×

Ich packe meinen Rucksack: Auch eine Powerpank gehört zur Wanderausrüstung

Wanderlust oder Wanderfrust? Patricia Cornali von Schweizer Wanderwege erklärt, was es beim Bergwandern zu beachten gilt und wo man sich vielleicht überschätzt.

Bündner Woche
31.05.25 - 12:00 Uhr
Leben & Freizeit
Auf dem richtigen Weg sein: Immer die Wanderweg-Markierungen beachten.
Auf dem richtigen Weg sein: Immer die Wanderweg-Markierungen beachten.
Bild: Schweizer Wanderwege

Von Lara Buchli

Den Rucksack gepackt. Die Wanderschuhe geschnürt und die Kappe aufgesetzt. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Oder doch? Habe ich die Notfallapotheke eingepackt? Ist noch genügend Wasser in den Flaschen? Sehe ich da hinten etwa ein kleines graues Wölkchen am Himmel? Und habe ich mein Handy auch wirklich vollgeladen? Fragen über Fragen. Aber diese vor einer Wanderung zu beantworten, sei enorm wichtig, erklärt Patricia Cornali – Verantwortliche für die Verbandskommunikation beim Verband Schweizer Wanderwege. Sie gibt in diesem Gespräch Auskunft darüber, auf was es beim Wandern ankommt und was auf gar keinen Fall im Rucksack fehlen sollte.

Für Patricia Cornali bedeutet Wandern, vom Alltag abschalten zu können.
Für Patricia Cornali bedeutet Wandern, vom Alltag abschalten zu können.
Bild: Schweizer Wanderwege

Vorbereitung ist das A und O

«Bevor man sich auf eine Bergwanderung aufmacht, sollte man sich gut darauf vorbereiten», beginnt Patricia Cornali. Planung und Vorbereitung seien das Wichtigste. Ausserdem braucht jeder Wanderer und jede Wanderin eine realistische Selbsteinschätzung. «Es kommt oft vor, dass man sich selbst überschätzt und die Anforderungen der Route unterschätzt. Und bei dieser Konstellation können dann eben Missgeschicke oder Unfälle passieren», fährt die Mitarbeiterin der Organisation Schweizer Wanderwege fort.

Damit diese vermieden werden können, hat Patricia Cornali ein paar Tipps und Tricks in ihrem Rucksack. «Man muss sich immer bewusst sein, wo die Route hinführt. Optimalerweise kennt man auch Abkürzungsmöglichkeiten.» Falls unterwegs etwas passieren sollte, egal ob ein Unwetter oder ein Sturz, könne man bereits im Voraus nach Abkürzungen schauen und sich diese auf der Karte markieren. Ausserdem sei es wichtig, sich bewusst zu sein, wie lange die Strecke in Kilometern ist. Auch die Steigung sollte im Vorfeld gecheckt werden. «Die Situation kann schnell ungemütlich werden, wenn sich vor einem plötzlich ein steiler Hang erstreckt, mit dem man nicht gerechnet hat und für den dann die Kräfte fehlen.» Es könne ganz schnell ganz schön steil werden. Damit so etwas in Zukunft nicht passiert, empfiehlt die Verantwortliche der Verbandskommunikation, die verschiedenen Wanderwegskategorien zu studieren. «Es ist wichtig, sich über die unterschiedlichen Niveaus und Anforderungen zu informieren.»

Gelb, weiss-rot-weiss und weiss-blau-weiss

Wenn man auf eine gemütliche Wanderung gehen möchte, folgt man am besten den gelben Wegweisern. Gewöhnliche Wanderwege bestehen meist aus breiten Pfaden. Es gibt auch Ausnahmen, wo der Weg schmal und uneben werden kann, potenzielle Absturzstellen sind jedoch gesichert. An die Wanderer und Wanderinnen werden keine speziellen Anforderungen gestellt. Wenn man sich ein wenig mehr zutraut, kann man sich auf die Pfade der Weiss-Rot-Weiss-Markierungen begeben. Deren Anspruch ist ein wenig höher und es braucht mehr Aufmerksamkeit beim Bergwandern. Diese Wege sind meistens eher steil und schmal. Teile, die besonders schwierig sind, werden mit Stahlseilen oder -ketten gesichert. Trotz dieser Sicherheiten sollten die Wanderer und Wanderinnen trittsicher und fit unterwegs sein. Ausserdem empfiehlt es sich, schwindelfrei zu sein. Für die ganz Mutigen gibt es noch die Alpinwanderwege. Diese können über Schneefelder oder gar Gletscher führen. Sicherungen wie Stahlseile oder -ketten können nicht überall garantiert werden. Wanderer und Wanderinnen sollten sich sehr gut im Gebirge und mit den Gefahren, die diese bergen, auskennen. Ein kleiner Richtwert für die Wanderwegmarkierungen: Wenn man nach 10 bis 15 Minuten Gehzeit keine Wanderwegmarkierung mehr findet, dann ist man mit grosser Wahrscheinlichkeit auf dem falschen Weg und sollte zur letzten Markierung zurück.

