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Leserbrief

Klimatologen kennen den Unterschied zwischen Klima und Wetter sehr wohl

Fritz Schulthess,
29. Mai 2019, 00:10:30

Herr Kamber, ihr Professor meinte man soll Klima nicht mit Wetter verwechseln. Ich nehme an ihr Professor war Klimatologe und das macht sie ebenfalls zu einem Klimaspezialisten – nicht wahr? Da erstaunt es mich aber, dass ihre Hauptquelle für «Klimafakten» die Weltwoche, die nicht ein wissenschaftliches Forum ist, zu sein scheint. Ausserdem haben seit den von Ihnen zitierten 70er Jahren alle Wissenschaftsgebiete und auch die verschiedenen Fachgebiete wie Meteorologie, Ozeanographie, Geologie, Geographie und Physik, aus denen die Klimatologie besteht, gewaltige Fortschritte gemacht, und Kapazität riesige, komplexe Datensets zu analysieren hat exponentiell zugenommen.
Nach einer Begutachtung in 2013 von wissenschaftlichen Arbeiten von 10,306 Klimaspezialisten sind sich 97 Prozent der Wissenschaftler darüber einig, dass die derzeitige Klimaerwärmung mit einer mathematischen Wahrscheinlichkeit von 95.5 Prozent vom Menschen verursacht wird. Zu dieser Erkenntnis beigetragen haben Wissenschaftler aus den verschiedenen Klimafachgebieten mit verschiedenen Blickwinkeln des gleichen Problems. Sie und Ihr Professor scheinen zu den 3 Prozent klimaskeptischer Wissenschaftlern zu gehören, und sie befinden sich damit in der illustren Gesellschaft des emeritierten US-Amerikanischen Professor Lindzen, der gerne von Roger Köppel zitiert wird. Dass Prof. Lindzen wie eine Vielzahl von klimaskeptischen Organisationen und Personen in den USA von der Öl- und Kohleindustrie für ihre Lobbyaktivität bezahlt wurde, was er auch nicht ableugnet, macht ihn nicht gerade glaubwürdig. Das Gross der Klimaforschung wird dagegen von der öffentlichen Hand finanziert; diese Wissenschaftler haben keinen Druck irgendwelche Geldgeber zu befriedigen und es besteht kein Grund nicht objektiv sein.
Aber solche Schmähreden von der SVP hören sich eher nach einer Flucht nach vorne als einem Beitrag zu einer sachlichen Diskussion an, und ich denke sie werden in den nächsten paar Monaten an Intensität noch zunehmen. Sicher hat die Schweiz neben dem Klima noch andere Probleme, aber die Unsachlichkeit, mit der dieses Thema angegangen wird, lässt mich an der Seriosität dieser Partei generell zweifeln. In der Wissenschaft ist der Weg so wichtig wie das Ziel – wenn nicht sogar wichtiger. Bei der SVP geht es bloß ums Gewinnen, egal mit welchen Mitteln. Respekt für das Volk ist was anderes.

Zum Artikel: Das Klima meinen - vom Wetter sprechen GR 27. Mai

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