DJ Bobo und das Openair «Rock gegen Hass» in der Aargauer Provinz
Sie jubeln ihrem Musikidol zu: Junge Fans feuern im Juni 1995 in Lengnau AG den Sänger und Tänzer DJ Bobo an einem kleinen Openair mit grossen Ambitionen an. Sie lassen sich von den treibenden Beats, tanzbaren Melodien und Refrains des Aargauers in den Bann ziehen.
Sie jubeln ihrem Musikidol zu: Junge Fans feuern im Juni 1995 in Lengnau AG den Sänger und Tänzer DJ Bobo an einem kleinen Openair mit grossen Ambitionen an. Sie lassen sich von den treibenden Beats, tanzbaren Melodien und Refrains des Aargauers in den Bann ziehen.
Es war der erste Auftritt des damals 27-jährigen DJ Bobo, alias Peter René Baumann, an einem Openair. Es war ein Festival auf der grünen Wiese in der kleinen Gemeinde Lengnau im aargauischen Surbtal. Das Motto des Festivals: «Rock gegen Hass». Unter diesem Titel fand das von Sidney Weill ins Leben gerufene Festival 1995 erstmals an zwei Tagen statt - es war die sechste Ausgabe. Es lockte rund 5000 Besucher an.
Das Ziel: Die Weltsprache Musik sollte Vorurteile gegenüber Minderheiten abbauen und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Dass das Festival in Lengnau stattfand, war kein Zufall: Bis zur rechtlichen Gleichstellung im Jahr 1862 durften sich Juden in der Schweiz nur hier und im benachbarten Endingen niederlassen. Das Openair «Rock gegen Hass» entstand 1990 aus dem Jiddischen Folkfestival.
Erde retten, dann gibts Liebe
Musikalisch bot das Happening vor 31 Jahren trotz strömenden Regens und teils stürmischen Winden neben DJ Bobo weitere Höhepunkte, wie in den Medien ausführlich berichtet wurde. Die Namen der Musikerinnen und Musiker sind heute noch bekannt.
Andreas Vollenweider spielte sphärische Klänge, die Westschweizer Rapper von Sens Unik standen auf der Bühne, ebenso begeisterten Patent Ochsner und die US-Sängerin Marla Glen. Glen sagte auf der Bühne: «Zuerst müssen wir die Erde retten - dann kommt die Liebe ganz von selbst.»
Doch die friedliche Grundstimmung wurde gestört. Eine anonyme Bombendrohung löste am Samstagnachmittag Unruhe und einen Polizeieinsatz aus: Ein Anrufer hatte ultimativ den Abbau eines koscheren Kebab-Standes gefordert. Die Durchsuchung des Geländes blieb ergebnislos. Festivalpräsidentin und «Blick»-Verlegergattin Ellen Ringier: «So eine primitive Drohung zeigt nur, wie nötig Rock gegen Hass ist.»
Aus der Provinz gehts nach Zürich und Bern
Ein Jahr nach dem Festival von 1995 wurde der Verein «Openair Lengnau» aufgelöst und auf eine breitere Basis gestellt. Das Festival fand 1996 erstmals in Zürich auf dem Platzspitz statt. Es lockte mehr als 10'000 Besuchende an.
Das Openair «Rock gegen Hass» gilt als wegweisendes Schweizer Musikfestival, das zwischen 1991 und 1997 ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus setzte. Eine aktuelle Ausstellung im Dorfmuseum von Lengnau rollt die Geschichte auf.
Es gilt als Vorläufer des nicht kommerziellen Openairs auf dem Bundesplatz in Bern. Dieses findet seit 2006 statt. Und: Im vergangenen Jahr kehrte die Rap-Formation Sens Unik um Carlos Leal, die schon 1995 in Lengnau dabei war, 15 Jahren nach dem letzten Konzert auf die Bühne zurück.
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