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Neutralität oder Nicht-Neutralität?

Das ist hier die Frage. Etwas zwischendrin gibt es nicht. Man kann nur neutral oder nicht neutral sein, denn es gibt keine halbierte oder parzellierte Neutralität. Nur unbedingte Unparteilichkeit, d.h. Nicht-Parteinahme im Sinne der rechtlichen Nicht-Diskriminierung, ist der entscheidende Punkt. Damit stehen und fallen alle weiteren Rechte und Pflichten des Neutralen. Die Pflicht des Neutralen, sich militärischer Einmischungen zu enthalten, erhält ihren Sinn und Inhalt nur aus jener Pflicht zur Nicht-Diskriminierung. Ebenso umgekehrt: Wenn ein Staat sich einem Verfahren anschliesst, dessen Sinn und Inhalt darin besteht, während eines kriegerischen Konfliktes die eine Partei zugunsten der anderen rechtlich und moralisch zu disqualifizieren, so hat er damit bereits seine Pflicht zur Neutralität verletzt.

Flurin von Albertini
24.05.22 - 13:36 Uhr
Leserbrief
Ort:
Paspels

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Viel zu viele Ungerechtigkeiten werden erst dadurch ermöglicht, weil das Umfeld wegsieht und schweigt. Totale Neutralität heisst schweigen und wegschauen.

Dazu die berühmte Aussage des Pastors Martin Niemöller. Er widersetzte sich dem NS-Regime. Die letzten sieben Jahre der nationalsozialistischen Diktatur verbrachte er in Konzentrationslagern Deutschland.
-"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.
Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."-

Ist so wie mit der Schwangerschaft – nicht? Man kann nicht eine klitzeklein wenig schwanger sein. Man ist`s oder ist`s nicht. So einfach ist das.
Wenn wir dermassen auf unsere Neutralität pochen, sollten wir konsequenterweise von Russland auch kein Öl oder Gas kaufen, weil wir damit den Krieg mit finanzieren.

Sollten Sie recht haben, Herr von Albertini, dass es in der Frage der Neutralität nur ein Entweder-oder gibt, so frage ich Sie, was dagegen spricht, angesichts der russischen Kriegsverbrechen die Neutralität aufzugeben.

Ich bin mit Herrn Albertini einverstanden. Wer neutral ist, mischt sich nicht ein. Genau so, wie eine Frau auch nicht zu 25 % schwanger sein kann. Doch neutral sind wir schon lange nicht mehr, da wir grosszügig Waffen an oftmals äusserst dubiose Länger liefern und die Hände scheinheilig in Unschuld waschen, da wir ja nicht wissen können, dass diese Waffen in der Realität tatsächlich verwendet werden.

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