Vor der Wanderung gilt, sich über die Wegkategorien zu informieren. Besonders mit Kindern empfiehlt sich ein gelber Wanderweg.
Vor der Wanderung gilt, sich über die Wegkategorien zu informieren. Besonders mit Kindern empfiehlt sich ein gelber Wanderweg.
Bild: Schweizer Wanderwege

Doch nicht nur der Weg an sich kann einen in Schwierigkeiten bringen. Man sollte sich auch zu helfen wissen, wenn das Wetter mal nicht so mitmacht, wie man sich das eigentlich vorgestellt hat. «Bei einem Unwetter bietet – falls man eine findet – eine Hütte mit geschlossenen Fenstern und Türen Schutz. Und wenn man keine Hütte findet, kann man sich bei starkem Niederschlag auch in einer grossen Höhle oder unter einer hohen Felswand unterstellen. Bei einem Gewitter sollte man von Wänden sowie anderen Wandernden Abstand nehmen und sich auch von jeglichen metallischen Gegenständen entfernen. Auf einer exponierten Fläche kann man auch auf den eigenen Rucksack kauern, da dieser bei einem Blitzeinschlag in den Boden isolierend wirkt. Wenn das Gewitter plötzlich auftaucht und man sich noch auf einem Grat befindet, sollte man schnellstmöglich davon runter. Auch von Lichtungen sollte man sich fernhalten.

Vorausdenken

Beim Wandern kommt es jedoch nicht nur auf den Weg drauf an, sondern auch auf die richtige Ausrüstung. «Beim Bergwandern sollten die Wanderschuhe wenn möglich knöchelhoch sein und über ein gutes Profil verfügen, dass man weniger leicht umknickt oder ausrutscht», erzählt die Mitarbeiterin der Schweizer Wanderwege. «Hauptsache, man ist nicht in den Sneakers unterwegs. So was kommt leider immer wieder vor.» Sie schüttelt verständnislos den Kopf. Es empfiehlt sich, die Kleidung ausserdem der Witterung anpassen. «Oder anpassungsfähig sein», ergänzt Patricia Cornali. Damit meint sie, dass man einen Hut dabei haben sollte, wenn die Sonne von oben herabbrennt, aber auch einen Regenschutz, falls es plötzlich zu schütten anfängt. Mit einer kleinen Notfallapotheke, die das Nötigste beinhaltet, liege man ausserdem nie falsch. Sehr wichtig sei genügend Proviant und Flüssigkeit. Speziell Getränke solle man vorrätig mitnehmen. Ob man sich jetzt mit dem Handy oder mit einer physischen Karte auf den Weg mache, sei jedem und jeder selbst überlassen. Aber sie schlägt vor, sich bewusst zu sein, dass man nicht überall Empfang habe oder der Akku auch irgendwann aufgebraucht sei. Und wenn man sich dann verlaufe, könne das blöd ausgehen. Deshalb empfiehlt sie Handynutzern und -nutzerinnen, auf längeren Wanderungen eine zusätzliche Powerbank mitzunehmen.

Gutes Schuhwerk: Knöchelhohe Wanderschuhe mit gutem Profil.
Gutes Schuhwerk: Knöchelhohe Wanderschuhe mit gutem Profil.
Bild: Schweizer Wanderwege

Neben der Ausrüstung gilt es auch, sich die Wetterprognose im Vorfeld anzuschauen. Dieses kann vor allem im Sommer sehr schnell von einer Minute auf die nächste kippen. Die Zeiten der Bergbahnen sollte man ebenfalls im Hinterkopf behalten. «Nicht, dass man nach dem Aufstieg so erschöpft ist und sich gedanklich auf eine gemütliche Bergbahnfahrt ins Tal einstellt, nur um dann feststellen zu müssen, dass diese gar nicht fährt. So was ist natürlich äusserst ärgerlich aber auch gefährlich.»

Beim Wandern mit Kindern empfiehlt sich, einfach zu beginnen. Patricia Cornali schlägt deshalb zum Beispiel die gelben Wanderwege vor. «Vielleicht ist noch wichtig zu erwähnen, dass sich die Gehzeit mit Kindern um etwa 1,5 multipliziert», bemerkt sie. «Und im Übrigen handelt es sich bei den Zeitangaben auf den Wegweisern nicht um die gesamte Zeit, sondern bloss um die reine Laufzeit.» Sie schlägt vor, immer noch ein paar Verschnauf- und Verpflegungspausen miteinzuberechnen.

Die Natur respektieren

Es sind auch viele Hundebesitzer und -besitzerinnen auf den Wanderwegen unterwegs. Und das sei grundsätzlich auch kein Problem, meint Patricia Cornali. Wenn man seinen Hund dabei hat, sollte man sich einfach darüber informieren, wo er sich ungeleint bewegen darf und wo nicht. Bei einem Durchgang auf einer Kuhweide, wo es Mutterkühe hat, sollte der Hund unbedingt an die Leine genommen werden, da Mutterkühe jeden noch so kleinen Hund als Bedrohung ansehen können. Wenn man auf einer Wanderung im Wald oder auch am Berg auf Wildtiere trifft, wäre es am besten, sie nicht zu stören und auch nicht zu füttern. «Es sind schliesslich wilde Tiere», schlussfolgert die Verantwortliche der Verbandskommunikation Schweizer Wanderwege.

Vorsicht geboten: Bei Mutterkuhweiden sollte man Hunde an die Leine nehmen.
Vorsicht geboten: Bei Mutterkuhweiden sollte man Hunde an die Leine nehmen.
Bild: Schweizer Wanderwege

Patricia Cornali ist selbst eine begnadete Wanderin und freut sich auf die kommende Zeit. «Ich wünsche mir, auf meinen zukünftigen Wanderungen verantwortungsbewusste Leute zu treffen, die sich genügend auf ihr Vorhaben vorbereitet haben», schliesst sie ab. Nun denn. Hals und Beinbruch – egal ob auf gelben, weiss-rot-weissen oder weiss-blau-weissen Pfaden.

Inhalt von buew logo
Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Mehr zu Leben & Freizeit MEHR