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Gesunde Schule in Trimmis: Gelebt, nicht gelernt

Die Schule Trimmis gehört seit Kurzem zum Schulnetz21 und zeichnet sich damit als besonders gesundheitsfördernde Schule aus – ein Einblick.

Bündner Woche
23.05.24 - 11:00 Uhr
Leben & Freizeit
Pausenkiosk mit gesundem Müasli: Eines von vielen gesundheitsfördernden Projekten, die an der Schule Trimmis realisiert werden.
Pausenkiosk mit gesundem Müasli: Eines von vielen gesundheitsfördernden Projekten, die an der Schule Trimmis realisiert werden.
Cindy Ziegler

von Cindy Ziegler

Grosse Pause, 10 Uhr. Die Jugendlichen der Sekundarschule Trimmis sind auf dem Pausenplatz unterwegs. Viele von ihnen haben ein farbiges Schüsselchen in der Hand. In der Aula der Schule stehen mehrere der Teenager hinter einer Theke und schöpfen ihren Mitschülerinnen und -schülern sowie den Lehrpersonen Müasli. Ein gesundes Frühstück – oder eben ein sinnvolles Znüni. Der Pausenkiosk ist eines von vielen Projekten zur Gesundheitsförderung, die die Schule Trimmis umsetzt. Und eines von vielen, die das Thema umfassend ansieht und nachhaltig in die Entwicklung der jungen Menschen integriert. 

Verantwortung und Selbstwirksamkeit

Co-Schulleiter Flurin Fetz und Francisca Derungs, schulische Heilpädagogin, die in der Arbeitsgruppe Gesundheit engagiert ist, geniessen das Joghurt mit frischen, saisonalen Früchten und gesunden Toppings. Ebenso Stephanie Bachmann vom Gesundheitsamt Graubünden. «Der Pausenkiosk ist eine schöne Aufgabe für unsere Schülerinnen und Schüler, an der sie wachsen können. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, und erfahren dadurch Selbstwirksamkeit», erklärt der Co-Schulleiter. Die Teenager sind für die Müasli-Bar verantwortlich. Von A bis Z. Vom Einkauf bis zum Abwasch.

Kurz vorher im Büro der Schulleitung. Mit am Tisch sitzen neben Flurin Fetz, Francisca Derungs und Stephanie Bachmann auch Schulleiterin Claudia Grehn sowie die schulische Heilpädagogin Romina Andri. Die Verantwortliche vom Gesundheitsamt hat eine Tafel mitgebracht, die der Schule Trimmis attestiert, sich besonders für die Gesundheitsförderung der Kinder und Jugendlichen einzusetzen. Seit Kurzem ist die Schule Trimmis eine der ersten im Kanton, die sich dem Schulnetz21 (siehe Box) angeschlossen und verpflichtet hat, sich aktiv für einen gesunden Lebensstil einzusetzen und die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit aller Beteiligten zu erhalten. 

Gemeinsame Werte entwickeln und weitergeben

Die Schule Trimmis (Kindergarten, Primarschule und Oberstufe) setzt sich in diesem Rahmen besonders für die Gesundheitsförderung an der ganzen Schule ein. «Gesundheitsförderung ist mehr als Schulstoff, nämlich Lernen fürs Leben», erklärt Stephanie Bachmann. Umso mehr freue sie sich, wie die Themen in Trimmis angegangen werden. Die seitens der Schule am Gespräch Beteiligten freut das Lob. Die Gesundheitsförderung ist in Trimmis schon lange Thema, wurde aber vor ein paar Jahren mit dem Start von Weiterbildungen in verschiedenen Lebenskompetenzen für Lehrpersonen konkretisiert. In diesen geht es beispielsweise um die psychische Gesundheit, um Prävention oder darum, gemeinsame Werte zu entwickeln und weiterzugeben.

