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Leserbrief

Wir müssen unser Leben ändern

Werner Frey, Chur
16. November 2020, 15:08:37

Eine Zoonose wie die jetzige Pandemie ist eine Krankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen wird. Die grösste Bedrohung sind Märkte mit lebenden Tieren, denn hier entstehen die meisten Zoonosen. Dies geschah nicht nur bei COVID-19 in China, sondern bereits beim letzten SARS, MERS, Ebola-Ausbruch und sogar bei HIV.
Sinnvolle Massnahmen sind: Maskentragen, Ausbrüche verhindern durch Verfolgen der Ansteckungsquelle, freiwillige Impfung, um die Pandemie zum Abflachen zu bringen, Erkrankte gut behandeln, wenn nötig mit Morphin, damit sie nicht an Atemnot leiden.
Einen weiteren Ausbruch, eines neuen Virus können wir damit nicht verhindern, das geht nur, wenn wir unsere Lebensart ändern. Wir müssen die Lebensräume der Wildtiere und der Menschen trennen, indem wir verhindern, dass weiterhin grosse Waldflächen gerodet werden. Die Massentierhaltung, die für die riesige Fleischproduktion nötig ist, muss verboten werden. Fleisch wird teurer werden, aber das ist kein Nachteil für diejenigen, die es sich nicht mehr leisten können. Sich ohne Fleisch zu ernähren, ist gesünder und von der Ethik her richtig. Der Reiseverkehr muss vermindert werden, durch eine Erhöhung der Flugticket-Kosten. Die Reisenden werden für ein Ticket die wirklichen Kosten bezahlen (keine Subvention des Flugbenzins und CO2-Steuer), damit steigen die Preise auf das Doppelte und Dreifache. Wer es sich trotzdem noch leisten können wird und weiterhin in der ganzen Welt herumreist, wird nicht bewundert, sondern als Parasit betrachtet. Die vielen älteren Menschen, die, wenn sie sinnvoll gelebt haben, auf ein gutes Leben zurückblicken, können auf eine Spitaleinweisung verzichten. Es geht um die Akzeptanz, dass wir sterblich sind und um die Vermeidung der Überlastung der Spitäler.
Wir müssen also nicht fragen, wann kommt die Impfung, sondern, wann ändern die Menschen ihre Lebensweise.
Dr. med. Werner Frey, Jahrgang 1946

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Sehr geehrter Herr Frey, Sie weisen auf die eigentlichen Tatsachen und Realitäten hin. Und endlich hat mal jemand den beeindruckenden, vorbildlichen Mut und die Kraft, die ursächlichen Fakten und Urgründe anzusprechen, von denen erschreckenderweise fast ausnahmslos sämtliche Medien, Politiker, Behörden usw. strikt und offensichtlich absichtlich und bewusst die Finger lassen. Viel zu gross die Gefahr, dass man sich damit die Finger verbrennen könnte. Man redet, diskutiert und kommuniziert mit enormer Überzeugungskraft, dass dieses Virus, diese Pandemie einfach so aus heiterem Himmel, grundlos und ohne jegliche menschliche Schuld oder mindestens Mitschuld über die Erdenbewohner hereingefallen sei. Je nach Denkweise wird es erklärt als Schicksal, als Schickung, als purer Zufall, als Alleinschuld der Chinesen.
Kein einziges Wort je darüber, wie und durch welche Kreatur sich ein solches Virus innerhalb weniger Wochen auf sämtlichen Kontinenten dieser Erde verbreiten konnte; dass diese Verbreitung allein nur von Mensch zu Mensch möglich war, passierte und der Mensch alleiniger Verbreiter und Täter war. Nie ein Hinterfragen unseres Lebensstils, dem wir uns egoistisch genussvoll, so selbstverständlich, suchtartig, masslos, gierig und als Nimmersatte hingegeben und angeeignet haben. Einen Lebensstil des Überwohlstands, des Überluxus den wir heute als die einzig, wahrhaftige Normalität bezeichnen. Deshalb der schreiende Ruf nach dem Zurück zur Normalität, zum grenzenlosen Leben, zur egozentrierten Freiheit wie es vorher war. Das grosse Ziel ist nun eine rasche, wirksame Impfung – die Änderung unserer Lebensart schieben wir noch etwas in die Zukunft, weil es nicht die Normalität, die Freiheit ist. Globaler, international tätiger, vernetzter Massentourismus ist pandemie- und umweltbezogen verheerender Täter, nun aber halt auch eines der grössten Opfer.