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Zwanzig Jahre Planung, zehn Jahre Baustelle: Churs Mammutprojekt nähert sich dem Ziel

Wenn auf der einen Seite der Wand operiert und auf der anderen gebohrt wird: Die Baustelle im Kantonsspital Graubünden ist eine organisatorische Herausforderung. Ein Einblick.

Bündner Woche
03.03.26 - 10:00 Uhr
Graubünden

Von Cindy Ziegler

Donnerstagnachmittag, 14.30 Uhr. Im Eingangsbereich des Kantonsspitals Graubünden (KSGR) ist einiges los. Besucherinnen und Besucher treffen in der «Kaffi Box» ihre Angehörigen, die dort teilweise im Rollstuhl oder neben ihrem Infusionsständer sitzen. Vor dem Lift warten Menschen und die Mitarbeitenden am Empfang geben immer wieder Auskunft. Auch Stefan Galliker, Bereichsleiter Immobilien des KSGR, ist noch im Gespräch vertieft. Er hat derzeit viel zu tun. Denn er ist zudem Gesamtprojektleiter des Um- und Neubaus des Spitals. Ein Projekt, dessen Planung vor fast zwanzig Jahren begonnen hat, und an dem seit über zehn Jahren gebaut wird. Der erste Teil des neuen Hauptgebäudes konnte im April 2020 eröffnet werden, nun steht das Grossprojekt kurz vor Abschluss. «Wir sind im Endspurt – zumindest wenn man die Langfristigkeit des Projekts bedenkt», meint Stefan Galliker. Im Sommer sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein und Ende November die letzten der neuen Räume bezogen werden. 1500 sind es an der Zahl, keines davon ist ein Bettenzimmer. Ambulant vor stationär ist die Devise.

Ein gefragter Mann: Projektleiter Stefan Galliker.
Ein gefragter Mann: Projektleiter Stefan Galliker.
Bild: Cindy Ziegler

Der Projektleiter öffnet eine unscheinbare Tür und steht dann in einem Raum voller Technik. Bis zur hohen Decke sind grüne Kästen aufgereiht, aus denen silberne Rohre führen. Überall leuchten Lichter und Anzeigen. Hier läuft schon heute die Technik für die Operationssäle zusammen. Mit mehrfacher Sicherung. Denn in einem Spital darf es zu keinen Ausfällen kommen.

Viele hochinstallierte Räume im neuen Gebäude

Im Raum daneben muss das alles noch zusammengeführt werden. Zwei Männer sitzen an einem improvisierten Arbeitsplatz vor einem Laptop. Sie programmieren die zweite Technikanlage für die neu entstehenden OP-Säle. Das sei äusserst anspruchsvoll, so Stefan Galliker. Denn wie schon im ersten Teil des neuen Hauptgebäudes werden auch im neuen Gebäude viele sogenannte hochinstallierte Räume eingerichtet. «Operationssäle, die neue Notfallstation, Labore, Reinräume», zählt er auf und geht weiter voraus. Der medizintechnische Anspruch sei riesig, sagt er im Gehen.

