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Salz, Sole und Schwerarbeit: So bereitet sich das Tiefbauamt in Thusis auf den Winter vor

Bündner Woche
15.11.24 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
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Präzise: Der LKW ist genau unter der Luke des Salzsilos parkiert.
Andri Dürst

von Andri Dürst 

Es riecht nach Werkstatt – der Duft von Motorenöl steigt in die Nase. Und es klingt nach Werkstatt – das Drehen eines Akkuschraubers ist zu hören. Kein Wunder, schliesslich befinden wir uns auch in einer Werkstatt: und zwar in derjenigen des kantonalen Tiefbauamts (TBA) in Thusis. Einige Handwerker sind gerade dabei, einen Lastwagen auf Winterbetrieb umzurüsten. Mithilfe eines Krans platzieren sie einen Aufbau auf dem Gefährt. Dieser dient dem Transport von Streusalz und Sole. Dazu aber später mehr.

Multifunktional: In der Werkstatt wird auf einem privaten Lastwagen ein Salzstreuer montiert.

Nachdem der Aufbau montiert worden ist, fährt der Werkstattchef sein Vehikel aus der Halle und wendet es auf dem Vorplatz. Ein Kollege transportiert mit einem Teleskoplader einen Pflug in die Montagehalle und verlässt diese sofort wieder. Dann kommt wieder der Werkstattchef mit seinem LKW hereingefahren. Nun wird der Pflug montiert. Alle Handgriffe sitzen, das Team ist routiniert. Kein Wunder, denn es ist bei Weitem nicht das erste Fahrzeug, das in den letzten Wochen umgerüstet wurde. Rund 30 Fahrzeuge stehen beim Bezirk 7, zu dem Thusis gehört, für den Winterdienst im Einsatz. Die meisten davon sind nun parat für die kalte Jahreszeit. 

Obwohl es derzeit gar nicht so kalt ist und der Wintereinbruch weit entfernt scheint. Doch das TBA muss bereit sein und kann nicht alle Umrüstungen erst in letzter Sekunde vornehmen. Dies gilt auch für die Fahrzeuge, die von externen Transportunternehmen stammen. Diese machen nämlich einen grossen Teil der Winterdienstflotte aus. «Der Kanton erteilt im Rahmen einer Vergabe Aufträge für die Schneeräumung an Private. Diese schliessen dann Zehnjahresverträge mit uns ab. Sie stellen uns ihr Fahrzeug sowie die Chauffeusen und Chauffeure zur Verfügung, und wir montieren ihnen die Pflüge und die Streuer», erklärt Leo Heini, Chef des Bezirks 7.

Einsatzbereit: Leo Heini (links) und Paul Eicher vom Bezirk 7 sind für den Winter gerüstet.

Multifunktionell einsetzbar

Mit dieser Zusammenarbeit sei beiden Seiten gedient: Private Transportunternehmen könnten so ihre Lastwagen im sonst eher ruhigen Winter besser auslasten, und das TBA müsse nicht eine riesige Anzahl Fahrzeuge anschaffen, die während des Sommers nur herumstehen würden. Ganz ohne eigene Gefährte geht es aber doch nicht. Auch diese müssen im Herbst umgerüstet werden. Während die sogenannten Unimogs den Sommer hindurch mit Böschungsmähern oder Reinigungssets im Einsatz stehen, werden sie für den Winter mit Pflügen oder Schneeschleudern ausgestattet.

Modern: Dieser Unimog ist das neuste Fahrzeug beim TBA in Thusis.

Es gibt viel zu tun

Doch die Wintervorbereitungen des TBA laufen nicht nur in der Werkstatt. Paul Eicher, Leiter Betrieb des Bezirks 7, zählt auf: «Derzeit sind wir zum Beispiel daran, Schneestecken entlang der Strassen aufzustellen. Für die 320 Kilometer Strassen in unserem Bezirk benötigen wir rund 5500 solche Pfosten. Zudem stellen wir an zahlreichen Orten Wintersignale auf, wie beispielsweise ‹Schleudergefahr›. Auch das Erstellen von Windschutzzäunen an exponierten Orten zählt zu den laufenden Arbeiten. Zudem decken wir wo nötig die Rigolen, also Wasserabläufe, mit Tannenreis ab, um Eisbildungen zu verhindern.»

Gelb-schwarz-gelb: Bevor die neuen Schneestecken zu ihrem Einsatzort kommen, werden sie mithilfe dieser selbst konstruierten Rotationsmaschine angemalt.
Anstrengend: Angestellte des Tiefbauamts schlagen die unzähligen Schneestecken – wie hier in Avers – von Hand ein.