Ausgezeichnet: Francisca Derungs (links) von der Schule Trimmis nimmt die Tafel, die der Schule das Prädikat gesundheitsfördernd attestiert, von Stephanie Bachmann seitens Gesundheitsamt entgegen.
Ausgezeichnet: Francisca Derungs (links) von der Schule Trimmis nimmt die Tafel, die der Schule das Prädikat gesundheitsfördernd attestiert, von Stephanie Bachmann seitens Gesundheitsamt entgegen.
Cindy Ziegler

In den letzten Jahren habe sich das Bewusstsein für das Thema Gesundheit in der Schule enorm entwickelt. «Das ist wichtig, denn Kinder und Jugendliche verbringen sehr viel Zeit in der Schule. Es ist nicht nur Lernort, sondern auch Lebensort», erklärt Stephanie Bachmann. Erinnerungen an Projekte wie den Pausenapfel werden wach. «Das ist eine schöne Idee, sie geht aber nicht in die Tiefe», gibt Flurin Fetz zu bedenken. Die Beteiligten in Trimmis erzählen von einem kürzlich realisierten Projekt, wo Primarschülerinnen und -schüler Bäume im Wald gepflanzt haben. «Vom Pausenapfel hat man kurzfristig etwas, der Baum kann den Kindern im besten Fall ihr Leben lang Freude bereiten und lockt sie so in die Natur», erklärt Romina Andri, bevor sie sich verabschiedet. Denn der Wald ruft. Ihre Kollegin Francisca Derungs übernimmt: «Ich denke auch, dass sich die Tiefe des Themas verändert hat. Wir versuchen, Gesundheitsförderung breit anzuschauen und mit gezielten Projekten zu vertiefen.» 


Eine positive Haltung, die sich gefestigt hat

Die Schulleitung, Claudia Grehn und Flurin Fetz, zählt die verschiedenen Projekte auf, die die Schule umsetzt. Im Erzählen merken sie, wie viele es eigentlich sind. Grosse und kleine. Neben dem Pausenkiosk berichten sie besonders freudig davon, wie an der Schule Erfolge gestärkt werden. Alle, Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler, schrieben einander einen Lobbrief. «Wir hatten letztes Jahr das Motto ‘Erwische dein Gegenüber beim Erfolg’. Es war extrem schön, wie schnell sich diese positive Haltung gefestigt hat», schwärmt Claudia Grehn.

Wir widmen uns gedanklich nochmals dem Pausenkiosk. Er steht für vieles, was in der Schule Trimmis passiert. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung und engagieren sich für ihre Schule. Es sind Kompetenzen, die gelebt und nicht gelernt werden. Es gehe um Selbstwirksamkeit. Darum, zu merken, dass das, was man tut, jemand anderem eine Freude macht. «Wir ermöglichen und vertrauen, das gibt den Schülerinnen und Schülern viel. Daran wachsen sie mehr, als wenn wir den Fokus darauf hätten, was sie nicht können», so Flurin Fetz. Stephanie Bachmann nickt: «Es ist toll, haben wir mit euch eine solche engagierte Schule im Netzwerk. Davon profitieren alle. Es braucht mutige Schulen, die den Stein ins Rollen bringen und Diskussionen anstossen. Am Schluss ist Gesundheitsförderung etwas, was gelebt werden muss. Das braucht Verständnis, Ressourcen und gemeinsame Werte.»

Schuletz21

Ist deine Schule fit für morgen? Das ist die Kernfrage des Schulnetzes21. Das Netzwerk, das es seit über 25 Jahren schweizweit gibt und seit letztem Jahr auch in Graubünden gefördert wird, setzt sich für ein gutes Schulklima durch Gesundheitsförderung ein. Die vom Gesundheitsamt unterstützten Programme und Projekte sind auf folgende Ziele ausgerichtet:
- Bewegung und gesunde Ernährung im Schulalltag verankern
- Ressourcen und Lebenskompetenzen aller Schulbeteiligten stärken
- Wissen zu Suchtsubstanzen und Risikoverhalten vermitteln im Rahmen der Suchtprävention

Laut dem Gesundheitsamt sei die Schulzeit prägend und in keinem anderen Lebensabschnitt könne Gesundheitsförderung und Prävention so wirksam, nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll vermittelt werden. Teilnehmende Schulen werden vom Amt für Volksschule und Sport und dem Gesundheitsamt aktiv gefördert und erhalten neben der Prozessbegleitung auch beratende und finanzielle Unterstützung. 

www.gr.ch/sn21

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