Stefan Galliker ist mittlerweile im sechsten Stock angekommen. Auf dem Helikopterlandeplatz steht ein Helikopter der Rega. Der erste Landeplatz wird schon rege angeflogen, der zweite wird bald fertiggestellt. Zukünftig sollen die Wege im Notfall noch kürzer werden, um schwer verletzten Patientinnen und Patienten so effizient wie möglich zu helfen, so der Bereichsleiter Immobilien. «Übrigens läuft das in echt alles viel ruhiger ab als in Filmen», betont er und zeigt sich beeindruckt. Stefan Galliker geht weiter durch die Baustelle. Aus verschiedenen Ecken klingt verschiedene Musik aus Boxen. Polnisches Radio hier, Deutschrap dort. Rund 150 Handwerkerinnen und Handwerker sind jeden Tag auf der Baustelle anzutreffen. «Für viele ist es eine Ehre, hier zu arbeiten. Schliesslich baut man wohl nur einmal in seinem Arbeitsleben ein Spital», sagt Stefan Galliker und nickt einem Elektriker zu, der gerade ein Kabel von der Decke zieht.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Wir nehmen den Lift, da im Treppenhaus noch ein Gerüst steht. Stefan Galliker steigt über eine Holzlatte und grüsst die drei Männer, die mit langen Metallstangen schon im Aufzug stehen. Er betont, dass die Arbeit auf einer solchen Baustelle Teamarbeit sei. Er selbst sei so etwas wie der Kapitän, der dafür sorge, dass das Schiff in die richtige Richtung fährt und nicht untergeht. Und er sei Übersetzer und Vermittler für die gut 64 Nutzergruppen des Spitals und die 20 Planungsdisziplinen (Fachplaner, Architektinnen und so weiter). Zusammen sind dies über 250 direkt beteiligte Personen. Wie im Spital ist auch auf der Spitalbaustelle interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt. «Eine Baustelle in einem laufenden Spitalbetrieb zu realisieren, ist gar nicht so einfach. Wir können schliesslich nicht einfach mal alles runterfahren, Arbeiten durchführen und wieder öffnen», so der Projektleiter.

Ein Ort, um zusammenzukommen: der Innenhof.
Ein Ort, um zusammenzukommen: der Innenhof.
Bild: Cindy Ziegler

Der Spitalbetrieb hat Vorrang

Er steht in einem langen Gang mit grossen Fenstern, durch die man einen wunderbaren Blick auf Chur hat. Die Mitarbeitenden in den Operationssälen und den Laboren hätten sich mehr Tageslicht gewünscht. Das sei wichtig und richtig, meint Stefan Galliker. Schliesslich würden ihre Aufgaben Höchstkonzentration erfordern. Hinter ihm sind die neuen Operationssäle angelegt. Das Licht ist schon installiert und die Leitungen für die medizinaltechnischen Geräte angelegt. Der Vertreter der Bauherrschaft zeigt auf eine Wand. «Dahinter wird gerade operiert», kommentiert er, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Sie seien im engen Austausch mit den Ärztinnen und Ärzten sowie anderen Fachpersonen. Der Spitalbetrieb hat immer Vorrang. «Dreimal ist es bisher vorgekommen, dass wir unsere Arbeiten auf der Baustelle unterbrechen mussten, weil eine dringende Operation anstand, bei der es keinerlei Erschütterung geben durfte», so Stefan Galliker.

Meterdicke Räume im Keller

Es geht weiter. An Gängen mit frisch gegossenen Böden und von der Decke hängenden Kabeln vorbei. Durch Reinräume und Sterilisationsräume, in denen Dutzende Maschinen stehen, die wie überdimensionale Geschirrspüler aussehen. Es ist ein Labyrinth, aber Stefan Galliker weiss genau, wo er hinwill. In diesem Gebäudeteil nimmt er die Treppe bis ganz nach unten. Hier entsteht ein Raum mit besonders hohen Auflagen. Künftig wird in diesem ein Linearbeschleuniger stehen für die gezielte Bestrahlung in der Krebstherapie. Damit keine Strahlung nach aussen dringt, sind die Wände meterdick und aus speziellem Beton. «Auch alle Kanäle wurden mit Ecken eingebaut, sodass keine Strahlung durchkommt», erklärt Stefan Galliker. Die Akustik im Raum ist speziell, die dicken Wände schlucken jegliche Nebengeräusche.

Zurück im Gang geht der Blick nach oben, wo ein grosses Stück der Betondecke rausgebrochen ist. «Diese Einbringöffnung brauchen wir, wenn wir die Geräte irgendwann ersetzen müssen. Denn sie haben eine kürzere Betriebszeit wie das Gebäude», so der Experte. Das Gebäude und die neuen Räume seien so gebaut, dass man das Spital in dreissig Jahren wieder umbauen könnte.

