Ungezwungenes Zusammensein und viel Plausch beim Dartspielen
Im Sporthotel Fünf Dörfer in Zizers wird wieder Dart gespielt. Die «Büwo» war an einem Abend mit Pfeilen, Plausch und Präzision zu Besuch.
Im Sporthotel Fünf Dörfer in Zizers wird wieder Dart gespielt. Die «Büwo» war an einem Abend mit Pfeilen, Plausch und Präzision zu Besuch.
von Cindy Ziegler
Wer an Dart denkt, denkt wohl automatisch auch an von Zigarettenrauch geschwängerte Luft, Bier und an ein bisschen abgerocktes Pub. Dart ist ein Beizensport – aber nicht nur. Es ist auch ein Sport, der professionell betrieben wird. Eine grosse Show mit oft exzentrischen Athletinnen und Athleten. Am Mittwochabend im Hotel Sportcenter Fünf Dörfer gibt es beides nicht. Weder die dicke Luft noch schrille Spielerinnen und Spieler. Hier treffen sich seit kurzem Interessierte, um gemeinsam Pfeile auf die Scheiben zu werfen. Um 19 Uhr herrscht reger Betrieb. Pfeile mit Stahlspitzen fliegen durch die Luft und landen auf der Scheibe. Manchmal wird gejubelt, manchmal geflucht aber auf jeden Fall viel gelacht. Im Hintergrund ist das Quietschen der Schuhe zu hören, das beim Squashen im Raum hinter den Scheiben entsteht.
Verwaiste Dartscheiben
Die Dartanlage in Zizers gibt es schon seit einigen Jahren. Seit wie vielen, weiss Hotelier Markus Gämperli nicht mehr genau. Damals klopfte der Präsident des Churer Dartclubs bei der Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit beim Hotel Fünf Dörfer an. Und stiess auf eine offene Türe. Denn Markus Gämperli hatte tatsächlich Platz und Interesse. In Eigenregie baute er den Raum im Untergeschoss um, zog Holzwände hoch, bespannte die Wand hinten mit Stoff und befestigte Leuchten. Der Club wiederum brachte die Dartscheiben. So lief es einige Zeit ganz gut. Bis sich der Club auflöste und die Anlage immer mehr verwaiste. Abgesehen von ein paar Gästen, die ab und an Pfeile warfen,wurde sie nicht mehr genutzt. «Das fand ich schade», erklärt Markus Gämperli. Und so postete er auf Facebook, ob es Leute gebe, die gerne Dart spielen und auf der Suche nach einer Anlage seien. Und prompt fanden sich ein paar. Nach einem Treffen war die IG Dart Fünf Dörfer geboren. Und seit wenigen Wochen treffen sich Interessierte nun wieder hier, um ungezwungen ihrem Hobby nachzugehen.
Marco Anselmi ist ein sportlicher Mann mit einem breiten Grinsen. Er steht der IG Dart vor und ist an jenem Mittwoch ebenfalls da, um ein paar Pfeile zu werfen. Ursprünglich kam er zum Dart, wie wohl so viele. In einem verrauchten Pub. Einige Jahre spielte er gar in einem Club. Und dann passierte das Leben und das Hobby ging vergessen. Bis er den Aufruf von Markus Gämperli las. Die Idee von einem ungezwungenen Zusammensein, wo kommen kann, wer Lust hat, fand er gut. «Uns ist wichtig, dass es beim Plausch bleibt», sagt er und führt zu einem Holztisch, auf dem viele verschiedene Pfeile in einem Holz stecken.
Die Geschichte des Darts beginnt in England. Der Name hingegen stammt aus Frankreich. Denn die Franzosen setzten bei Schlachten kleine, speerähnliche Wurfpfeile als Waffen ein – die Darts. Spannenderweise werden die Sportgeräte in Frankreich nicht etwa Darts genannt, sondern «Les fléchettes». So oder so, die Pfeilart dürfte deutlich älter sein. Bereits die Römer nutzten kleine mit Bleigewichten beschwerte Pfeile. Der Dartsport entstand wohl gegen Ende des 19. Jahrhunderts. 1908 wurde Dart zum Geschicklichkeitsspiel erklärt – und durfte fortan in Pubs gespielt werden.
«Wir spielen hier klassisches Steeldart. Anders als beim elektronischen Dart, müssen wir selber zählen», sagt Marco Anselmi und lacht. «Es hilft, wenn man gut im Kopfrechnen ist», meint er. Er nimmt verschiedene Pfeile in die Hand und vergleicht sie. Bei den einen ist das Gewicht eher vorne, bei den anderen mehr verteilt. Schwerere und leichtere Darts, grössere und kleinere. «Es gibt keinen Anfängerpfeil, man muss ausprobieren, was einem am besten liegt», sagt er. Allgemein sind den Spielern (an jenem Abend sind es nur Männer) keine Tricks zu entlocken. «Ruhig sein. Gerade werfen», meint Marco Anselmi.
Interessierte Spieler
Die Regeln beim Dart sind schnell erklärt. Die Spielerinnen und Spieler werfen mit kurzen Pfeilen auf die Scheibe. Sie stehen genau 2 Meter und 37 Zentimeter von der Scheibe weg und versuchen möglichst schnell von 501 Punkten auf Null zu spielen. Die verschiedenen Segmente auf der Scheibe sind mit unterschiedlichen Werten angegeben. Trifft man den Ring ganz aussen, zählen die Punkte doppelt, trifft man den Inneren, dann dreifach. Das Bull's Eye, der rote Punkt in der Mitte gibt 50 Punkte. Der Bull, der Ring rundherum, 25. «Die höchste Punktzahl, die man mit einem Wurf erzielen kann, ist also 60. Dreimal 20», erklärt der IG-Vorsteher. Sein Kollege daneben zielt auf dieses kleine rote Feld. Sein Gegner auf dasjenige im Sektor 19.
«Was mich beim Dart fasziniert ist, wie der Mensch fähig ist, der Bewegungsablauf seines ganzen Körpers darauf aufzurichten, ein so kleines Feld zu treffen», meint Marco Anselmi, während er den kleinen Pfeil am Ohr auf Augenhöhe vorbei zieht und ihn dann mit einer gezielten Bewegung nach vorne wirft. «Ich schiebe den Pfeil», korrigiert er und lacht hörbar. Dazu komme der Wettbewerbsgedanke, der zusätzlich animiert, sagt er.
Noch einmal zurück zu den Regeln. Beim «Double-Out», das hier gespielt wird, muss man ein Spiel mit einer doppelten Zahl beenden. Also mit einem Wurf in ein Feld des äusseren Rings. Spätestens hier ist auch wieder Kopfarbeit gefragt. Am besten also, man wirft so, dass man eine gerade Punktzahl hat. «Sonst wird es schwierig mit der Doppelzahl», meinen die beiden Männer an Scheibe Zwei.
Daneben wirft ein älterer Herr. 78 Jahre alt ist er. Früher habe er viel Sport gemacht, von allem ein bisschen. Heute aber schmerze es ihn überall ein wenig. Ausser beim Dartspielen. Da geht es. «Ich glaube, das kann ich spielen, solange ich lebe», meint er und grinst.
Die IG Dart Fünf Dörfer trifft sich jeden Mittwoch ab 19 Uhr im Hotel Sportcenter Fünf Dörfer in Zizers zum Dartspielen. Von Anfängerinnen und Anfänger bis Profis sind alle willkommen.
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