut durch. Unten wurde ich dann ein bisschen langsamer», sagt sie im Ziel. Sie habe immer relativ viel Platz zu den Toren gelassen – eine Sicherheitsmarge. In den Finalläufen am Nachmittag will und muss sie deshalb mehr riskieren: «Ich muss alles geben, denn ab jetzt warten Topfahrerinnen als Gegnerinnen. Wenn ich vor allem im unteren Streckenteil noch näher an den Toren vorbeifahre, ist heute viel möglich», zeigt sich Caviezel zuversichtlich.
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