Gesamte Orientierung neu konzipiert

Via Logistikausgang verlässt Stefan Galliker die Baustelle. Mit dem Neubau wurde die gesamte Orientierung des Spitals neu konzipiert. Der Haupteingang liege nun Richtung Stadt und der Notfalleingang sei dort, wo der frühere Haupteingang lag. Die gesamte Logistik soll künftig über den Ausgang erfolgen, den der Projektleiter gerade genommen hat. Er wirft einen Blick von aussen auf das Gebäude, das sich nahtlos an das bereits eröffnete anfügt. «Der Neubau hat auch das Quartier verändert. Darum war es uns besonders wichtig, dass der Spitalplatz nach der Fertigstellung des Gebäudes belebt und ein Ort wird, wo man zusammenkommt», so Stefan Galliker. Bis dahin ist Endspurt angesagt auf der derzeit wohl aussergewöhnlichsten Baustelle Churs.

Tag der offenen Türe
Die Bauarbeiten am KSGR werden im Sommer abgeschlossen sein. Nach dem Tag der offenen Tür am Samstag, 22. August, beginnen die sogenannten integralen Tests, bei denen die verschiedenen Systeme miteinander getestet werden. Ende November wird der Neubau dem Betrieb übergeben.
Weitere Infos zum Projektstatus unter www.ksgr.ch/bauprojekte.

 

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SO schreibt:
«Übrigens läuft das in echt alles viel ruhiger ab als in Filmen», betont Stefan Galliker, Bereichsleiter Immobilien des KSGR.
Wenn auf der einen Seite der Wand operiert und auf der anderen gebohrt wird: Die Baustelle im Kantonsspital Graubünden
Baustelle: Aus verschiedenen Ecken klingt verschiedene Musik aus Boxen. Polnisches Radio hier, Deutschrap dort. Rund 150 Handwerkerinnen und Handwerker sind jeden Tag auf der Baustelle anzutreffen.
Ich schreibe:
Warum soll Radio-Lärm auf einer Spitalbaustelle bei laufendem Spitalbetrieb erlaubt sein oder bei Bauarbeiten in einem bewohnten Wohnblock in der Schweiz?
Ich finde es eine Rücksichtslosigkeit gegen die Gesundheit. Zudem fiel mir bei einem Besuch im Spital (Medizinische Poliklinik) der chemische Geruch von Baustoffen auf und dass es dort Laserdrucker (Toner) statt Tintendrucker gibt.
Es gäbe gravierende Vorfälle am Kantonsspital Chur anzuprangern, aber Hauptsache ist doch, das Spital lobt sich selbst, oder?
https://www.ksgr.ch/zuweisung
Was spricht für das Kantonsspital Graubünden?
Als Zentrumsspital steht das Kantonsspital Graubünden (KSGR) für höchste medizinische Qualität, mit einem klaren Fokus auf Patientensicherheit und eine enge Zusammenarbeit mit Experten und Partnern. Unsere kontinuierliche Weiterentwicklung wird durch unabhängige Qualitätsprüfungen und wertvolles Feedback unserer Zuweisenden sichergestellt.
Geprüfte Qualität: SanaCERT Re-Zertifizierung
Das KSGR wurde erneut erfolgreich von SanaCERT zertifiziert – ein Beleg für unsere hohen Standards in der Patientenversorgung.
SanaCERT Re-Zertifizierung KSGR
Hohe Zufriedenheit der Zuweisenden
Die Ergebnisse der aktuellen Befragung der Zuweisenden zeigen eine hohe Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit. Die hohe Empfehlungsrate von 95% unterstreicht das Vertrauen in unsere Zusammenarbeit. Besonders positiv hervorgehoben wurden die fachliche Kompetenz, das breite Behandlungsangebot und die gute interdisziplinäre Kooperation. Gleichzeitig wurden Verbesserungspotenziale identifiziert, die in laufende Optimierungsmassnahmen einfliessen.

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