Keine Arbeit für Morgenmuffel

Eine wichtige Arbeit, die aber kaum jemand sieht, ist der tägliche Kontrolldienst. Dieser läuft seit vorletzter Woche bereits wieder: Seither sind auf dem gesamten Strassennetz jeweils um 3 Uhr morgens sowie um 6 Uhr abends Kontrollpersonen unterwegs, die den Zustand der Strassen beurteilen. Auf ihren Fahrzeugen verfügen sie über kleine Salzstreuer, um kleine Vereisungen gleich selber zu beheben. Sind aber andere Massnahmen notwendig, wie beispielsweise eine Schneeräumung oder das Aufbringen von Sole, können sie über ein Tablet die nötigen Arbeitskräfte aufbieten. Auch diese müssen früh aufstehen: Das Ziel ist es, die erste Spur auf der Nationalstrasse, also auf der A13, um 5 Uhr morgens geräumt zu haben. Auf der Kantonsstrasse sollte ein Befahren ab 7 Uhr möglich sein. Koordiniert werden die Räumungsarbeiten in Thusis von einem Einsatzleiter. Dieser erhält auch zusätzliche Informationen von den Strassen, so zum Beispiel von der Polizei.

Eisig: Die Rania-Eiswand muss immer mal wieder von Menschenhand gesichert werden.

Beim Salzen ist Fingerspitzengefühl gefragt

Doch zurück zu den Wintervorbereitungen. Sobald es eisig wird, geht ohne Streusalz nichts mehr. Damit im Bezirk 7 auch immer genug davon verfügbar ist, bestellen die Verantwortlichen das weisse Zeug jeweils im Sommer – dann ist der Preis am günstigsten. Eingelagert wird es in einem Schuppen direkt beim Werkhof – einem der grössten Salzlager der Schweiz. «Hier haben wir Platz für 3500 Tonnen», erklärt Paul Eicher. Zusammen mit Leo Heini öffnet er für die «Büwo» das Tor zu diesem besonderen Bau. Riesige Berge sind hier aufgetürmt, am liebsten würde man fast hineinhüpfen und spielen. Doch das Salz ist natürlich für den Winterdienst gedacht. Von hier aus wird einerseits das wenige Meter entfernte Silo befüllt, andererseits aber auch diejenigen in Splügen und Cunter, wo es nochmals Platz für je 200 Tonnen Salz hat. Der eingangs erwähnte Lastwagen fährt in diesem Moment über das Gelände, der Werkstattleiter parkiert ihn sorgfältig unter der Luke des Silos. Er steigt aus, geht eine kleine Treppe hoch und betätigt einen Knopf. Nun öffnet sich die Luke unter dem Silo, und das Salz strömt in den Aufbau des Lastwagens. Nach kurzer Zeit drückt er den Knopf wieder, fährt den Lastwagen etwas nach vorne und lässt dann nochmals eine Ladung Salz in den Behälter. So ist die Ladung nämlich besser verteilt.

Eindrücklich: Das Salzlager des Tiefbauamts in Thusis wird jeweils im Sommer gefüllt. Für den anstehenden Winter sollten die Vorräte problemlos ausreichen.

Doch bekanntlich belastet dieses Streugut die Umwelt. Zwar habe man auch schon Alternativen wie Zuckermelasse und Magnesiumchlorid getestet, doch: «Nichts ist so effektiv wie Salz», gibt der Leiter Betrieb zu bedenken. Stattdessen versuche man nun, mit technischen Hilfsmitteln den Salzverbrauch zu minimieren. Bei modernen Fahrzeugen sind spezielle Thermokameras montiert, die die Bodentemperatur messen und so der Chauffeuse oder dem Chauffeur Hinweise liefern, wie viel Salz wirklich gestreut werden muss. Doch ob mit oder ohne Hightech gilt beim Salzen stets: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.

An die Situation anpassen

Auch könne man mit dem Einsatz von Sole anstelle von Streusalz den Verbrauch minimieren – bis zu zwei Drittel, wie der TBA-Fachmann weiss. Aber: «Sole, also in Wasser gelöstes Salz, können wir nur bei Temperaturen über minus acht Grad einsetzen.» Für die Übergangszeit – wie nun Ende Herbst – sei dies aber ideal. Versprüht wird die Sole – wie das Salz auch – mit Lastwagen, die in ihrem Aufbau zusätzliche Sole-Tanks integriert haben.

Doch wozu eigentlich der viele Aufwand für den Winterdienst? Lohnt es sich denn immer noch, so eine grosse Maschinerie aufrechtzuerhalten, wenn es tendenziell immer weniger Schnee gibt? «Ja», lautet Leo Heinis Antwort. «Auch wenn die Winter vielleicht weniger streng werden, sind unsere Leute deswegen nicht weniger im Einsatz.» Grund dafür sei, dass die Ansprüche der Verkehrsteilnehmenden stetig gestiegen seien. Zudem seien besonders anfangs Winter noch zahlreiche Autolenkende ohne Winterausrüstung unterwegs.

So geht dem TBA die Arbeit also keineswegs aus. Auch im Sommer nicht, denn dann würden die Wintergeräte gewartet und repariert, wie der Bezirkschef erklärt. Es klimpert somit das ganze Jahr über in der Werkstatt. Man sieht: Sichere Strassen kommen nicht von selbst – dahinter steckt viel Aufwand.

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